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Klimahain 99

Die GaLaBau in Nürnberg ist Startschuss für eine einzigartige Großbaumpflanzaktion unweit des Messegeländes. Aussteller der Fachmesse können mit Übernahme einer Baumpatenschaft einen „CO2-neutralen Messestand“ realisieren.

Die ersten Großbäume werden an exponierter Stelle unweit des Nürnberger Messegeländes auf einem Hektar vorhandener Rasenfläche beim Volkspark in Form einer „99“ gepflanzt. | Plan: SÖR

Von Erwin Bauer,
Hollern-Twielenfleth


Tagelanger Hitzestress, kollabierende Bahnreisende, extreme Unwetter - die anhaltenden tropischen Temperaturen in Deutschland machen den Menschen zu schaffen. In versiegelten Stadtquartieren ist die Situation besonders dramatisch. In Innenstädten ist die Lufttemperatur bereits heute im Jahresmittel bis zu 2 Grad Celsius höher als in ländlichen Regionen. In Hitzeperioden können in dicht bebauten Zentren im Extremfall mehr als 8 Grad Celsius höhere Lufttemperaturen als im Umland herrschen. Was dies bei 39 Grad Celsius im Schatten bedeutet, kann sich jeder ausrechnen. Gesundheitliche Schäden für die Bevölkerung drohen insbesondere bei längeren Hitzewellen, die laut regionalen Klimaprognosen künftig weiter zunehmen werden.
Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels sind daher größere Anstrengungen der Grünen Branche erforderlich, um die Lebensqualität in Städten zu sichern bzw. zu verbessern. Im Mittelpunkt steht dabei der Erhalt und Ausbau der urbanen Grünflächen. Bereits eine Grünfläche von einem Hektar hat einen signifikanten Einfluss auf das Mikroklima in der Stadt. Wenn viele Grünflächen über das Stadtgebiet miteinander vernetzt sind, potenzieren sich ihre Wohlfahrtswirkungen. Eine einfache Grasfläche bewirkt bereits eine Abkühlung der bodennahen Luftschicht. Bäume und Sträucher verhindern durch ihre Abschattung zudem die Aufheizung des Bodens und reduzieren obendrein durch ihre Vegetationsverdunstung die Umgebungstemperatur. In der Nähe von Häusern gepflanzt, können Gehölze dazu beitragen, die Kosten für die Klimatisierung der Gebäude zu reduzieren. Dies wiederum verringert die Verbrennung fossiler Energieträger und damit den weiteren CO2-Ausstoß.
Die ökologische Wertschöpfung von Bäumen und Grünflächen darf nicht unterschätzt werden. Es ist eine bekannte Tatsache, dass Pflanzen und Bäume über die Fotosynthese Kohlenstoff aus dem Kohlendioxid der Luft in ihrer Biomasse binden und dabei Sauerstoff produzieren. Sie wirken nicht nur urbanen Wärmeinseln entgegen, sondern reinigen die Luft von Stäuben, verringern den Regenabfluss, verbessern den Wasserhaushalt ...

Klimahain 99 in Nürnberg

Mit dem „Klimahain 99“ in Nürnberg sollen die weitreichenden ökologischen Leistungen von Bäumen anlässlich der Fachmesse GaLaBau 2010 stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerufen werden. Bei dem von der Redaktion der bi GaLaBau initiierten Projekt handelt es sich um eine Gemeinschaftsaktion der Stadt Nürnberg mit Grünclusiv e.V., einem Zusammenschluss von GaLaBau-Betrieben, Landschaftsarchitekten und Zuliefererfirmen, der sich ehrenamtlich für mehr Grün in der Stadt Nürnberg engagiert. Die Zahl „99“ soll zum Ausdruck bringen, bei der Verbesserung der urbanen Lebensqualität mit Grün nicht nachzulassen. Die „99“ hat auch einen aktuellen Bezug in Sachen Treibhausgas-Emissionen. So müssten etwa 99 Bäume gepflanzt werden, um den derzeitigen durchschnittlichen CO2-Ausstoß eines Bundesbürgers (ca. 9,9 Tonnen/Jahr) komplett zu neutralisieren. Die Voraussetzung hierfür wäre natürlich eine der Lebenserwartung entsprechend lange Wachstumsperiode der gepflanzten Bäume bei bester Vitalität und optimaler Pflege.

Klimatolerante Baumarten

Um dem Projekt „Klimahain 99“ in Nürnberg Nachdruck zu verleihen, werden in Abstimmung mit dem Umweltreferat der Stadt und dem Servicebetrieb Öffenticher Raum (SÖR) stattliche Bäume mit Stammumfängen von 35-45 cm und Höhen von ca. 8 m gepflanzt. Die Großbäume werden balliert von der Baumschule Lappen aus Nettetal geliefert und von der Firma Opitz GmbH & Co. KG, Großbaumverpflanzung aus Heideck mit speziellen Rundspatenmaschinen gepflanzt, nachversorgt und über einen Zeitraum von drei Jahren fachgerecht gepflegt. Die Auswahl der Baumarten insbesondere in Hinblick auf Schädlingsresistenz und Trockenheitsverträglichkeit erfolgte durch die Abteilung Planung und Bau Grün beim SÖR Nürnberg. Der Klimahain 99 dient insofern auch als Versuchsfläche für die künftige Baumartenauswahl der Frankenmetropole.

Klimafreundlichen Messeauftritt gestalten

Angesprochen als Unterstützer des Projektes sind in erster Linie die Ausstellerfirmen der Fachmesse GaLaBau 2010 sowie interessierte Unternehmen aus der Region Nürnberg. Sie setzen sich durch ihre Beteiligung am Klimahain 99 für eine lebenswerte, nachhaltige Umwelt im Hier und Jetzt ein. Über das Umwelt-Engagement der Sponsoren wird in der (Fach-)Presse berichtet. Die beteiligten Aussteller der GaLaBau-Fachmesse erhalten die Auszeichnung „CO2-freundlicher Messestand – Klimahain 99“ von der Fachzeitschrift bi GaLaBau. Mit ihrer Baumpatenschaftsurkunde erhalten sie eine Bestätigung über die Kompensation von einer Tonne CO2. Ein einziger Baum des Klimahains kann bei optimalen Bedingungen bereits in den nächsten 10-15 Jahren eine Tonne des Treibhausgases in seiner Biomasse in Form von Kohlenstoff binden. Die Bäume werden als Solitärgehölze nachhaltig gepflegt und haben daher eine gute Chance sehr alt zu werden, um der Atmosphäre noch viele weitere Tonnen Kohlenstoff zu entziehen.

Wer sind die Initiatoren des Klimahains?

Fachzeitschrift bi-GaLaBau, Kiel / Redaktionsbüro Erwin Bauer, Hollern-Twielenfleth (Konzept, Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoren).
Optiz Großbaumverpflanzung, Heideck (Pflanzung, Pflege für drei Jahre).
Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR) Nürnberg (Planung, Öffentlichkeitsarbeit, Anschlusspflege).
Baumschule Lappen, Nettetal (Gehölzlieferung).
Grünclusiv e.V., Nürnberg (Koordination, Öffentlichkeitsarbeit).
Durch die enge Zusammenarbeit der Grünflächenverantwortlichen der Stadt, der beteiligten Landschaftsarchitekten und GaLaBauer, Großbaumverpflanzer, Baumschulen und Medienvertreter ist der nachhaltige Erfolg dieses Projektes gewährleistet.

Was kostet eine Baumpatenschaft?

Je Baumpatenschaft für einen Großbaum des Klimahains 99 wird mit Ballierung, Transport, Pflanzung, Substrat, Düngung, Verankerung, drei Jahre Pflege sowie Anschlusspflege inklusive Öffentlichkeitsarbeit und Urkunde zum Preis von Euro 999,- angeboten. Die Sponsoren können sich „ihren Baum“ aus den vier zunächst gepflanzten Arten auswählen: Das sind Baumhasel (Corylus colurna), Straßenesche (Fraxinus exc. 'Westhofs Glorie'), Vogelkirsche (Prunus avium) und Silberlinde (Tilia tomentosa Brabant). Interessenten wenden sich bitte an die Redaktion bi GaLaBau, Am Deich 43, Hollern-Twielenfleth, Tel. 04141/776884, E-mail: red.bauer@t-online.de

Startschuss für die Initialpflanzung

Die Pflanzung der ersten Großbäume in Form einer gerasterten „99“ erfolgt anlässlich der Fachmesse GaLaBau am 15. September 2010 in der Grünanlage Ecke Bayern Straße/Münchener Straße, gegenüber der Kongresshalle, unweit des Nürnberger Messegeländes. In Kooperation mit SÖR wird der erste Baum im Beisein von Sponsoren und Vertretern aus Politik und Wirtschaft gepflanzt. Die Koordination der Veranstaltung übernimmt die Pressestelle SÖR der Stadt Nürnberg zusammen mit der Redaktion bi GaLaBau. Die Nachhaltigkeit des Projektes ist gewährleistet, da die Fläche nicht bebaut wird und die Aktion nach der Fachmesse weiter fortgesetzt wird, bis alle Großbäume gepflanzt sind. Auch für die dauerhafte Pflege der Bäume – ein entscheidendes Kriterium für die Nachhaltigkeit einer solchen Aktion – ist gesorgt.