Von Winterdienstprofis lernen

SCHWABACH, 25.11.2015 - Was macht  einen gute Winterdienstleister aus? Die Bachmann + Schumacher GmbH aus Bad Vilbel setzt bei ihrem Dienstleistungskonzept auf kontinuierliche Verbesserung in Sachen Organisation, Schulung und Maschinenpark. Welche Vorteile ergeben sich daraus für den Kunden?

knickgelenkte Geräteträger und Kompakttraktoren der Bachmann + Schumacher GmbH
Für die größeren von Schnee und Eis zu räumenden Flächen werden knickgelenkte Geräteträger und Kompakttraktoren eingesetzt.

Von Erwin Bauer, Heideck

Aus seiner über 30-jährigen Erfahrung als Dienstleister weiß Uwe Schumacher die besonderen Herausforderungen einzuschätzen, welche der professionelle Winterdienst für private Kunden, Wohnungsbaugesellschaften und Industriebetriebe mit sich bringt. Die im Jahre 1983 mit seinem inzwischen ausgeschiedenen Kompagnon Stephan Bachmann gegründete "Straßenreinigungsgesellschaft Bad Vilbel" hat sich inzwischen zu einem der marktführenden Dienstleistungsunternehmen im Winterdienst, im Kehrdienst und Hausmeisterservice im gesamten Rhein-Main-Gebiet entwickelt. 2006 wurde die Firma SM Service GmbH aus Hanau übernommen, ebenfalls ein alteingesessener Dienstleister im Winterdienst, Kehrdienst sowie in der Grünflächenpflege. Heute werden von der Bachmann + Schumacher GmbH über 2.100 Liegenschaften mit rund 80 Mitarbeitern und 100 Einsatzfahrzeugen im Winterdienst betreut. Insbesondere die Entwicklung des firmeneigenen Online-Protokolls zur schnellen und kurzfristigen Bearbeitung der einsatzbezogenen Daten und die ganzjährige Beschäftigung von Gebietsleitern im Winterdienst für die Abwicklung der administrativen sowie einsatzspezifischen Aufgaben sieht der Firmengründer neben der zuverlässigen Technik als die Garanten des langfristigen Erfolges seines Unternehmens.

Eigentlich beseitigen wir doch nur Schnee, was ist daran so schwierig?

Schumacher überlässt im Job nichts dem Zufall. Das habe seinen Grund, wie er erläutert:  "Winterdiensteinsätze sind nicht langfristig planbar, in der Regel ist die Dienstleistung spontan zu erfüllen. Der zeitliche Umfang eines Einsatzes ist nicht vorhersehbar, denn er ist abhängig von der Witterung, deren Auswirkung im gesamten Einsatzgebiet unterschiedlich ausfallen kann." Auf langfristige Wetterprognosen sollte man sich lieber nicht verlassen. Zu unberechenbar seien die Kapriolen, die der Wettergott jederzeit schlagen kann. Die rund um Frankfurt am Main außerordentlich schneereichen, kalten und lang anhaltenden Winter zwischen 2009 bis 2012 hätten alles von den Einsatzkräften abverlangt. Man verlasse sich daher nicht auf langfristige Prognosen über die Intensität des Winters, sondern setze bei der Planung des Winterdienstes auf die eigene langjährige Erfahrung.

Fahrzeug der Bachmann + Schumacher GmbH
Die Einsatzfahrzeuge des Unternehmens sind mit ihrer markanten Aufschrift allgegenwärtig in und um die hessische Metropole, im Sommer werden Kehrdienste und Hausmeisterservices angeboten.

Akribische Tourenplanung als das A und O

Uwe Bachmann, der das Unternehmen zusammen mit Sascha Matter führt, erläutert das ausgeklügelte Dienstleistungskonzept: "Unsere ganze Belegschaft ist vom 1. November bis 30. April rund um die Uhr in Bereitschaftsdienst und einsatzbereit. Personal, Arbeitsmaschinen, Traktoren und ausreichend Streugut müssen rechtzeitig vor der Saison bereitstehen, obwohl die Tourenplanung zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen ist." Und wie bereiten sich die Winterdienstprofis auf den Wintereinbruch vor? Zunächst werden die Liegenschaften in einem Gebiet zu einer "Tour" zusammengefasst, und der durchschnittliche Zeitaufwand für die Schneeräumung wird disponiert. Bei der genauen Analyse der Tour werden nicht nur die Räumflächen betrachtet, sondern auch alle anderen Faktoren, welche die Räumung erschweren und daher Zeit kosten. Durch zugeparkte Bürgersteige können beispielsweise erhebliche Verzögerungen entstehen. Aufgrund der Parksituation wird dann entschieden, wo Handräummaschine, Knicklenktraktor bzw. größere Kommunaltraktoren sinnvoll zum Einsatz kommen. Alle Räumsysteme sollen sich ergänzen und ungehindert arbeiten können.

Mitarbeiterschulung durch Gebietsleiter

Alle Winterdienst-Mitarbeiter bei Bachmann + Schumacher sind für die Saison fest angestellt. Bereits vor der Saison durchläuft jeder Einzelne eine intensive Schulung. Im theoretischen Unterricht werden Arbeitsmaschinen, Arbeitsabläufe, Logistik und Versicherungsproblematiken besprochen. Im praktischen Teil lernt jeder Mitarbeiter seine Tour eingehend kennen und bespricht die Besonderheiten mit seinem Gebietsleiter. Geübt werden außerdem der richtige Umgang mit Fahrzeug, Arbeitsmaschine und die richtige Streutechnik. Die Gebietsleiter sind ganzjährig fest angestellt und sind bereits beim Aufmaß der zu betreuenden Flächen die direkten Ansprechpartner für die Kunden. Sie kennen ihre Räumgebiete aus dem Effeff, teilen die Flächen in Touren ein, in die sie jeweils einen Mitarbeiter einweisen. Jeder Gebietsleiter betreut durchschnittlich zehn Mitarbeiter vor Ort und kontrolliert die Räumergebnisse. Sollten Missverständnisse auftreten, ist er in seinem Einsatzbereich hauptverantwortlich für die Fehleranalyse. Die Mitarbeiter sollen möglichst auf Touren in der unmittelbaren Nähe ihres Wohnortes eingesetzt werden. Daher nehmen sie in der Rege das komplette Equipment inklusive Trägerfahrzeug, Handräummaschine, Material und Unterlagen mit nach Hause. Der Vorteil des dezentralen Konzeptes: Nach der Alarmierung ist der Mitarbeiter in kürzester Zeit auf seiner Tour.

kompakte Köppl-Einachser der FIrma Bachmann + Schumacher GmbH
Uwe Schumacher schätzt die kompakten Köppl-Einachser: "Hydrostaten und Anbaugeräte mit einfachem Handling und ausreichenden Leistungsreserven sind für diesen Preis in dieser Qualität schwer zu finden." | Fotos: Erwin Bauer

Maschinenpark sukzessive erneuert

Die strukturellen Änderungen machten eine weitere Spezialisierung des Fuhrparks erforderlich, wie Schumacher beim Rundgang durch Büro, Lager und Werkstatt erläutert. 2013 wurden 40 Transporter T5 von Volkswagen in verschiedenen Ausführungen sowie 20 knickgelenkte Kompakttraktoren Egholm 2150 angeschafft. Nach wie vor sind außerdem Kommunaltraktoren von Iseki, Kubota und Hako im Einsatz, die sich auf den größeren Flächen im Winterdienst und beim Kehren bewährt haben. 2014 wurden dann die letzten älteren Trägerfahrzeuge gegen nagelneue VW T5 Transporter ausgetauscht. Zum Schutz des Fahrzeuginnenraumes, besseren Ladungssicherung und vereinfachten Reinigung wurde in Zusammenarbeit mit der metallverarbeitenden Firma Henke aus Altenstadt jedes Trägerfahrzeug mit einer maßangefertigten Edelstahlbox ausgestattet. Auch hier beweist der Dienstleister unternehmerisches Kalkül. Dank der leicht entnehmbaren Winterbox lässt sich ein Kontingent der Transporter im Sommer als Campingfahrzeuge, voll ausgestattet in zwei Versionen, vermieten. Eine fest installierte Klapprampe am Heck vereinfacht zudem das Ein- und Ausfahren der Arbeitsmaschinen.

Sechzig 2-Rad-Traktoren geordert

Von der Firma Köppl aus Entschenreuth im Bayerischen Wald wurden im September 2014 auf einen Schlag sechzig kompakte 2-Rad-Traktoren gekauft, die mit Kehrbürsten zur Schneeräumung eingesetzt werden. "Unsere neuen Handräummaschinen sind solide gebaut, einfach in der Bedienung und effektiv im Räumergebnis. Leistung, Verarbeitung und Preis stimmen einfach. Die Wege zur Firma Köppl sind kurz, es ist noch ein echtes Familienunternehmen, das sich durch innovative Technik und hochwertige Qualität seiner Produkte auszeichnet," erläutert Schumacher seine Entscheidung. Der Fuhrpark sei damit auf dem neuesten Stand und der erste Schneefall könne nun gerne kommen. "Unser Team ist startklar. Die Mitarbeiter kennen alle ihre Räumflächen, die regelmäßig zusammen mit den Gebietsleitern vor Ort begangen werden, auch wenn es nicht schneit," so Schumacher.