Kommentar:

Man muss auch loslassen können

KIEL, 04.04.2016 - Digitalisierung ist der Megatrend auf der Baustelle. Sie erfasst auch die Maschinensteuerung: Im Gegensatz zu herkömmlichen 2D-Anzeigesystemen, die zum Beispiel den Baggerfahrer durch das Projekt lotsen, bieten die neuen Systeme aktiv ihre Hilfe an. Davon profitiert der Bauunternehmer genauso wie sein Fahrer.

Von Hendrik Stellmach

Hendrik Stellmach
bi-Redakteur Hendrik Stellmach
Keine Angst, liebe Fahrer, auch nach der bauma 2016 arbeiten Eure Maschinen höchstwahrscheinlich noch nicht allein, sondern sind weiterhin auf Eure lenkende Hand angewiesen! Aber ein paar Dinge werdet Ihr in Zukunft wohl nicht mehr selbst tun müssen! Das zeigen die jüngsten Neuvorstellungen der großen Baumaschinenhersteller wie auch der Vermessungs- und Maschinensteuerungsspezialisten. Und auf der Messe wird es unter der Überschrift „Digitalisierung der Baustelle“ sehr wahrscheinlich noch mehr Neuigkeiten in diesem Bereich geben. Komatsu wird weitere „intelligente“ Maschinen vorstellen, Maschinen also, die ihre Position und die ihrer Arbeitswerkzeuge „kennen“ und dadurch Arbeiten zielgerichteter und schneller ausführen können. Und Caterpillar treibt die Integration der verschiedenen, zum Teil heute schon erhältlichen Techniken in seinen Maschinen voran, die auf die Steigerung der Maschinenproduktivität abzielen. Zwei wesentliche sind die Grabassistenz- und die Wägesysteme, die zusammengenommen Aussagen darüber erlauben, wo und wie viel Material bewegt wurde, sodass die Produktivität der Maschinen nachprüfbar und dokumentierbar wird.

Die neue Technik – das akribische Auswerten von Maschinendaten, das Blicken auf kleine Farbmonitore statt auf die Löffelschneide während des Baggerns – mag manchem alten Hasen fremd erscheinen; mehr wie das Computerspiel seines Sohnes denn wie ein vernünftiger Bauprozess. Sie ist aber beileibe keine Spielerei, sondern hat nur ein einziges Ziel: jedes Bauprojekt in der kürzest möglichen Zeit und mit dem geringstmöglichen Ressourceneinsatz abzuschließen. Der Bauunternehmer macht mehr Profit und kann zukünftige Projekte genauer kalkulieren, beispielsweise günstiger anbieten, ohne Gefahr zu laufen, am Ende draufzuzahlen.
Mit der Unterstützung der Assistenzsysteme können auch weniger geübte Fahrer die gleichen guten Ergebnisse wie ihre erfahrenen Kollegen erzielen. Die Produktivität der Maschine wird damit für den Bauunternehmer besser planbar. Das heißt nicht, wie Caterpillar stets betont, dass der Fahrer bald überflüssig wird. Man wolle ihn nur entlasten, indem man ihm wiederkehrende, monotone Arbeiten abnimmt, damit er weniger schnell ermüdet und seine Aufmerksamkeit auf Wichtigeres richten kann. Die Rolle des Fahrers wird sich also verändern und damit das Berufsbild des Maschinenführers. Und mal ehrlich: Die nachrückende Generation, die mit Smartphone und Internet der Dinge aufwächst, wird den alten Zeiten keine Träne nachweinen!

Bei allem Respekt für das vielzitierte „Popometer“ erfahrener Baumaschinenführer – mit den Assistenzsystemen in Baumaschinen wird es so sein wie bei vielen technischen Neuerungen zuvor: Einmal benutzt, werden die Fahrer sie nicht mehr missen wollen. Und die Hersteller werden sich dem „Gruppenzwang“ in ihrer Branche nicht verweigern können und kurz über lang allesamt derartige Systeme anbieten. Wie viel Platz dann noch für Drittanbieter im Bereich Nachrüstung bleibt, werden die nächsten Jahre zeigen. bi