Maschineneinsatz im GaLaBau: Akkutechnologie wird Markt verändern

KAPPELRODECK, 15.12.2016 – Lange Zeit wurden akkubetriebene Maschinen auch im GaLaBau eher belächelt und als nicht praktikabel abgetan. Doch vor allem in den letzten ein, zwei Jahren hat sich technologisch viel getan und mittlerweile können die elektronischen Geräte ihre klassisch angetriebenen Pendants in nahezu allen Aspekten schlagen.

Von Alexander Hertweck, Kappelrodeck

Der Pellenc Akkulaubbläser im Einsatz
Dank Akkutechnik kann für den Urlaubsgast im Feriendorf jeder Tag ein Sonntag sein. | Fotos: Pellenc

Ungefähr vor acht Jahren saß ich auf einer Pressekonferenz weitgehend unbeachtet von den damaligen Wettbewerbern und Pressevertretern. Gegen Ende traf ich Erwin Bauer, den ehemaligen Chefredakteur der bi-GaLaBau und zudem Akku-Visionär. Er war einer der wenigen Personen, welche auf Anhieb begeistert von unserer neuen 44 V Technologie war, und lud mich spontan nach Hamburg zu einem Interview ein.

Rasante Entwicklung bei Akkutechnik

In der Tat wurden wir zu dieser Zeit eher belächelt, was wir mit Grünpflegegeräten wollten, welche mit einem Lithium-Ionen-Rückentrag-Akku betrieben wurden. In den folgenden Jahren starteten auch unsere Mitbewerber mit Li-Ion-Systemen und noch immer wurde das Pellenc-System als nicht praktikabel abgetan. Ich kann mich noch gut an Slogans wie „die Zukunft ist cordless“ erinnern. Heute ist der Li-Ionen-Akku nicht mehr aus unserer Branche wegzudenken. Gerade in den vergangenen zwei Jahren war die Entwicklung sehr rasant, keine anderen Produktgruppen haben solche Steigerungen im Verkauf zu verzeichnen wie diese. Es gibt keine Zielgruppe, welche nicht mit Gartengeräten zur Grünpflege bedient werden kann, der Li-Ion-Akku hat sich am Markt durchgesetzt.

Der Pellenc Akkurasenmäher im Einsatz
Mit 60 cm Schnittbreite effizient bei großen Flächen.

Handhabung der Akkus

Die neuen Akkus sind sehr anwenderfreundlich - einfach einschalten und los geht’s. Ein paar Dinge sollte der Anwender trotzdem beachten: Komplett leere Akkus können sich nicht gegen Tiefentladung schützen. Arbeitet man bis zum Abschalten des Akkus, ist eine Ladung zum Abschluss des Tages notwendig. Ist ein Pellenc Akku neuerer Bauart zu 100% geladen, dann kann dieser bis zu zwei Jahre ohne Zwischenladen gelagert werden. Dies sollte bei Raumtemperaturen erfolgen. Gute Lithium-Ionen-Akkus wie unsere können immer geladen werden, egal welchen Ladezustand sie gerade haben, müssen aber regelmäßig fertig geladen werden.

Zellensteuerung wichtig

Ein wichtiger Vorgang zum Erhalt der Laufzeiten findet zum Abschluss des Ladens statt, nämlich das Ausbalancieren der Zellen. Der Bereich, in dem die meisten Zellen arbeiten, bewegt sich zwischen vollgeladen 3,1 V und der Abschaltspannung bei 2,5 V. Wenn die Zellen nicht untereinander synchronisiert werden und nur 0,1 V Differenz zwischen der besten und der schlechtesten Zelle liegt, dann verliert der Akku ca. 20% seiner Laufzeit. Deshalb ist für einen Profi-Akku eine gute Zellensteuerung zwingend erforderlich. Arbeiten bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt stellt kein großes Problem dar, eventuell muss man mit verkürzten Laufzeiten leben. Das Laden bei Minusgraden jedoch ist sehr problematisch, es kann sogar zur Zerstörung der Zellen führen. Deshalb ist eine Temperaturüberwachung mit Abschaltung für Pellenc ein absolutes Muss.

Der Pellenc Akkulaubbläser eignet sich auch für den Einsatz in der Stadt
Insbesondere für  lärmsensible Bereiche
wie Fußgängerzonen ist Airion 2
prädestiniert.

Kosten und CO2-Bilanz

Die Lebensdauer der Akkus wird in Ladezyklen angegeben. Ein Ladezyklus steht für eine volle Ladung von 100%. Diese kann aus mehreren Teilladungen bestehen. Das bedeutet, zwei Teilladungen von 50% entsprechen einem Ladezyklus. Somit ist eine Konstante gegeben, auf dessen Grundlage die Wirtschaftlichkeit berechnet werden kann. Unser UliB 1100 hat eine Kapazität von 1.003 Wh. Wenn man die durchschnittliche Lebenserwartung von 1.000 Ladezyklen (Katalogangabe 800 bis 1.200) dagegen setzt, ergibt sich eine nutzbare Energie von 1.003.000 W. Wir können mit einer Akkuladung des ULiB 1100 ungefähr zwei Tage lang Hecken schneiden. Mit einer Zweitakt-Heckenschere läge der Verbrauch bei mindestens 3 l Sonderkraftstoff im Wert von ungefähr 10 Euro. Ein Ulib 1100 ersetzt also ca. 3.000 l Sonderkraftstoff oder besser gesagt 10.000 Euro. Da in 1 l Benzin 2,34 kg Co2 gespeichert sind, ergibt sich pro UliB 1100 eine positive Co2 Bilanz von 7,02 t Einsparung - also eine runde Sache für den Klimaschutz.

Neue Maßstäbe beim Mitarbeiterschutz

Ganz zum Nulltarif geht dies leider auch nicht, denn - wie in allen elektronischen Geräten - sind auch in den Akkus seltene Materialien verbaut. Doch in puncto Recycling ist man heute so weit, dass die meisten Komponenten der Akkus wiederverwertet werden können und ausreichend Rückgabemöglichkeiten für alte Akkus bestehen.
Akkuwerkzeuge setzen auch in Bereichen des Mitarbeiterschutzes neue Maßstäbe. Denn wo ist dem Mitarbeiter noch mit gutem Gewissen zu vermitteln, dass zwar der Büromitarbeiter aufgrund der Feinstaubbelastung einen eigenen Raum für einen Laserdrucker bekommt, er aber zum Heckenschneiden mit einem Benzinmotor im Abstand von 40 cm zur Nase leben muss! Und das, obwohl die hohe Wirtschaftlichkeit von Akkuwerkzeugen von allen namhaften Herstellern beschrieben wird.

Der Pellenc Akkurasenmäher im Einsatz bei großer Steigung
Dank Radantrieb ist der Rasenmäher auch bei starker Hanglage leicht zu bedienen.

Vorteil Lärmemission

Man fragt sich, ob die Verordnung Gärtnerisches Arbeiten 7.3.1 für alle Bereiche und Werkzeuge gilt mit Ausnahme von Akkuwerkzeugen. Als Firmeninhaber sollte man sich mit dieser Problematik auseinander setzen, denn schließlich ist man als Vorgesetzter in einer persönlichen Haftung. Der größte finanzielle Nutzen liegt für den GaLaBauer sicherlich darin, dass er mit leisen und abgasfreien Werkzeugen zu anderen Tageszeiten arbeiten kann und bei richtiger Vermarktung der eigenen Firma sicherlich Neukunden gewinnt, bevor alle Mitbewerber auf Akkutechnologie umgestiegen sind. Mit Zunahme der Akkuwerkzeuge können auch schnell Ausnahmegenehmigungen zu Lärmschutz bei den Einsatzzeiten von Benzinmaschinen erlöschen, welche die 32 BImSch-Verordnung heute noch zulässt und von denen gewerbliche Nutzer heute noch in einigen Teilen der Republik profitieren.

Verbote für Maschinen mit Verbrennungsmotor?

In der vergangenen Woche hatten wir einmal mehr Feinstaub Alarm in Stuttgart. Die Stadtverwaltung spricht offen darüber, dass es zu Sanktionen in 2017 kommen wird, da die freiwillige Bürgerbeteiligung nicht ausreichend ist, um die Werte spürbar zu senken. Den Weg zur Arbeit mit dem Auto zu untersagen lässt sich schwer durchsetzen, aber wäre es nicht vielleicht ein kleiner Schritt in die richtige Richtung das Rasenmähen oder Heckenscheren mit Benzinmaschinen in diesen Zeiten zu untersagen?

Der Pellenc Akkulaubbläser im Einsatz bei nassem Laub
Volle Power: Mit einem effektiven Schub
von 17,5 N erfüllt Airion 2 die
Anforderungen der Profis in allen
Wetterlagen – auch nasses Laub ist
kein Problem.

Wasserschutz serienmäßig

Mit Benzinmaschinen kann man auch bei Regen arbeiten und das erwartet ein Profi von unseren Werkzeugen auch. Deshalb sind z.B. unser Rasenmäher, Laubbläser oder die Heckenschere Helion 2 Spritzwasser geschützt und mit IP 54 klassifiziert. Denn gerade die Hecke bleibt ja den ganzen Tag nass, auch wenn es nur 5 Minuten geregnet hat. Im Frühjahr 2017 wird die Markteinführung des neuen ULiB 1500 kommen - auch dieser ist IP 54 und wird neue Standards setzen. Eines bleibt unbestritten: Akkugeräte werden den Markt verändern. Ein erstes Ausrufezeichen tritt zum 01.01.2017 in Kraft. Beim Blauen Engel werden alle Benzinmaschinen eben diesen verlieren und nur noch Elektro- und Akkuwerkezuge für Neuerwerbungen zugelassen. Und im Bundestag wird darüber diskutiert ab 2030 nur noch Elektroautos neu zuzulassen.

Zum Autor:

Alexander Hertweck ist Vertriebsleiter Deutschland der Pellenc GmbH.