Im GaLaBau immer lernbereit bleiben

VEITSHÖCHHEIM, 24.11.2016 – An Studierende und Lernende im Bereich GaLaBau werden verschiedenste Anforderungen gestellt. Dabei geht es nicht allein um Faktenwissen, denn Auftreten und Motivation sind für den Beruf ebenso erforderlich. Doch welche Softskills sind besonders wichtig?

von Hans Beischl, Veitshöchheim

Prüfungssituation im GaLaBau
Der Auszubildende und der Meisterkandidat werden vom Prüfer (hinten) überwacht. Die richtige Konzentration beeinflusst die Qualität der Leistung.

Wer auf dem GaLaBau-Markt bestehen will, der muss immer lernbereit sein. Er muss reden und rechnen können. Dies fängt beim Auszubildenden an, geht über die/den Meister/in und hört beim Hochschulprofessor noch lange nicht auf. Wissen und Wissen kombinieren lernt man Schritt für Schritt. Da aber unsere Erfahrungen und unsere GaLaBau-Leistungen der Daseinsvorsorge der gesamten Gesellschaft dienen, können wir ruhigen Gewissens selbstbewusst auftreten. Unser individueller Bildungsstand und unsere berufliche Perspektive stehen genauso in einem engen Verhältnis zueinander wie das Bildungsniveau der grünen Branche und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit unseres Berufsstandes. Wissensmanagement und lebenslanges Lernen sind unumgängliche Voraussetzungen für ein erfülltes und erfolgreiches Leben.

Fachwissen und Bildung aneignen

Jede/r frisch gebackene/r Meister/in oder Techniker/in im GaLaBau muss lernen, mit neuen Sicht- und Denkweisen umzugehen, um sich mit deren Hilfe Fachwissen oder allgemeine Bildung anzueignen. So gilt es z.B., eine konkrete Betriebsbeurteilung mit einem Businessplan zu verknüpfen, ohne sie zu verwechseln. Und wer die Vorkalkulation verstanden hat, der müsste schnell die Nachkalkulation begreifen. Oder wer einen Investitions- und Finanzierungsplan oder die „tragbare Belastung“ nur für die Schulaufgabe lernt, aber nicht in der Lage ist, dieses Wissen in der Praxis anzuwenden, für den war der Wissenserwerb (fast) sinnlos. Jede/r Studierende muss selbstständig aus der Fülle der Wissensangebote auswählen, ohne seine Kräfte an Überflüssiges zu vergeuden. Er muss in der Lage sein, selbstständig zu denken, Fragen zu formulieren und darauf Antworten zu suchen. Vor allem soll er lernen - das sei immer wieder betont -, dass einmal erworbenes Wissen nicht mehr ausreicht, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Sie/er wird stets aufgefordert, sich in einem lebenslangen Lernprozess neues Wissen anzueignen.

Ein Unternehmer muss stets auf allen Baustellen präsent sein
Ein Unternehmer muss auf „vielen Baustellen“
präsent sein.

Verschiedenste Fähigkeiten fehlen

Jedes Jahr kommt anlässlich der Meister- und Technikerprüfung die Frage auf, was den Kandidaten/innen bei den Prüfungen grundsätzlich fehlte? Die einen Prüfer beschweren sich darüber, dass es oft an den „Basics“ mangle. Andere legen mehr Wert auf Pflanzen- und Materialkenntnisse und identifizieren dort ihre Lücken. Wieder andere bemängeln die misslungene Arbeitsunterweisung in der Berufs- und Arbeitspädagogik. Das Anforderungsprofil ist in allen Fächern so weit gesteckt, dass es in der Kürze der Zeit kaum möglich ist, bei Prüfungen in die Tiefe zu gehen. Immer liegt es am Prüfling, seine Persönlichkeit zu „verkaufen“ und seine Kompetenzen gekonnt zu präsentieren. Das bedeutet grundsätzlich, dass man Ihm/r nicht alles „aus der Nase ziehen“ muss. So wie jedes Jahr die Lehrkräfte ihren Lehrstoff interessant verpacken, so sollten die Meisterkandidaten/innen auch engagiert auftreten.

Kommunikationsfähigkeit wichtig

Die Kommunikationsfähigkeit ist für den/die angehenden Meister/in oder Techniker/in eine ebenso große Herausforderung wie solides Fachwissen. Dabei unterscheidet man immer zwischen Orientierungs- und Verfügungswissen. Orientierungswissen, das ist systematisch und theoretisch geordnetes Wissen, im Gegensatz zu beschreibendem "Sachwissen" und "Detailkenntnissen" und im Gegensatz zu Handlungswissen (Know-how). Landschaftsgärtner-Meister haben bis zum Ende ihres Meisterkurses Orientierungs- und Detailwissen, sowie ein Bündel an Kompetenzen erworben. Dies gilt für ihre Fachsparte und für ihre Aufgaben im mittleren Management. Sie müssen aber weiterhin in der Praxis noch Know-how erwerben, um eigenverantwortlich oder unter der Leitung ihres Chefs in ihrem Beruf arbeiten zu können. Den meisten Studierenden wird erst nach dem Besuch der Schule in Veitshöchheim bewusst, wie schön sie es hier am Standort hatten. Es wurden zwar immer Stegreifaufgaben, Schulaufgaben geschrieben oder Projekte ausgearbeitet. Dennoch war der tägliche Druck nicht so groß, weil es ja nicht um`s Geld ging. Im Praxis-Alltag ist jeder Handgriff, jedes Telefonat und jede Entscheidung unmittelbar mit finanziellem Gewinn oder Verlust verbunden.

Der Meister muss die Arbeit seiner Mannschaft prüfen
Der Meister prüft die Leistungen seiner
Mannschaft auf Herz und Nieren.
Fotos: Beischl

Flexibilität und logisches Denken wichtig

Einmal auf eine spezielle Prüfung erlerntes Wissen ist meist vergessen. Wer aber Flexibilität und logisches Denken zeigt und kombinieren kann, dem ist Anerkennung durch die Kollegen sicher. Gemeinsam ist allen Studierenden der GaLaBau-Zunft die Freude an der Arbeit, am Bauen und Gestalten. Kein vergleichbarer Beruf hat so viele kreative Entscheidungsspielräume. Mit dem Erwerb des Meister- oder Technikerbriefes gelangt jede/r Absolvent/in der Techniker- oder Meisterschule in einen höheren Rang. Sie/er hat Auszubildende zu betreuen oder eine Gruppe zu führen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt zeigt es sich, ob man in der Lage ist, sich eine angemessene Stellung im Team zu sichern. Führungskräfte entscheiden darüber, wie man miteinander kommuniziert und wie man einander zuarbeitet. Der Herausforderung muss sich der Neuling ab dem ersten Tag stellen. Am liebsten sähe der GaLaBau-Unternehmer, wenn seine Baustellenleiter im Sinne der „schlanken Baustelle“ ihr Kleinauftragsmanagement selbstständig beherrschen würden. Leider kann man als Lehrkraft kaum ermessen, wieviel Vorbild man den jungen Absolventen/innen mitgegeben hat. Hierher gehören Auftreten und Motivation für den Beruf, aber auch Gelassenheit und Geduld, um nur ein paar Werte zu nennen.