Berufsbekleidung wird fair: erste „Fair Trade“ Kollektionen erhältlich

DUISBURG, 02.01.2017 – Wer fair gehandelte Berufsbekleidung für das Baugewerbe sucht, hat zurzeit kaum eine Auswahl. Die Anbieter messen dem Siegel „Fair Trade“ bisher offenbar wenig Bedeutung bei. Löbliche Ausnahme: CWS boco bietet Kollektionen mit zertifizierter Fairtrade-Baumwolle an – und bekam nun Besuch aus Indien.

Patel und Teichner, Kooperation für Fair Trade Berufsbekleidung
Eine Kooperation, die nützt: Shailesh Patel und CEO Martin Teichner. | Foto: CWS boco
2015 stiegen die Verkäufe von Fairtrade-Produzenten im deutschen Markt um 29 %. Noch beziehen sich die meisten Käufe auf Lebensmittel. Aber nachhaltige Beschaffung wird ein immer wichtigeres Thema für Unternehmen. Der textile Serviceanbieter CWS-boco hat diesen Trend erkannt und Anfang 2016 seine Berufskleidungskollektion für Industrie und Handwerk, boco Profi Line, auf Fairtrade-Baumwolle umgestellt. Der Preis für die Kunden ist gleich geblieben. „Fairtrade-Kleidung wird von vielen Kunden nachgefragt“, sagt Max Teichner, CEO der CWS-boco Gruppe. „Kommunen und Städte setzen stark auf nachhaltige Beschaffung. Für Handwerksbetriebe ist das Fairtrade-Label an der Kleidung ein Imagegewinn gegenüber eigenen Kunden und Mitarbeitern.“
Die Profi-Line von CWS boco aus fair gehandelter Baumwolle
Die boco Profi-Line wird aus Fairtrade-
Baumwolle hergestellt. | Foto: CWS boco

Nachvollziehbare Lieferketten

Anders als viele andere Anbieter von Berufskleidung entwickelt und produziert CWS-boco viele seiner Produkte selbst. So kann das Unternehmen seine Lieferkette einwandfrei nachvollziehen und kontrollieren. Es gibt einen Verhaltenskodex für Lieferanten, dessen Einhaltung ebenso wie der ökologischen und sozialen Richtlinien bei den Produzenten regelmäßig durch interne und externe, zertifizierte Auditorenteams kontrolliert wird. Untersucht werden Kriterien wie faire Löhne, Arbeitszeiten, Verbot von Kinderarbeit, Umweltschutz oder Arbeitssicherheit.

Besuch aus Indien

Im Oktober besuchte Shailesh Patel, Vertreter der Bauernkooperative Rapar And Dhrangadhra Farmers Producer Company Limited, die CWS boco-Firmenzentrale in Dreieich bei Frankfurt. Der Kooperative aus dem Norden Indiens gehören 497 Mitglieder an. In diesem Jahr nimmt CWS-boco 100 t Rohbaumwolle aus fairem Anbau für die Herstellung seiner Berufskleidung ab, das entspricht dem Produktionsvolumen von 100 Baumwollbauern pro Jahr. „Wir legen höchsten Wert auf die Transparenz in unserer Lieferkette. Nun persönlich einem Vertreter unserer Baumwollproduzenten kennenzulernen, ist eine spannende Erfahrung“, sagte Teichner. Patel besichtigte auch eine Wäscherei, in der CWS-boco Berufskleidung im Mietservice für seine Kunden wäscht, und war begeistert von der Technik: „Schön, dass die Kleidung so lange genutzt und gepflegt wird.“

Kleinbauern profitieren durch das Fair Trade-Baumwollprogramm
Kleinbauern, die die Baumwolle nachhaltig
produzieren, profitieren vom Fairtrade-
Baumwoll-Programm durch feste
Mindestpreise.
| Foto: TransFair e.V./ Stefan Lechner

So profitieren die Baumwollbauern

Shailesh Patel, der als Projekt Manager der Bauernkooperative agiert, kümmert sich zum Beispiel um die Gemeinschaftsprojekte der Kooperative. Fairtrade zahlt den Bauern einen festen Mindestpreis für die Baumwolle und zusätzlich eine Fairtrade-Prämie für Soziales, Infrastruktur und Bildung, die der gesamten Gemeinschaft zugutekommt. „Ein Projekt, das wir mit der Fairtrade-Prämie umsetzen konnten, war der Kauf von Schuluniformen für die Kinder der Baumwollproduzenten“, so Patel. „Auch erhalten die Bauern regelmäßig Schulungen. Sie lernen zum Beispiel, wie sie aus Pflanzen Biodüngemittel herstellen oder Erntehilfen einsetzen können.“ Mit der Wahl ihrer Berufskleidung können Unternehmen also einen Unterschied bewirken.

Fair gehandelte Arbeitskleidung

Neben CWS boco gibt es bisher nur zwei weitere Anbieter von Berufskleidung fürs Baugewerbe und Handwerk, die Produkte mit dem Fairtrade-Siegel im Programm haben. Die Hugo Josten Berufskleiderfabrik aus Grefrath führt seit 2010 Berufsbekleidung aus Bio-Fairtrade-Baumwolle mit dem Siegel „Fairtrade – Certified Cotton“.
Bierbaum Proenen aus Köln nimmt seit diesem Jahr am Fairtrade Baumwoll-Programm teil. Im Rahmen des Programms kaufte BP in diesem Jahr 5 % seiner Baumwolle zu Fairtrade-Bedingungen ein. Gemäß der Vorgaben soll die Menge in den kommenden Jahren steigen.

Mindestpreise für nachhaltige Produktion

Das Programm unterstützt unter anderem durch feste Mindestpreise Kleinbauern, die Baumwolle nachhaltig produzieren, indem sie etwa auf genmanipuliertes Saatgut und künstliche Bewässerung verzichteten und den Einsatz von Chemikalien restriktiv handhaben. Die langfristige Kooperation mit Partnern wie BP gebe den Kleinbauern Planungssicherheit, die sie sonst nicht hätten, sagt Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender des TransFair e.V. „So können sie ihr Einkommen steigern, und auch die Gemeinschaft profitiert durch eine höhere Fairtrade-Prämie, mit der Projekte in der Gemeinde finanziert werden.“
Die zertifizierte Baumwolle kann dabei mit anderer Baumwolle oder auch anderen Fasern gemischt und in der Lieferkette von BP oder anderen Lieferketten verarbeitet werden. Demnach ist sie nicht zwingend in BP-Artikeln erhalten, die Marktdurchdringung von zertifizierter Baumwolle insgesamt jedoch steigt. bi