Kundenkontakt im GaLaBau lernen

VEITSHÖCHHEIM, 06.01.2017 – Eine Herausforderung bei der Arbeit als GaLaBauer ist der Kontakt mit dem Kunden. Hier geht es darum einen kompetenten Eindruck zu hinterlassen und im Gespräch die gewünschten Informationen zu erhalten. Studierende der Meisterschule Veitshöchheim lernten dies an praktischen Beispielen.

von Hans Beischl, Veitshöchheim

Studierende lernen Kundenkontakt in der Praxis
Zur Bestandsaufnahme gehören ein zielorientierter Smalltalk, ein aufmerksames Auge, aussagekräftige Fotos und Bestandszeichnungen. | Fotos: Hans Beischl

Zum Arbeitsalltag einer/s angehenden Meisterin/s gehört es, dass sie/er nicht nur vor den eigenen Mitarbeitern souverän auftritt, sondern vor allem auch beim Kunden. Schon beim Erstkontakt muss ein kompetenter Eindruck erweckt werden. Es gilt: Ohne viel Nervosität und Stress zur Sache kommen, denn Zeit ist Geld. Die große Kunst dabei ist, das man beim notwendigen „Smalltalk“ immer sein Ziel vor Augen hat, nämlich möglichst viele verwertbare Informationen zu bekommen und dabei auch bei den Bauherren Kompetenz und Gelassenheit zu erzeugen.

Zeit effektiv nutzen

Die Studierenden stellen sich dem/der Kund/in vor und packen ihre Messwerkzeuge aus. Sinnvoller Weise verteilen sie untereinander die Aufgaben: Wer misst die Höhen, wer kann mit dem Nivelliergerät umgehen? Wo fangen wir an? Wer schreibt und wer fotografiert? Vielleicht erläutert man, dass man zunächst eine Bestandsaufnahme und dann das eigentliche Gespräch mit der Kundschaft wolle, um die Zeit möglichst effektiv zu nutzen. Es gilt, möglichst systematisch vorzugehen, ohne starr oder bürokratisch zu wirken. Die ersten Sätze, die man nach einer ordentlichen Begrüßung spricht, sind die wichtigsten. Darauf folgt eine gelassene, aber gezielte Konversation, denn sie ist der Schlüssel zum Erfolg.

Gespräch der Studenten mit dem Kunden
Diese junge Bauherrin hat nicht nur für ihre Familie eine Vision, sondern auch für ihre neue Lebensmitte, zu der die Familie, das Haus und der Garten gehören.

Smalltalk schmilzt Eis

Mit dem richtigen Smalltalk schmilzt man das sprichwörtliche Eis; und die Kunden sind bereit, mehr von sich Preis zu geben. Der erste Satz ist oft der schwerste. Und klar, am Anfang sollte man sich immer selber vorstellen, seinen vollen Namen nennen und vielleicht noch zwei, drei Sätze zu seinem Beruf sagen. Die Kunst guter Konversation besteht darin, Unsicheren Sicherheit zu geben und aktiv zuzuhören. Denn nichts ist peinlicher, als wenn man merkt, dass der andere gar nicht mehr zuhört. Entsprechend dient das lockere Plaudern dazu, sich unverbindlich auszutauschen, sich besser kennenzulernen und so eine gute Atmosphäre sowie Vertrauen zu schaffen.

Sprung ins kalte Wasser

Die Studierenden der Meisterschule in Veitshöchheim erleben diese Aufgabe ziemlich frisch. Dabei werden sie nach kurzer Einweisung „in`s kalte Wasser“ geworfen. Sie kommen in eine völlig neue Ortschaft, auf ein neu bebautes oder umzugestaltendes Grundstück. Nun müssen sie auf fremde Personen, die künftigen Bauherren, eingehen. Man spürt, dass sie ein wenig unsicher sind, denn die Studierenden machen dies meist zum ersten Mal. Mit Sicherheit wird man vom Kunden gleich mit Fragen bombardiert, wie: „Können wir den Strauch retten oder muss er raus? Wissen Sie, warum diese Stauden nie richtig zur Blüte kommen? Sind Sie auch der Meinung, dass man die Trockenmauer noch ausbessern kann oder sollten wir sie ersatzlos streichen?“ Diese und viele andere Fragen müssen die Studierenden abwägen und beantworten.

Die Studenten im Gespräch mit der Bauherrin
Das Gespräch mit der Bauherrin erfordert viel Fingerspitzengefühl.

Bestandsplan muss vollständig sein

Das ist eine ganz schöne Herausforderung, mit der man fertig werden muss.  Es ist das Wichtigste, alles Bestehende zu erfassen und nicht mit halben Fakten nach Hause zu fahren. Ziel des Bestandsplanes ist es, auf dieser Basis weiterzuarbeiten. Dazu gehören Maße und Höhen. Auf diesen Grundlagen müssen die Studierenden aufbauen. Dann können sie ihre ersten Gedanken in Form eines Vorentwurfes skizzieren. Wichtig bei diesem Gespräch ist es, die richtigen Fragen zu stellen. Dazu gehören enge und weite Fragen. Mit einer gesunden Mischung dieser kommt man in diesem konzentrierten Gespräch sehr gut voran und bekommt dadurch optimale Informationen, die man zur Weiterbearbeitung braucht. Der/die junge Meister/in bekommt im Laufe der Zeit eine gewisse Routine und lernt aus den vorausgegangenen Kundengesprächen. Dabei sollte sie/er sich nicht auf ihre/seine „Menschenkenntnisse“ verlassen.

Unterschiedliche Erwartungen

Diese haben nämlich schon so viele in die Falle gelockt. So lernt man bei so einem Kundengespräch immer wieder Menschen kennen, die ganz unterschiedliche Erwartungen an den Landschaftsgärtner haben. Die einen haben von ihrem neuen Garten überhaupt keine Vorstellungen und stehen ganz hilflos auf ihrem neuen Grundstück. Wieder andere kennen sich schon sehr gut aus, möchten aber nur einen „Expertenrat“ einholen. Nicht selten wird der „Landschaftsgärtner als Schlichter“ geholt, weil die Hausherrin ganz andere Vorstellungen hat als er, der „Finanzminister“. Der Landschaftsgärtner wird hier mehr oder weniger als kostengünstiger „Mediator“ benötigt. Klugheit, Achtsamkeit und diplomatisches Geschick sind die Eigenschaften, die man für ein erfolgreiches Kundengespräch braucht, das dann auch zum gewünschten Auftrag führen könnte.

Zum Autor:

Hans Beischl ist Sachgebietsleiter Landschaftspflege und -entwicklung an der LWG in Veitshöchheim.