Erdkabelbau:

Vier Bohranlagen auf einer Hochspannungs-Baustelle

LENNESTADT, 15.12.2014 – Hochbetrieb bei der Installation von Versorgungsleitungen in Reutlingen unter einer Hauptstraße: Da die Zeit drängte, mussten vier Grundodrill-Bohranlagen in den Bohrtrassen in verschiedenen Tiefenebenen gleichzeitig arbeiten.

Baustellenabschnitt in der Konrad-Adenauer-Straße
Baustellenabschnitt in der Konrad-Adenauer-Straße: Der Straßenverkehr läuft während der gesamten Baumaßnahme um zwei Fahrspuren eingeschränkt komplett weiter. Im Hintergrund der Hausberg von Reutlingen, die Achalm.

Von Dr. Hans-Joachim Bayer, Tracto-Technik, und Josef Schad, Max Wild GmbH


Alle den Verkehrsfluss einschränkenden Baumaßnahmen müssen in Reutlingen während der Sommer-Schulferienzeit durchgeführt werden. Dies gilt auch für größere unterirdische Versorgungsinstallationen der Stadtwerke, die in Reutlingen den Namen „FairEnergie“ tragen. Die FairEnergie GmbH (Stadtwerke) hatte schon seit einiger Zeit die unterirdische Installation einer neuen 110 kV-Erdkabeltrasse vom „KE-Mast 10“ bis zum Umspannwerk Mitte geplant. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung unter der vierspurigen Konrad-Adenauer-Straße kam von der Planung her für den Erdkabelbau dieser Hochspannungsleitung nur das Spülbohrverfahren in Frage. Da die Konrad-Adenauer-Straße einen Teil der Bundesstraße 28 darstellt und der straßenparallele Kabeleinbau nur während der Schulferienzeit gestattet wurde, wollte man die Zeit auch nutzen, um einen Abschnitt der dort befindlichen DN 400er Wasserleitung zu erneuern. Gleichzeitig sollten Leerrohre für ein zweites 110kV-Erdkabel in der gleichen Trasse installiert werden, die für einen künftigen Bedarf vorgesehen sind.

Vier Grundodrill-Anlagen arbeiten gleichzeitig

Die renommierte Bohr- und Baufirma Max Wild GmbH aus Berkheim im württembergischen Allgäu erhielt den Auftrag für die bohrtechnischen Leitungsinstallationen, welche durch die besondere Verlegetiefe und das kurze Zeitfenster eine bautechnische Herausforderung darstellten. Aufgrund der kurzen Zeitspanne mussten mehrere Bohrmaschinen gleichzeitig, direkt hintereinander aufgebaut, in verschiedenen Höhenniveaus und im gleichen Trassenabschnitt arbeiten. Solch eine bautechnische Herausforderung ist nur mit verlässlichen und leistungsstarken Bohranlagen zu erfüllen. Die Firma Max Wild setzte daher drei Grundodrill 25N- und eine Grundodrill 18 ACS-Bohranlage auf dieser anspruchsvollen Baustelle ein.
Vier Bohrmannschaften und einige Mitarbeiter für logistische Aufgaben und die Betreuung einer Recyclinganlage waren auf dieser Baustelle im Einsatz, die aufgrund ihrer zentralen Lage nicht nur amtsseitig (z.B. Tiefbauamt), sondern aufgrund der eingeschränkten Verkehrsführung (Start- und Zielgruben in einer Fahrbahn und im Gehweg) auch von der Bevölkerung und der lokalen Presse viel Aufmerksamkeit und insbesondere viel Anerkennung erhalten hat.

Die Bohranlagen arbeiten in den Bohrtrassen in verschiedenen Tiefenebenen übereinander
Hintereinander angeordnete und auch in Gegenrichtung aufgestellte Bohranlagen arbeiten in den Bohrtrassen in verschiedenen Tiefenebenen übereinander.

Volle Vortriebskraft bei schwierigen Bodenverhältnissen

Beim Passieren der Baustelle an der Straßenoberfläche erahnt man wenig von den geologischen Herausforderungen, die hier der Baugrund bietet. Fünf unterschiedliche Gesteinseinheiten auf der Länge der Trasse und auch in unterschiedlichen Höhenniveaus innerhalb der Trasse, waren bohrtechnisch zu bewältigen. Scharfkantige Talschotter, im wesentlichen aus splittigen Kalkstücken aufgebaut, mit dünnen Lehmhäuten dazwischen, bestimmen den östlichen und mittleren oberen Trassenabschnitt, während Tone, Tonmergel, Kalkmergel- und Mergelsteinbänke den westlichen und mittleren unteren Trassenabschnitt einnehmen. Diese Tone bis Kalkmergel-Steinbänke können innerhalb von wenigen Metern in ihrer Festigkeit und Zusammensetzung schwanken.
Dies wäre bohrtechnisch keine ganz große Herausforderung, wenn nicht noch zusätzlich tektonische Verwerfungen im Trassenbereich vorliegen würden, die im westlichen Trassenbereich die Steuerungen der Bohrungen erheblich erschwerten. Verwerfungsbahnen sorgen aufgrund der hier zusammentreffenden unterschiedlichen Gesteinshärte nämlich für viel Ablenkungspotenzial. Mit permanenten Gegensteuerungsbefehlen wurde dieser Bereich jedoch gemeistert. Die scharfkantigen und lehmüberzogenen Talschotter erforderten jedoch sehr viel Vortriebkraft und allzeitigen hohen Steueraufwand. Im mittleren Trassenabschnitt beherrschten diese scharfkantigen Talschotter das Verlegeniveau der Kabeltrassen, während direkt darunter die Bohrtrasse der Wasserleitung schon in den Schwarzjura-Gesteinen vorgetrieben wurde.
Alle Grundodrill-Bohrgeräte haben ihre Streckenabschnitte vorzeitig bewältigt und gemeistert; auch die Vertreter der Stadtwerke, also FairEnergie, und der GA Energieanlagenbau Süd GmbH waren voller Anerkennung über die Maschinentechnik. Da in Reutlingen viele Hightech-Firmen und Maschinenbaubetriebe zu Hause sind, fand auch die Baustelle in der Bevölkerung und bei den Zeitungslesern des Reutlinger Generalsanzeigers überdurchschnittlich positives Interesse.

 Eine Bohranlage am Westabschnitt der Gesamttrasse leistet erhebliche Bohrloch-Aufweitarbeiten. Da die Bohranlage am Kreuzungspunkt vieler Versorgungsleitungen steht, waren Anbinde- und Suchgruben erforderlich. | Fotos: Tracto-Technik
Eine Bohranlage am Westabschnitt der Gesamttrasse leistet erhebliche Bohrloch-Aufweitarbeiten. Da die Bohranlage am Kreuzungspunkt vieler Versorgungsleitungen steht, waren Anbinde- und Suchgruben erforderlich. | Fotos: Tracto-Technik
Den ausführlichen Bericht lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der bi-UmweltBau.