Stickstoffleitung für Inselspital Bern: Zielgenau mit Grundodrill

LENNESTADT, 13.10.2015 – Zielgenauigkeit war auf dem Gelände des Inselspitals Bern gefragt – trotz schwieriger Verhältnisse. Eine neue Stickstoffleitung, die hohen Minustemperaturen standhalten soll, wurde hier im HDD-Verfahren mit der Bohranlage Grundodrill 18ACS verlegt.

Grundodrill 18 ACS am Kran
Ein 100-Tonnen-Autokran hebt den Grundodrill 18CAS auf den aufgeschütteten Startplatz.
Grundodrill bei der Pilotbohrung
Die Bohranlage während der Pilotbohrung.
| Fotos: Tracto-Technik
Das im Jahr 1534 gegründete Inselspital in Bern ist eine der bedeutendsten Universitätskliniken der Schweiz und ein medizinisches Hochtechnologie-Zentrum von internationalem Rang. Das Areal im Westen der Stadt umfasst mehrere Gebäude, die eine Vielzahl von hochspezialisierten Fachkliniken beherbergen. Dort werden pro Jahr rund 40.000 Patienten stationär und 520.000 Menschen ambulant behandelt. Die Infrastruktur für den reibungslosen Betrieb dieses Hochtechnologie-Komplexes ist umfangreich und muss den Anforderungen kontinuierlich angepasst werden. Daher musste im Rahmen der Erweiterung des Rohrleitungsnetzes eine neue Stickstoffleitung von einem Tanklager in das Gebäude des Intensivbehandlungs-, Notfall- und Operationszentrum (INO) verlegt werden.
Flüssiger Stickstoff wird in der Medizin unter anderem zum Einfrieren von Gewebe und Zellen bei bis zu -196 °C, der sogenannten Kryokonservierung, benötigt. Für die neue Leitung sollte ein Vakuum-isoliertes Rohr mit 63 mm Außendurchmesser, das diesen Minustemperaturen standhält, in ein Schutzrohr PE NW 280 S8 verlegt werden.
Um den laufenden Betrieb des Klinikums nicht zu stören, beauftragte das Amt für Grundstücke des Kantons Bern die Zemp Leitung- & Tiefbau GmbH, die neue Stickstoffleitung grabenlos mittels einer HDD-Spülbohrung zu verlegen. Die Firma Zemp aus Escholzmatt-Wiggen (Schweiz) ist ein Spezialist für grabenlose Technik und insbesondere für das HDD-Verfahren. Für die anspruchsvolle Bohrung durch den Boden der Klasse 5 - 4 mit Steinen von bis zu 10 cm Durchmesser wurde der Grundodrill 18ACS eingesetzt. Die Bohranlage eignet sich besonders für schnell wechselnde Böden bis hin zu Fels.
Die 70 m lange Bohrtrasse auf dem dicht bebauten Klinikgelände verlief entlang der Spitalkappelle in einen Lüftungsraum im Keller des INO. Wegen der engen Platzverhältnisse im Startbereich wurde in Absprache mit allen Beteiligten eine 2,5 m hohe Aufschüttung zwischen Gebäude und Tanklager als Startplatz der Bohranlage gewählt. Der in ca. 3 m tief gelegene Lüftungsraum musste mit einer horizontalen und vertikalen Zielgenauigkeit von +/- 20 cm erreicht werden, um Schäden an bestehenden Leitungen im Gebäude zu vermeiden. Alles in allem genau die richtige Aufgabe für das erfahrene Team der Firma Zemp.
Anschweißen der Rohrstränge
Während des Rohreinzugs werden die
vorbereiteten Stränge nach und nach
angeschweißt.

Am Zielort verschweißt

Im Mai 2015 begannen die Bauarbeiten. Ein Bagger wurde mittels Lkw-Kran zum Startplatz gehoben, um die Startgrube für die Politbohrung und eine weitere Grube zum Auffangen des Bohrschlamms auszuheben. Anschließend wurde der rund 15,2 Tonnen schwere Grundodrill 18CAS mithilfe eines 100-Tonnen-Autokrans auf den aufgeschütteten Startplatz gesetzt.
Die Pilotbohrung in bis zu 6,5 m Tiefe verlief problemlos. Nachdem das Ziel erreicht war, wurde über das Pilotloch ein Kernloch von 450 mm Durchmesser durch die Gebäudewand in den Lüftungsraum gebohrt, durch das der Backreamer Ø 400 mm gezogen wurde. Nach nur einem Aufweitvorgang konnte die neue Druckrohrleitung in die Trasse eingezogen werden. Aufgrund mangelnden Platzes im Kellerraum durften die einzelnen Rohre nur 2,5 m lang sein und wurden am Zielort zu Strängen von 12,5 m zusammengeschweißt. Während des Rohreinzugs musste dann alle 12,5 m ein so vorbereiteter Rohrstrang angeschweißt werden.
Der anfallende Bohrschlamm wurde am Zielort im Keller in einer Wanne mit 500 l Fassungsvermögen aufgefangen und von dort über eine 60 m lange Leitung in eine Grube im Zufahrtsbereich der Notaufnahme gepumpt. Der hohe Kiesanteil machte das Pumpen nicht einfacher, stellte für den Rohreinzug jedoch kein Hindernis dar.
Nach abschließenden Arbeiten wie der Grobreinigung der Gebäude, dem Neubau eines Kontrollschachtes und der Demontage der Maschine mittels Autokran konnte die neue Leitung nach nur 10 Arbeitstagen an den Kunden übergeben werden. „Dieses Projekt beweist wieder einmal die Vorzüge der grabenlosen Verlegung im Allgemeinen und der TT-Technik im Besonderen“, so Firmeninhaber Markus Zemp. „Dank der Zuverlässigkeit und Flexibilität unseres Grundodrill 18ACS konnten wir auch diese Maßnahme zügig und gewinnbringend ausführen.“ bi