Kabelverlegung in Schleimünde:

Bohren in geschützter Natur

SCHLEIMÜNDE, 22.02.2016 – In ökologisch hochsensibler Umgebung wurden auf der schleswig-holsteinischen Lotseninsel Schleimünde Kabel im Horizontalbohrverfahren verlegt. Dabei wurde auch ein unvorhergesehenes Problem gelöst.

Bohr-Lkw wird durchs Naturschutzgebiet transportiert
Mit Schlepperunterstützung: Transport des Bohr-Lkw durch das Naturschutzgebiet.
Kabelverlegung an der Mole

Entgegen der ursprünglichen Planung mussten die Kabel in der
Mole in offener Bauweise verlegt werden. | Fotos: Paasch

Die im Kreis Schleswig-Flensburg gelegene Halbinsel Schleimünde trennt die Schlei von der Ostsee. Das 112 Hektar große Areal ist überwiegend Natur- und Vogelschutzgebiet und darf nicht betreten werden, öffentliche Straßen gibt es nicht. Die Schifffahrt kann sich an einem 14 Meter hohen Leuchtturm orientieren, der am Ende einer Mole steht.

Neue Kabel für den Leuchtturm

„Dieser Leuchtturm musste saniert werden“, erklärt Jürgen Wilhoeft vom zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck, das als zuständige Bundesbehörde für die Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt sowie hier für die Mole und die Seezeichen verantwortlich ist. Im Zuge der umfangreichen Arbeiten sollten auch die alten Kabel erneuert werden, die das Leuchtfeuer mit Energie und mit Daten versorgen.
Bei der Planung war von Seiten des Wasser- und Schifffahrtsamtes darauf zu achten, dass Beeinträchtigungen der sensiblen Ökologie durch die Baumaßnahmen weitestgehend vermieden werden mussten. Um die nötigen Genehmigungen seitens der Naturschutzbehörden zu erhalten, wurde für die Kabelverlegung das grabenlose Horizontalspülbohrverfahren gewählt. Da die Brutzeit der Vögel nicht gestört werden durfte, fiel die Bauzeit in den Herbst/Winter. „Eine Zeit, in der man hier wetterbedingt eigentlich nicht bauen sollte“, so Wilhoeft.

Schwierige Randbedingungen

Die Baumaßnahme wurde öffentlich ausgeschrieben, und den Zuschlag erhielt die Firma Paasch Rohrleitungsbau aus Damendorf in Schleswig-Holstein. Die Baustellenausrüstung wurde auf zwei Anhängern, gezogen von einem Traktor, durch das Naturschutzgebiet transportiert. Um die Flurschäden so gering wie möglich zu halten, wurde die Trasse dort, wo der Boden zu weich war, mit Bodenplatten abgedeckt. Auch vor den Bohr-Lkw wurde auf dem Weg durch das Naturschutzgebiet zur Baustelle ein Traktor gespannt, um ihn sicher durch das unwegsame Gelände zu bewegen.
Für das Anmischen der Bohrspülung stand das Wasser aus einem Brunnen mit einer auf 1,5 Kubikmeter begrenzten Leistung pro Stunde zur Verfügung. „Deshalb haben wir auf der Baustelle Tanks vorgehalten, um so den Wasserbedarf abpuffern zu können“, erklärt Martin Paasch, Geschäftsführer bei Paasch Rohrleitungsbau.
Anfang Oktober konnte mit der ersten Bohrung begonnen werden. Zum Einsatz kam eine 15-Tonnen-Bohranlage von Tracto-Technik. Die Trasse führte auf einer Länge von 200 Metern vom dortigen Schalthaus in den Fuß der Mole. Zu verlegen waren vier Kabelschutzrohre aus PEHD mit einem Außendurchmesser von jeweils 140 Millimetern und einer Wandstärke von 12,7 Millimetern. Bei der Bohrung war besondere Zielgenauigkeit gefragt. Die Mole wird von zwei Natursteinwänden begrenzt und genau dazwischen sollte der Austrittspunkt der Bohrung liegen. Deshalb musste die Bohrung etwa sieben Meter tief angelegt und das Fundament der Mole in einem relativ steilen Austrittswickel unterquert werden, um die Zielgrube zu erreichen. „Das hat auch wunderbar geklappt“, so Jürgen Wilhoeft. Das Aufweiten und der Rohreinzug verliefen ebenso problemlos wie die Bohrung über 60 Meter von der Mole zu einem Verteilerschacht am Hafen.

Unliebsame Überraschung

Eine Überraschung hielt jedoch die Bohrung zum Leuchtturm bereit. Auf der Grundlage der Bestandspläne aus der Bauzeit war geplant, die 200 Meter bis zum Leuchtturm in der Mole zu bohren. Aus den Unterlagen war zu entnehmen, dass der Molenkern aus einem sandigen, bohrbaren Verfüllmaterial besteht. Stattdessen stieß die Firma Paasch jedoch auf grobes, mit der vorhandenen Maschinentechnik nicht bohrbares Geröll. „Nachdem wir in 1,50 Metern Tiefe nicht voran kamen, haben wir versucht, tiefer zu gehen. Aber auch noch in sechs Metern wurde der Boden nicht besser“, erklärt Guido Röhlich, Bauleiter bei Paasch. In Absprache mit dem Auftraggeber fiel schließlich die Entscheidung, die Leitung in der Mole in offener Bauweise zu verlegen. Dabei wurden aus den als Oberflächenbefestigung dienenden großformatigen Betonplatten auf Vorschlag der Firma Paasch Streifen in Breite des Kabelgrabens herausgeschnitten und nach der Verlegung der Schutzrohre zur Wiederherstellung der Oberfläche wieder eingesetzt.

Bohrung zur Mole
Die 200 Meter lange Bohrung vom Schalthaus zur Mole führte entlang der Wasserlinie.

Kabeleinzug mit Wasserkraft

Für den Einzug der Kabel in die Schutzrohre hatte sich die Firma Paasch zusammen mit dem Hersteller von u.a. Einblastechnik und Winden, der Firma Bagela, etwas Besonderes einfallen lassen. Zum Einsatz kam ein noch nicht weit verbreitetes Verfahren, bei dem die Kabel mit Wasserkraft in die Schutzrohre eingeschwommen werden. Gegenüber dem konventionellen Einzug spart diese Variante Zeit und schont bei großen Einzugslängen das Kabel vor großen Belastungen durch Zugkräfte und Reibung.
Mit Beginn des neuen Jahres war die Baustelle im Wesentlichen fertiggestellt. Die Bilanz der Baumaßnahme fällt – trotz der unvorhergesehenen Probleme in der Mole – positiv aus: Der Leuchtturm Schleimünde ist mit moderner Technik fit für die nächsten Jahrzehnte, und die Natur wurde dank des verantwortungsvollen Einsatzes moderner Bauverfahren nur minimal beeinträchtigt. bi


Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe (1/16) der bi-UmweltBau.