Bemessungstool für urbanes Grün: Was sind Bäume wert?

KIEL/BOCHUM, 06.10.2014 - Bäumen im Straßenraum muss eine höhere Priorität eingeräumt werden, meint der Biologe und Sachverständige Markus Streckenbach. Die ökologischen Leistungen von Bäumen berücksichtigt das softwarebasierte Bewertungsverfahren i-Tree.

Diplom-biologe Dr. Markus Streckenbach
Diplom-Biologe Dr. Markus Streckenbach ist Inhaber eines Sachverständigenbüros für urbane Vegetation in Bochum. Er bricht eine Lanze für ein deutschsprachiges Bewertungstool i-Tree respektive i-Baum.
Frederic Vester gelang mit seiner Veröffentlichung „Ein Baum ist mehr als ein Baum“ im Jahr 1985 eine nicht nur überaus anschauliche, sondern zudem umfassende Darstellung des Werts eines Baums. Hier werden die verschiedenen Leistungen eines Gehölz nicht nur in ökologischer Hinsicht geschickt miteinander vernetzt, sondern auch in absoluten und monetären Werten angegeben. So entsteht ein belastbarer Baumwert. Dieser Ansatz, dessen biologische, ökologische und ökonomische Grundlagen stets aktuell bleiben, ist bislang einzigartig.
„Leider ist die Gepflogenheit, Bäumen im Straßenraum die geringste Priorität einzuräumen, weit verbreitet. Dabei wäre eine Auseinandersetzung mit dem Lebewesen Baum als gleichberechtigtes städtebauliches Element dringend notwendig“, schreibt Markus Streckenbach in dem Leitartikel der Messeausgabe zur GaLaBau. Je mehr Biomasse ein Baum produziert, desto mehr Kohlenstoffdioxid entzieht dieser der Atmosphäre. Dadurch kommt es zu einer Verringerung dieses klimaschädlichen Gases. Schätzungen zu Folge werden jährlich etwa 220 Mio. Tonnen – rund ein Viertel der bundesweit anfallenden Kohlenstoffdioxid-Emissionen – allein in unseren Wäldern gebunden. Eine finanzielle Bewertung dieser Leistung ist möglich, wenn man sie den Kosten für technische Verfahren, die ähnliches leisten, gegenüberstellt.
iTree-Hinweis in den USA: Darstellung des Baumwertes unter Berücksichtigung seiner gesamten Leistungsbilanz. Abb. mit freundlicher Genehmigung von Rachelle Bowden.

Potenzial für Baumpflanzungen im Straßenraum
Dr. Streckenbach weiter: "Die Schwierigkeiten zur exakten Bezifferung der Leistungen, die über den Sach- und Holzwert sowie die „Wohlfahrtswirkungen“ eines Baums hinausreichen, sollten nicht dazu führen, dass diese bei der Bemessung des Baumwerts einfach übersehen werden.

Die Tatsache, dass die Lebensleistung jedes einzelnen Baums von zahlreichen biotischen und abiotischen Faktoren abhängt, sollte ebenfalls keinen Hinderungsgrund darstellen, diese in Zukunft angemessen zu berücksichtigen. Das softwarebasierte Bewertungsverfahren i-Tree ist ein praxiserprobtes und frei verfügbares Werkzeug, das die ökologischen Leistungen von Bäumen explizit berücksichtigt. Die Erfahrungen aus Nordamerika zeigen, dass die Öffentlichkeitsarbeit für das urbane Grün damit auf ein bis dahin nicht erreichbares Niveau angehoben werden konnte. Es ist wenig verständlich, warum es bislang kaum Resonanz auf Seiten europäischer Baumfachleute gab. (...) Die Existenz eines umfassend bewertenden und praxistauglichen Verfahrens zeigt, dass es möglich ist, ein solches System zur Steigerung der Wertschätzung von Bäumen einzusetzen. Die detaillierte Betrachtung der Leistungen von Bäumen zeigt darüber hinaus, dass sie über ein enormes Potenzial verfügen, das wir mit Blick auf die aktuelle Praxis von Baumpflanzungen im Straßenraum nicht annähernd ausschöpfen." eb


Der komplette Beitrag ist erschienen in der bi-GaLaBau 8+9-2014. Das Baumpflegeportal hat den Fachartikel von Dr. Markus Streckenbach aus der bi-GaLaBau 8+9-2014 in einer Zusammenfassung veröffentlicht. Hier der Link.