Studie: Viele Überflutungsschäden können verhindern werden

MÜNCHEN, 21.06.2016 – Die „Initiative Verantwortung Wasser und Umwelt“ des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel e.V. hat im Rahmen der IFAT 2016 erstmals die Studie „Urbane Sturzfluten: Hintergründe – Risiken – Vorsorgemaßnahmen“ vorgestellt. Sie belegt deutschlandweit mangelnden Schutz vor Starkregen und bietet gleichzeitig Lösungsansätze.

überflutete Straße
Die Studie „Urbane Sturzfluten“ belegt: Starkregenereignisse mit folgenschweren Überflutungen können in ganz Deutschland auftreten.

In Deutschland nimmt die Anzahl an Starkregenereignissen und die Höhe der dadurch verursachten Schäden zu. Zuletzt haben uns das die Tiefs „Elvira“ und „Friederike“ in großen Teilen Deutschlands auf dramatische Weise vor Augen geführt, durch die sogar Menschen ihr Leben verloren haben. Zahlreiche Menschen mussten gerettet werden, in mehreren Bundesländern und Städten sind Sachschäden in Millionenhöhe entstanden. In Hohenthann (Landkreis Landshut) sind in einer Stunde 65 Liter Regen pro Quadratmeter laut Deutschem Wetterdienst gemessen worden. Zum Vergleich: 90 Liter pro Quadratmeter sind es in Bayern durchschnittlich im ganzen Monat Mai.

Starkregenereignisse zu wenig beachtet

Doch es wird zu wenig getan, um diese Schäden zu verhindern. Das zeigt die neue Studie „Urbane Sturzfluten – Hintergründe, Risiken, Vorsorgemaßnahmen“, die von Prof. Wolfgang Günthert vom Institut für Wasserwesen an der Universität der Bundeswehr München im Auftrag der „Initiative Verantwortung Wasser und Umwelt“ erarbeitet wurde. Die Studie belegt, dass Starkregenereignisse als Überflutungsursachen bisher zu wenig Beachtung finden, obwohl diese mittlerweile 50 Prozent der Überflutungsschäden ausmachen. Besonders gefährdet sind Wohn- und Industriegebäude, Infrastruktureinrichtungen und Verkehrsanlagen – und das nicht nur in flussnahen Lagen. Zur Verhinderung von Sturzfluten müsse man den Ablaufprozess durch geeignete Maßnahmen reduzieren, so Prof. Günthert, etwa durch Versickerung, Entsiegelung von Flächen, gezielte Rückhaltung, gedrosselte Ableitung oder Regenwassernutzung. Hier müsse noch mehr getan werden. Der ebenfalls bei der Vorstellung der Studie anwesende Roman von Urbanowicz (Fränkische Rohrwerke) ergänzt, dass in Zukunft vor allem mehr über Verdunstung gesprochen werde, die derzeit noch eine viel zu kleine Rolle spiele. Ferner sei, so Prof. Günthert, die Öffentlichkeitsarbeit ein ganz wichtiges Element, um die Menschen und Verantwortlichen zu sensibilisieren.

Mehr Sicherheit durch qualifizierte Datenerhebung

Auf Grundlage hydrologischer Daten stellt die Studie fest, dass Starkregenereignisse vorwiegend in den Sommermonaten und überall in Deutschland auftreten. „Es ist davon auszugehen, dass die Überflutungen insbesondere im urbanen Raum zunehmen. Um die genauen Risikogebiete erkennen zu können, sind Niederschlags- und Abflussmessungen sowie Überflutungsnachweise erforderlich. Diese werden bisher nicht in ausreichendem Maße durchgeführt“, erklärt Prof. Günthert. „Vorsorge beginnt mit einer Analyse. Hier sind die Kommunen gefragt. Denn nur so können Grundstückseigentümer in betroffenen Gebieten informiert werden, um entsprechende Vorsorgemaßnahmen treffen zu können“, so Prof. Günthert weiter. Im Gegensatz zu Flusshochwasser gibt es bei Starkregen keine lange Vorwarnzeit, um das Eigentum zu schützen.

Prof. Wolfgang Günthert

Prof. Wolfgang Günthert vom Institut für Wasserwesen an der Universität der Bundeswehr München hat die neue Studie erarbeitet und auf der IFAT am 30. Mai vorgestellt. | Fotos: Initiative Verantwortung Wasser und Umwelt

Ganzheitlicher Überflutungsschutz gefordert

Die hohen Schäden durch Starkregenfälle entstehen durch die Überlastung der Entwässerungssysteme und unkontrolliertes Abfließen des Niederschlags auf der Oberfläche. Aufgrund wirtschaftlicher Aspekte ist die Kanalisation nicht für seltene, extreme Niederschlagsereignisse ausgelegt und kann somit plötzliche große Wassermengen nicht aufnehmen. Eine Schlussfolgerung der Studie ist daher die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Überflutungsschutzes, bestehend aus Entwässerungssystem mit Regenwassermanagement, dem Schutz der Verkehrs- und Freiflächen sowie dem Objektschutz. Die „Initiative Verantwortung Wasser und Umwelt“ hat einen Forderungskatalog erstellt, mit dem sie sich an Kommunen, die Wasserwirtschaft und Grundstückseigentümer wendet. Darin fordert sie die Analyse von Überflutungsgefährdungen, einen ganzheitlichen Überflutungsschutz, Vorsorgemaßnahmen, eine ausreichende Anzahl an Niederschlagsmessstationen sowie Maßnahmen zur Verminderung und Rückhaltung des Oberflächenabflusses in der Bauleitplanung.
Die komplette Studie sowie der Forderungskatalog stehen unter www.bdb-bfh.de zum Download bereit.


Initiator der Studie

Initiator der Studie ist die 2014 gegründete „Initiative Verantwortung Wasser und Umwelt“. Sie ist aus der Arbeitsgruppe Tiefbau im Gesprächskreis Baustoffindustrie im BDB e.V. hervorgegangen. Der Gesprächskreis bündelt die Interessen der Industrie und Fachhändler im Tiefbau, die sich mit allen Aktivitäten der von Menschen gestalteten Wasserführung im infrastrukturellen Umfeld der Bundesrepublik Deutschland befasst. Hinter der „Initiative Verantwortung Wasser und Umwelt“ stehen namhafte Unternehmen und Institutionen: ACO Tiefbau Vertrieb GmbH, Baustoff Brandes GmbH, Birco GmbH, Bundesverband Baustoffe - Steine und Erden (BBS), Eurobaustoff Handelsgesellschaft mbH & Co. KG, Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG, Funke Kunststoffe GmbH, Hauraton GmbH & Co. KG, hagebau Handelsgesellschaft für Baustoffe mbH & Co. KG, Henrich Baustoffzentrum GmbH & Co. KG, J. N. Köbig GmbH, Kessel AG, Matthias Reichert GmbH, MEA Water Management GmbH, Schomburg GmbH und Steinzeug-Keramo GmbH.