Baumpflege: Falscher Schnitt mit fatalen Folgen

BAD BOLL, 11.07.2016 – Massaria wird durch falsche und unbedachte Baumpflege begünstigt oder hervorgerufen. Daraus ergeben sich teilweise schwerwiegenden Folgen, vor allem für den Baum. Aber auch für den Eigentümer können so höhere Kosten und Mehraufwand entstehen. Dabei ist die Lösung so einfach.

Von Peter Klug, Bad Boll

teilweise abgestorbene Äste
Ast links: Auf der Oberseite ist das Rindengewebe abgestorben, von dort wird das Holz nach unten hin zersetzt. Ast rechts: Das schwarz durchzogene Holz ist durch Moderfäule vermorscht, wegen der Zersetzung der Zelluloseanteile besteht hohe Bruchgefahr. Der Astansatz ist durch Sporenablagerungen schwarz gefärbt.

Massaria ist eine Krankheit, die an Platanen auftritt und zur Holzzersetzung führt. Verursacher ist ein Schlauchpilz (Massaria platani bzw. Splanchnonema platani (Ces.) Barr.), der vor allem geschwächte Äste und Zweige befällt. Fruchtkörper und Sporen sind schwarz gefärbt, weshalb diese in vielen Fällen ein erster Hinweis auf einen Befall sein können. Die Rinde verliert ihren grünlichen Schimmer und verblasst oder färbt sich rosa. Meist auf der Oberseite der Äste kommt es zur Rindenablösung bzw. Rindennekrose.

Frühe Hinweise

Die relativ schnelle Holzzersetzung kann innerhalb einiger Monate zu einem Sprödbruch führen. Werden die auf Massaria hinweisenden Symptome nicht rechtzeitig erkannt, kann es zu Astbrüchen und damit zu einer Gefährdung des öffentlichen Verkehrs kommen. Hinweise auf einen Befall kann die Astfärbung sein: Der gesunde Ast erscheint grünlich, der  befallene Ast hat einen rosa oder blassen Farbton, der zum Teil schwärzlich durchzogen ist.

Nekrosen auf der Oberseite eines Astes
Nekrosen auf der Oberseite des reduzierten Astes sind ein Hinweis auf Massaria. | Fotos: Peter Klug

Förderung des Massaria-Befalls durch Schnittmaßnahmen

Werden Äste im inneren Kronenbereich reduziert, verringert sich die Menge des für die Photosynthese verfügbaren Lichts (vgl. Begriff „Totholzproduktion“ in Klug, 2010). Der betroffene Ast wird geschwächt. Als Folge der Schwächung steigt der Infektionsdruck. Der von der Einkürzung betroffene Ast wird von dem Pilz befallen und zersetzt. Der Massaria-Befall wird durch die unbedachte Schnittmaßnahme „provoziert“. Die Massaria tritt vor allem als Schwächeparasit oder als „natürlicher Astreiniger“ auf. Deshalb entspricht es den Gesetzen der Natur, dass geschwächte Äste stärker befallen werden und absterben. Der durch Sporenablagerungen schwarz gefärbte Astansatz ist ein typisches Befallsmerkmal.

Typische Merkmale

Beispielsweise zeigte ein bei einer Kronenschnittmaßnahme reduzierter Ast im Inneren der Krone nach kurzer Zeit die typischen Merkmale der Massaria-Krankheit. Eine dringende Entfernung des Astes war notwendig. Ein weiteres Beispiel: Direkt über einer Fußgängerzone wurde ein Ast im Innern der Krone reduziert, die zu erwartende Folge war das Absterben des Astes innerhalb kurzer Zeit. Auch hier war offensichtlich, dass erst die Einkürzung des Astes dessen Befall durch Massaria und als Folge dessen Absterben hervorgerufen hat (Schwarzfärbung am Astansatz).

Autor Peter Klug
Peter Klug ist Diplom-Forstwirt und ö.b.v.
Sachverständiger für Baumpflege,
Verkehrssicherheit von Bäumen und
Gehölzwertermittlung.

Simple Lösungen

Als Lösung für die Baumpflege können einfache Vorgaben für die Einschätzung der Eingriffsstärke gegeben werden: Die Einkürzung von Ästen im Inneren der Krone führt wegen Lichtmangel zum Absterben der Äste. Deshalb sollten vor allem bei der Kronenpflege Äste bis Schwachast- bzw. Grobaststärke (unter 5 bzw. 10 cm Durchmesser) im Inneren der Krone entweder belassen oder ganz entfernt werden. Bei der Platane werden solche geschwächten Äste bevorzugt durch den Massaria-Pilz befallen und sterben ab.

Drohende Bruchgefahr

Zusätzlicher Aufwand und damit Kosten für den Baumeigentümer sind notwendig, unter Umständen kann das unbedachte Reduzieren von Ästen im Kroneninneren sogar zu einer Bruchgefahr führen. Ein gut ausgebildeter Baumpfleger kann einschätzen, bei welchen Ästen eine Einkürzung unvermeidbar ist. Bei stärkeren Ästen ab 10 cm Durchmesser gelten andere Regeln: Äste über 10 cm sollten nicht ganz entfernt, sondern eingekürzt werden, um großflächige Wunden und damit Fäule direkt am Stamm zu vermeiden. Bei diesen Ästen ist es sinnvoller, das Risiko eines Absterbens zu tragen und falls notwendig nachzuschneiden.