RSV zum Weltwasserbericht: „Nur wer ausbildet, hat Zukunft!“

NACKENHEIM, 06.07.2016 – Rund 72 Prozent aller Arbeitsplätze weltweit hängen mittelbar oder unmittelbar von der Wasserwirtschaft ab. Auf diese Kernaussage des UNESCO-Weltwasserberichts 2016 reagiert der RSV-Rohrleitungssanierungsverband mit einem Appell an die Unternehmen der Branche zu intensivierter Ausbildung.

Kanalsanierungsbaustelle
Infrastruktur-Instandhaltung als Ausbildungsberuf – durchaus
auch für Frauen: Auszubildende im Einsatz auf einer
Kanalsanierungsbaustelle. | Foto: RSV/Winkler
Einen Bezug zwischen Wasserwirtschaft und Beschäftigung gibt es in zweierlei Hinsicht, wenn man dem Weltwasserbericht der UNESCO folgt: Beschäftigungseffekte im weiteren Sinne resultieren daraus, dass Wirtschaftstätigkeit auf eine funktionierende Wasserversorgung und Abwasserentsorgung maßgeblich angewiesen ist. Denn 1,35 Milliarden, d.h. 42 Prozent aller Arbeitsplätze weltweit sind stark von funktionierender Wasserwirtschaft abhängig, weitere 36 Prozent zumindest moderat abhängig.

Oft können Arbeitsplätze nicht besetzt werden


Im engeren Sinne ist auch die Wasserwirtschaft selbst ein zunehmend wichtiger Arbeitgeber. Leider zeigt sich die die Bedeutung der unmittelbaren wasserwirtschaftlichen Arbeitsplätze weltweit hauptsächlich in Defiziten, wie der UNESCO-Weltwasserbericht aufzeigt. Wo es an Beschäftigten in der Wasserver- und -entsorgung fehlt, liegt das keineswegs nur an fehlenden Arbeitsplätzen aufgrund ökonomischer Schwäche oder desolater Administration. Ein zunehmendes Problem ist es, vorhandene Arbeitsplätze überhaupt besetzen zu können: „Eine Reihe von Ländern, von Indonesien bis zu den Niederlanden, sehen sich systematischen Herausforderungen gegenüber, wie Personalschwund, Erosion von Fachwissen und geringem Interesse des akademischen Nachwuchses, im Wassersektor zu arbeiten, und dies wird bis weit über 2020 hinaus Folgen haben“ (World Water Report 2016, S. 51; UNESCO 2016).

Branche droht Personalmangel-Krise


Eine zentrale Rolle spielt dabei das nach wie vor geringe gesellschaftliche Ansehen, das einer Tätigkeit in der Wasserwirtschaft, vor allem in der Abwasserentsorgung, entgegen gebracht wird (World Water Report 2016, S. 52; UNESCO 2016). Und das gilt, wie der RSV-Rohrleitungssanierungsverband e.V. betont, eben nicht nur für Westafrika und andere ferne Gegenden dieser Welt, sondern ohne Einschränkungen auch hierzulande. Angesichts der dramatischen demografischen Entwicklung steuert die Rohrsanierungsbranche geradewegs in eine Personalmangel-Krise. Die Fachleute der Bauunternehmen sind genauso überaltert wie der Rest der Gesellschaft. Fehlendes Personal könnte für viele Unternehmen in den nächsten zehn Jahren zum echten K.o.-Kriterium werden und für die Gesellschaft insgesamt bedeuten, dass wichtige operative Aufgaben unerledigt liegen bleiben und lebensnotwendige Infrastruktur noch schneller verfällt als bisher.

Vielfache Ausbildung als Ausweg


Gegen dieses Dilemma gibt es nach Auffassung des RSV nur drei Rezepte: Ausbilden, ausbilden und noch mal ausbilden. Zwar gibt es die Berufsbilder des Kanalbauers und Rohrleitungsbauers und seit Anfang des vergangenen Jahrzehnts immerhin einen eigenen Ausbildungsgang „Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice“. Angesichts des absehbaren Bedarfes werden diese nach wie vor deutlich zu schwach angenommen bzw. von den Unternehmen der Branche angeboten.
Der RSV ruft vor diesem Hintergrund seine Mitgliedsunternehmen wie auch die übrigen Unternehmen der Branche auf, die Ausbildung des technischen Nachwuchses in der unternehmerischen Prioritätenliste nach ganz oben zu schieben: „Bei der Ausbildung von Nachwuchs geht es nicht nur um gesellschaftliche Verantwortung, sondern vor allem um simples wirtschaftliches Eigeninteresse. Wer heute nicht ausbildet, muss sich nicht wundern, wenn er morgen den Laden zumachen kann, weil er keine Beschäftigten mehr findet. Nur wer ausbildet, hat selbst eine Zukunft!“ bi