Integration mit Hürden

MECKENHEIM, 28.07.2016 – Die behördlichen Hürden für die Anstellung von Flüchtlingen sind noch immer hoch. Die Baumschule Ley in Meckenheim hat sie nun gemeistert und bietet acht jungen Männern aus Syrien Arbeit. Der Geschäftsführer kann einiges über den nicht ganz einfachen Prozess aber auch über die Vorteile berichten.

Die Flüchtlinge in der Baumschule Ley
Hochmotiviert erschienen die acht frisch gebackenen neuen Mitarbeiter an ihrem ersten Arbeitstag im Baumschulrevier, dritter von rechts Geschäftsführer Christoph Dirksen. | Foto: Baumschule Ley

Im letzten Jahr kamen über eine Million Flüchtlinge nach Deutschland. 440.000 Asylerstanträge wurden bislang anerkannt, mehr als die Hälfte der Asylanträge im Jahr 2015 wurden von jungen Menschen unter 25 Jahren gestellt. Acht von ihnen haben nun eine Beschäftigung in der Baumschule Ley in Meckenheim gefunden. Geschäftsführer Christoph Dirksen freute sich, dass es nach den zahlreichen behördlichen Hürden nun doch geklappt hat, die Arbeitsverträgte der jungen Männer aus Syrien gegenzuzeichnen.

Langwieriger Prozess

"Die Idee, Flüchtlinge bei uns in der Baumschule unterzubringen, hatten wir schon vergangenen November. Doch immer wieder wurden wir und unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bei den Ämtern abgewimmelt. Der Prozess hat ein halbes Jahr gedauert, viele Behördengänge, Beantragungen von Genehmigungen beim Arbeitsamt und bei der Agentur für Arbeit waren notwendig etc. Ich hatte in dieser Zeit den Eindruck, dass sich die Behörden in der Sache erst noch selbst finden mussten. Doch es hat geklappt, und wir konnten 16 Flüchtlingen ein Praktikum anbieten. Alle waren hoch motiviert. Am liebsten hätte ich alle von ihnen übernommen, aber wir hatten nur maximal 8 freie Stellen zu vergeben," erläutert Dirksen das Prozedere.

Deutschunterricht verpflichtend

Am Dienstag, den 17. Mai 2016, war dann der Arbeitsbeginn. Komplett eingekleidet und ausgestattet mit entsprechendem Werkzeug konnte es für die neuen Mitarbeiter, alles anerkannte Flüchtlinge aus Syrien, in der Baumschule losgehen. "Der erste Rückschlag für zwei unserer neuen Mitarbeiter folgte sogleich: ab sofort müssen sie für die nächsten zwei Monate in den Deutsch-Integrationskurs, der für sie verpflichtend ist. Wir haben einen von ihnen ganz- und den anderen halbtags dafür freigestellt. Da sie schon seit sechs Monaten hier in Deutschland sind und keine Möglichkeit hatten, etwas Produktives zu machen, ist das natürlich ärgerlich für sie. Aber der Deutschunterricht ist natürlich für die Integration mit am wichtigsten," so der Geschäftsführer weiter.

Wichtiger Beitrag

Auch wenn die größten Hürden genommen sind, werden weitere kleine oder größere Probleme folgen, die man auch noch gemeinsam meistern wolle. Just mit der Arbeitsaufnahme meldete sich schon wieder eine Herausforderung für die jungen Männer: Da sie immer noch teilweise in Turnhallen wohnen und jetzt ein eigenes Einkommen haben, müssen sie diese Wohnmöglichkeit räumen und anderweitige Wohnmöglichkeiten suchen. Dabei wolle man ihnen natürlich auch unter die Arme greifen. Überlegt man, wie lange die Flüchtlinge teilweise schon unterwegs sind, seien all diese Hürden nur eine kleine Etappe auf ihrem Weg in eine sichere Zukunft. Dirksen ist überzeugt, dass sich die jungen Männer in den Produktionsablauf und in die Gemeinschaft der Baumschule komplett integrieren lassen. Dann hätte man einen wichtigen Beitrag für deren Zukunft geleistet.

Permanent am Ball bleiben

Sein Rat an Betriebe, die ebenfalls Flüchtlinge eingliedern wollen, ist klar der Weg über ein Praktikum. Ganz wichtig sei, dass jeder anerkannte Flüchtling einen Fürsprecher hat, dem er vertraut und der ihn bei den Behördengängen, Antragstellungen, Vermittlung von Deutschkursen etc. begleitet. Und man müsse auch als einzustellender Betrieb permanent am Ball bleiben, um sowohl beim Arbeitsamt als auch bei der Agentur für Arbeit nachzufassen. Die Situation bei den Behörden habe sich aber inzwischen verbessert und Dirksen geht davon aus, dass künftig verstärkt Arbeitsvermittlungsangebote mit anerkannten Aylanten seitens der Ämter kommen werden.