Sozialer Wohnungsbau mit „Eigenheim-Gefühl“

ANDERNACH, 09.08.2016 – Ein neues Wohnkonzept der Leichtbeton-Industrie baut auf dem „Kieler Modell“ auf und zeigt, wie mit Reihenmiethäusern weniger Verkehrsflächen und mehr individueller Wohnraum möglich sind – bei niedrigeren Quadratmeterpreisen.

Reihenhausprinzip im sozialen Wohnungsbau
Sozialer Wohnungsbau: Der Bundesverband Leichtbeton hat ein neues Konzept nach dem Reihenhausprinzip entwickelt. | Foto + Grafiken: BV Lb

BV-Lb-Modell
Das „BV-Lb-Modell“ setzt auf reihenhausartige Gebäude, um
eine Wohnqualität zu schaffen, die einem Eigenheim
möglichst nahekommt.
Charakteristisch für das „Kieler Modell“ sind dezentrale Gemeinschaftsunterkünfte. Darin sollen zunächst bis zu 70 Flüchtlinge in drei Stockwerken untergebracht werden. Von Beginn an ist zudem vorgesehen, die Gebäude durch einfache Umbaumaßnahmen einer Nachnutzung im Sinne des sozialen Wohnungsbaus zuzuführen. Das Standard-Grundrissmodul beinhaltet drei Einzelwohnungen mit jeweils zwölf Quadratmetern sowie ein Gemeinschaftsbad mit knapp sechs Quadratmetern. Je nach Personenbelegung können diese Module aber auch flexibel zu WGs oder Familienwohnungen verbunden werden. Jedes Stockwerk fasst vier solcher Module.
Entscheidend ist, dass diese Individualräume die Seitenflügel einer Mittelzone mit Gemeinschafts- und Verwaltungsflächen bilden. Letztere dienen als Gemeinschaftsküche, Gebetsraum oder auch zur Kinderbetreuung und machen einen Anteil von 40 Prozent an der Gesamtfläche aus. Die Vertreter der ARGE Kiel nennen diese Unterbringung selbst „heimartig“. Die Wohnunterkünfte sind daher – wie alle dezentralen Gemeinschaftsunterkünfte – als „Sonderbauten“ zu deklarieren. Im Gegensatz zu Wohncontainern oder zweckentfremdeten Gewerbebauten bietet das „Kieler Modell“ aber langfristig nutzbaren Wohnraum, der gleichermaßen förderfähig ist. Dabei stellt das Modell für die größten Kostengruppen (KG 300/400 gemäß DIN 276) einen Quadratmeterpreis von circa 1.300 Euro in Aussicht.

Reihenhaus-Modell soll Eigenverantwortung  stärken


Das Modell der Leichtbeton-Industrie und des Darmstädter Architekturbüros BaruccoPfeifer weist Parallelen zum „Kieler Modell“ auf: Eine wirtschaftliche, schnelle Bauausführung, ein flexibles Raumnutzungskonzept und nachhaltige Baustoffe nehmen bei beiden Ansätzen eine zentrale Rolle ein. Allerdings geht es bei dem Modell der Leichtbeton-Industrie auch um eine sozio-kulturelle Perspektivverschiebung hinsichtlich des klassischen sozialen Wohnungsbaus. Reihenmiethäuser mit eigenem Garten ersetzen hierbei Mehrgeschosswohnungsbauten. Hintergrund sei die „psychologische Qualität, die einem eigenen Grundstück mit Grünfläche zugemessen“ werde, so der Verband. Zudem stärke die Ausrichtung auf „das gemietete Haus“ die Eigenverantwortung bei den Bewohnern.
Das „BV-Lb-Modell“ sieht deshalb nicht-unterkellerte Häuserzeilen vor, die aus einem Anfangstyp (3-Zimmer-Wohnung), beliebig vielen Regeltypen (4-Zimmer-Wohnungen) und einem Endtyp (6-Zimmer-Wohnung) bestehen. Jede Wohnung verfügt über Erdgeschoss und 1. Obergeschoss. Wegen der unterschiedlichen Wohnungsgrößen entsteht Wohnraum für Paare, Familien oder Wohngemeinschaften. Um dieses Raumangebot noch für Singles zu erweitern und auch Mehrgenerationenwohnen zu ermöglichen, plant das Konzept eine „Reihe B“ ein. In dieser Häuserzeile könnte der sonst sehr geräumige Endtyp in eine 1-Zimmer- und eine 3-Zimmer-Wohnung unterteilt werden.
Trotz hoher Ansprüche an die ökologische und bauphysikalische Qualität kann so ein Quadratmeterpreis für die Bruttogeschossfläche von etwa 1.000 Euro erzielt werden.
Vorgefertigte Raumzellen, etwa für den Technikraum oder Fertigbäder, sorgen für effektiven Umgang mit der vorhandenen Fläche. Erschließungswege auf der Gartenseite ermöglichen Anlieferungen aller Art und bilden zugleich die Gemeinschaftszone der Siedlung. Die Abgrenzung zum privaten Garten wird über einen Höhenunterschied von 50 Zentimetern gewährleistet. Ein überdachter Einstellplatz für Fahrräder und ausreichend Parkplätze sind ebenfalls Teil des Bebauungsplanes. Pro Häuserzeile existiert eine gemeinsame Technikzentrale für die erforderliche Haustechnik.
Das Prinzip der Wiederholung betrifft dabei nicht nur die typologisierten Häuser, sondern auch standardisierte Gebäudebestandteile wie Fenster, Gartenhäuser oder Schiebeläden, die die Optik der Häuserzeile prägen. Auf diese Weise will das „BV-Lb-Modell“ eine gemeinschaftsfördernde Umgebung schaffen, die aber genug Spielraum für Individualität lasse – ähnlich wie es bei einem Eigenheim, so der Verband.

Weniger Verkehrsflächen – mehr Wirtschaftlichkeit


Zunächst liege nun die Vermutung nahe, dass eine solche Steigerung der Wohnqualität in den engen Grenzen des sozialen Wohnungsbaus nicht rentabel umzusetzen sei, merkt der Verband an. Aber das „BV-Lb-Modell“ weise einen architektonischen Kniff auf, der es erlaube, den Anteil der Verkehrsflächen an der Gesamtwohnfläche auf 14 Prozent zu senken (Beim „Kieler Modell“ waren 40 Prozent veranschlagt.). Dies gelingt durch den Versatz des Obergeschosses um rund vier Meter. Der vorhandene Wohnraum wird dadurch effektiv ausgenutzt: Im ersten Stockwerk fällt nur die erweiterte Podestfläche und im Erdgeschoss der Windfang als Verkehrsfläche an. Architektonisch betrachtet schließt der Geschossversatz das typische Reihenhausmodell auf und schafft beispielsweise unterhalb des Anfangstyps der jeweiligen Häuserzeile zusätzlichen Raum für die schon erwähnte Technikzentrale. Neben den vorgefertigten Raumzellen und der zeitoptimierten Bauausführung ermögliche vor allem dieses Minimum an Verkehrsflächen beim „BV-Lb-Modell“ laut Verband einen niedrigen Quadratmeterpreis für die Bruttogeschossfläche von circa 1.000 Euro (KG 300/400 gemäß DIN 276). Damit liege es trotz des „wohnlicheren“ Gebäudetypus sogar unter dem Betrag, den das „Kieler Modell“ veranschlagt.
Aufgrund von vorgefertigten Raumzellen und dank des Geschossversatzes verringert sich der Anteil an Verkehrsflächen auf 14 Prozent.

Monolithisch – nachhaltig – energieeffizient



Die Basis ist - wie beim Kieler Modell - der Massivbau, denn nur dieser erlaubt aus konstruktiven Gründen den entscheidenden Geschossversatz. Die Bauausführung erfolgt dabei in monolithischer Weise mit 36,5 Zentimeter starkem Leichtbeton-Mauerwerk. Dieses erfüllt bzw. übertrifft die Anforderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV). KLB-Klimaleichtblock verfügt über unabhängige Umweltproduktdeklarationen (EPDs). Sowohl hinsichtlich des Brand- als auch des Schallschutzes übertreffen Leichtbeton-Konstruktionen die baurechtlichen Mindestanforderungen deutlich. Gemäß DIN 4102-1 und DIN EN 13501-1 ist Leichtbeton der Baustoffklasse A1, „nicht brennbar“, zuzuordnen und eignet sich sogar als „Brandwand“. Den Schallschutz betreffend sieht die DIN 4109 einen Bonus von zwei Dezibel für das aus der Massekurve ermittelte Schalldämm-Maß von Leichtbeton-Bauteilen vor. Ein weiterer Pluspunkt von Mauerwerk aus Leichtbeton ist der sommerliche Wärmeschutz nach DIN 4108-2.
Nähere Informationen zum neuen Wohnraum-Konzept können beim Bundesverband Leichtbeton angefragt werden per eMail an info@leichtbeton.de oder unter Telefon 02631-355550.