JCB Hydradig: Bagger neu gedacht

KÖLN, 22.08.2016 – Der britische Baumaschinenhersteller JCB hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Das Konzept des Baggers grundlegend revolutionieren. Das Ergebnis wurde auf der bauma 2016 vorgestellt. Kann es die hohen Erwartungen erfüllen?

Der neue JCB Hydradig auf der bauma

Großes Interesse der Besucher herrschte auf der bauma für den neuen JCB Hydradig. | Foto: E. Bauer

Am Anfang der Entwicklung vor drei Jahren firmierte das streng geheime Projekt intern unter dem Codenamen „Project 710“. In vielen intensiven Gesprächen arbeiteten die Ingenieure gemeinsam mit ausgewählten Kunden die wichtigsten Anforderungen heraus. Dabei standen die Bedürfnisse der Kunden aus den Bereichen Versorgungswirtschaft, Straßenbau und Garten- und Landschaftsbau im Mittelpunkt: „Unsere Kunden wollten von uns als Lösung eine Maschine, die deutlich bessere Sicht, mehr Stabilität, Wendigkeit, Mobilität und Wartungsfreundlichkeit bietet. Wir wussten, dass wir dafür auch den Stand der Technik in Frage stellen mussten und den Kunden Lösungen anbieten müssen, die sie nie für möglich gehalten hätten. Mit dem JCB Hydradig ist es uns in einer völlig neuen Dimension gelungen, im Zehntonnenbereich alle fünf Kundenanforderungen umzusetzen“, erläuterte Chefentwickler Tim Burnhope.

Bauweise grundlegend anders

Im Pflichtenheft stand die Rundumsicht aus der Kabine an erster Stelle. Gleichzeitig aber sollte auch an der Stabilität gearbeitet werden, wobei dies nicht zu Lasten der Wendigkeit gehen sollte. Last but not least wünschten sich die Kunden eine Servicezugänglichkeit vom Boden aus. Keine unlösbare Aufgabe, wie der Hydradig nun eindrucksvoll beweist. Der Kunstgriff, um alle diese Kundenanforderungen zu erfüllen bestand darin, Motor, Getriebe sowie Hydraulik im Unterwagen statt wie üblich im Oberwagen der Maschine unterzubringen. Durch diese Bauweise verändert sich der Bagger gegenüber herkömmlichen Hydraulikbaggern. Der Schwerpunkt des Hydradig liegt dank seiner Bauweise deutlich niedriger, was für mehr Stabilität sorgt. Mit einem schwenkbaren Verstellausleger und Doppelbereifung ausgestattet, bringt er es auf eine maximale Hubkapazität von 1.000 kg bei 360° und voller Reichweite. Zudem erreicht er diese Leistung mit dem kürzesten Hecküberstand seiner Klasse.

Hydrostatischer Antrieb

Mit einem Chassis, das auf dem Prinzip der Teleskoplader-Technologie beruht, war JCB in der Lage, den Hydradig mit Vorderradlenkung, Allradlenkung und Hundegang auszustatten. Optional ist eine automatische Umschaltung der Lenkachsen erhältlich, damit kann man in jede Richtung fahren, ohne dass man beim Lenken umdenken muss. Ein Pendelwinkel an der Vorderachse von +/-8 Grad in Kombination mit stufenlosen hydrostatischen Antrieb sorgt für Wendigkeit sowie Traktion auch in anspruchsvollem Gelände.
Durch die neue Bauweise kann man regelmäßige Wartungskontrollen von Füllständen, Filtern und Batteriezustand nicht nur bequem vom Boden, sondern nur von einer Maschinenseite aus durchführen. Der Seitenmotor ist hinter einem weit öffnenden Stahlgehäuse zugänglich.

Ecomax-Motor und Carbonbuchsen

Die Buchsen sind in Carbon-Bronze ausgeführt, so dass die Schmierintervalle beim Hydradig nur alle 500 Stunden fällig werden. So muss der Maschinenführer nicht auf den Oberwagen klettern – das schafft zusätzliche Baustellensicherheit. Da auch der Hydradig serienmäßig mit der LiveLink-Telematik ausgestattet ist, kann der Fuhrparkleiter aus der Ferne Betriebsparameter wie Kraftstoffverbrauch und andere Betriebsdaten online abrufen. Der Hydradig benötigt mit seinem 108-PS-starken Ecomax-Dieselmotor auch keinen Dieselpartikelfilter, um die Abgasstufe IIIB/Tier4 interim zu erfüllen.

Übersichtliche Kabine

Die eigens für diese Maschine entwickelte Kabine ermöglicht es dem Fahrer, alle vier Räder im Blick zu haben. Am Boden reicht das Sichtfeld des Fahrers sogar bis auf einem Meter an die Maschine heran, wie Tim Burnhope auf der Bühne in München demonstrierte. Das bringt Vorteile beim Ankuppeln eines Anhängers, denn der Fahrer kann vom Sitz aus die Anhängerkupplung sehen, ohne das Schwenkwerk einzusetzen. Abstützungen und Planierschild sind aus der Kabine heraus einsehbar, ohne dass sich der Fahrer verrenken muss. bi