Bau- und Baustoffmaschinen: Große Unterschiede in den Absatzmärkten

FRANKFURT, 01.09.2016 – Die deutschen Baumaschinenhersteller bleiben zur Mitte des Jahres vorsichtig optimistisch. Die Umsätze liegen auf dem Niveau des Vorjahres. Was bleibt, ist die Volatilität und das große Ungleichgewicht zwischen den Absatzmärkten.

Auftragseingang und Umsatz Baumaschinen
Auftragseingang und Umsatz von Baumaschinen, besonders im Erdbau, entwickeln sich im bisherigen Jahresverlauf leicht positiv. | Foto/Grafik: VDMA
Johann Sailer, Vorsitzender des VDMA-Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen
„Nach einer tollen Messe bauma im April
sind wir wieder mitten im Tagesgeschäft –
und das hält einiges an Herausforderun-
gen und Unsicherheiten bereit“, sagt Jo-
hann Sailer, Vorsitzender des VDMA-Fach-
verbandes Bau- und Baustoffmaschinen.
Der Umsatz der Mitgliedsunternehmen im Baumaschinenbereich liegt zur Jahresmitte 2016 branchenweit praktisch auf Vorjahresniveau, und die Tendenz zum Ende des Jahres zeigt leicht nach oben. Schwieriger ist die Situation bei den Baustoffanlagenherstellern. „Abgesehen von Einzelaufträgen im April wartet die Branche auf Nachfrageimpulse. Von einem Aufschwung können wir da nicht sprechen“, sagt Johann Sailer, Vorsitzender des VDMA-Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen. Insgesamt dürfte die Branche 2016 wieder etwa das Umsatzniveau des Vorjahres in Höhe von 13,3 Milliarden Euro erreichen – damals waren es neun Milliarden Euro bei Baumaschinen und 4,3 Milliarden Euro im Geschäft mit Baustoffanlagen.

Baumaschinen: Wachstum nur in Europa und Indien
Die Heterogenität der Märkte ist wieder das bestimmende Thema für die Baumaschinenhersteller. Nordamerika und der Nahe Osten, zwei der wichtigsten Wachstumsmärkte der letzten Jahre, erleben in diesem Jahr Rückgänge im Maschinenabsatz – nicht zuletzt aufgrund der anhaltenden Schwäche im Öl- und Gasgeschäft. Dazu kommen die nach wie vor schwachen Märkte Lateinamerikas, Afrikas und weiter Teile Asiens. Der ehemals größte Markt China kommt noch immer nicht auf die Beine und wird nach fünf Jahren des Rückgangs kumuliert fast 80 Prozent seines Volumens verloren haben. In Asien wächst aktuell nur der indische Baumaschinenmarkt, getragen von verstärkten Investitionen in den Straßenbau.

Baustoffanlagen: Kein Aufschwung in Sicht
Das Geschäft mit Baustoffmaschinen und -anlagen ist aufgrund seiner Langfristigkeit immer geringerer Volatilität ausgesetzt als der Baumaschinenbereich. Dafür sind die Hersteller von langfristig stabilen Wachstumsmärkten abhängig, und an diesen mangelt es zurzeit. Lediglich Mitteleuropa, Indien und Nordamerika können als zufriedenstellend eingeschätzt werden. Vor allem der Wegfall des für die Baustoffanlagen so wichtigen russischen Marktes bereitet den Herstellern große Probleme, und es sieht nicht danach aus, als ob in den kommenden ein bis zwei Jahren ein anderer Markt an diese Stelle treten könnte.

Kundenseitige Überkapazitäten stellen eine große Herausforderung für die Hersteller dar. Das gilt vor allem, beileibe aber nicht ausschließlich, für den Bereich Zement, Kalk, Gips. Beim Stichwort Überkapazitäten blickt die Branche automatisch auch immer auf den chinesischen Wettbewerb: „Es ist nicht zu erwarten, dass Anbieter aus China die Märkte mit ihrem Equipment fluten werden, aber die Tendenz ist klar – ist der Heimatmarkt schwach, orientieren sich die Firmen auf die Exportmärkte“, erläutert Sailer den zunehmenden Wettbewerbsdruck aus China.

Für alle Teilbereiche der Branche gilt, dass die politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten in vielen Bereichen immens sind und Stabilität immer weniger vorhanden ist. „Wir wollen nicht immer nur über Krisen sprechen, und viele aktuelle Themen haben auch gar keinen direkten Einfluss auf das Baugeschäft. Aber natürlich schwingen solche Nachrichten immer ein bisschen bei den Investitionsüberlegungen unserer Kunden mit“, so Sailer. Umso wichtiger sei es zu betonen, dass die Bau- und Baustoffmaschinenbranche durchaus eine Wachstumsbranche ist – und zumindest mittelfristig auch wieder in den Emerging Markets.

Der Umsatz der deutschen Baustoffanlagenhersteller hat im ersten Halbjahr deutlich nachgegeben. Der Auftragseingang vor allem aus dem Ausland war dagegen stark.

Der europäische Markt zeigt sich 2016 freundlich. Wachstumstreiber sind Frankreich – das Baumaschinengeschäft profitiert von einem Sonderabschreibungsprogramm – und die südeuropäischen Länder. Nord- und Westeuropa entwickeln sich einmal mehr stabil. Der deutsche Markt befindet sich auf einem hohen Niveau und könnte 2016 noch einmal leicht zulegen. Lediglich Mittelosteuropa bleibt in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurück. Einen Sonderfall stellt der Baumaschinenmarkt in der Türkei dar. Angesichts des starken Wachstums der jüngsten Zeit stellt sich die Frage nach Überhitzung und einer Blasenbildung. Zusammen mit der politischen Instabilität könnte für den türkischen Baumaschinenmarkt noch eine „harte Landung“ folgen.