Brandenburger UV-Liner-Technologie: Rekordbaustelle in Helsinki

LANDAU, 07.09.2016 – 96 Tonnen Liner in zehn Tagen auf 620 Meter Kanallänge einbauen – und das neben einer der Hauptverkehrsachsen in Helsinki. Die Baustelle im Mai 2016 war nicht nur eine große Herausforderung, es war auch das größte Einzelprojekt zur Kanalsanierung in Finnland.

Kanalsanierung neben der Straßenbahn
Sanierung neben der Straßenbahn

Zur Rushhour tummeln sich täglich mehrere hunderttausend Finnen auf den Straßen der Hauptstadt Helsinki; etwa 600.000 Menschen wollen zur Arbeit in die City oder wieder zurück nach Hause auf die Halbinsel. So war der Auftrag der Firma Putkistosaneeraus Eerola Oy für die Brandenburger Liner GmbH & Co. KG ein ganz besonderer. Denn die Liner mussten möglichst vor der Rushhour im Kanal eingezogen sein, um den Verkehr so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.
Auch technisch gab es so einige Hürden zu überwinden, denn die Wasserhaltung musste für 1,3 Kubikmeter pro Sekunde ausgelegt sein und dabei zwei Mal die Straßenbahnlinie kreuzen. Hierbei musste der störungsfreie Betrieb der Straßenbahn gewährleistet werden und daher wurde die Wasserhaltung über die Stromleitung verlegt.

Großer Kraftakt der beteiligten Arbeiter

Die Firma Brandenburger reiste mit einer großen UV-Anlage und zwei Technikern an. Die Liner mit einem Gesamtgewicht von 96 Tonnen wurden an den Einsatzort geliefert. Der schwerste Liner wog 24 Tonnen, war 19,6 Millimeter dick und 145 Meter lang (DN 1350). Aufgrund der längeren Transportzeit nach Helsinki hat die Firma Brandenburger auf den Zusatz von Peroxiden und damit auf die Kombinationshärtung mit UV-Licht und Wärmereaktion verzichtet.
Der Aufbau der großen Liner, in diesem Fall der DN 1350 Liner, ist fast identisch mit dem eines Liners mit kleinem Durchmesser. Doch der Knackpunkt bei der Baustelle in Helsinki war das Gewicht, das fast 30 Mal größer war als bei anderen Linern mit geringerem Durchmesser. Zwar blieben die Installationsschritte dieselben wie beispielsweise bei einem Liner der Größe DN 200, jedoch mussten die Mitarbeiter der UV-Kolonne bei dem DN 1350 ein Metergewicht von bis zu 170 Kilogramm bewegen.

Wasserhaltung über Stromleitung
Wasserhaltung über Stromleitung

Spezielle Einbauhilfen für Lichterketten entwickelt

Zudem musste das Einbauteam bei allem Kraftaufwand beim Einsetzen der Verschlusspacker und der UV-Lichterkette sehr vorsichtig sein, um die empfindlichen Innenfolien nicht zu verletzen. Die Innenfolie darf deshalb nicht zu dick sein, weil sonst die UV-Strahlen beim Durchdringen der Rohstoffe abgelenkt werden. Dies würde eine vollständige und schnelle Aushärtung verhindern.
Um die Lichterkette einfach und sicher einbauen zu können, hat Brandenburger eine spezielle Einbauschleuse entwickelt. Auch die Packer sind bei diesen Nennweiten speziell für die Baustelle angefertigt worden. Mit Erfolg: Durch den Einsatz der Brandenburger Miet-UV-Anlage mit 12 x 1.000 Watt konnten die Liner erfolgreich ausgehärtet werden.

Neue Produktionsanlage überzeugt

Alle in Helsinki verbauten Liner wurden auf der neuen Produktionsanlage auf dem Firmengelände in Landau gefertigt. Auf der neuen Anlage wird das im Jahr 1996 im Hause Brandenburger entwickelte und bis heute patentierte Wickelverfahren grundsätzlich beibehalten. Mit Hilfe von Kameras können darüber hinaus noch mehr Produktionsparameter als bisher erfasst und dokumentiert werden. Die Anlage ist so konzipiert, dass Liner mit Längen über 300 Meter bei jeder Nennweite zu realisieren sind. Lediglich in Bezug auf das Gewicht gibt es eine Beschränkung von maximal 70 Tonnen.
„Langsam tasten wir uns an das ganze Potential der Anlage ran“, ist Geschäftsführer Michael Schloder überzeugt. „Dabei waren die 24-Tonnen-Liner für Helsinki ein erster Schritt.“ So konnten in sieben Arbeitstagen fünf Liner installiert werden. Selbst der Vatertag wurde genutzt, um die Baustelle fristgerecht abzuschließen.
Nicht nur Brandenburger als Hersteller war am Ende vom Ergebnis überzeugt, sondern auch die Kolonne der Firma Putkistosaneeraus Eerola Oy sowie der Auftraggeber der Stadt Helsinki.
Nach diesem erfolgreich abgeschlossenen 2,1 Millionen Euro schweren Projekt in Finnland stehen bereits die nächsten Aufgaben an. Und mit ihnen plant Brandenburger, die Grenzen der UV-Liner noch weiter nach oben zu verschieben.
bi

Diesen Beitrag lesen Sie auch in unserer aktuellen Ausgabe (4/16) der bi-UmweltBau.

Erfolgreich eingebauter Liner
Der Liner konnte in Helsinki erfolgreich eingebaut werden. | Fotos: Brandenburger