Front Steer-Einsatz in Italien: Zielgenau durch Leccestein

ALSDORF, 12.09.2016 – Geologie und Randbedingungen waren bei der grabenlosen Verlegung von Abwasserkanälen in der italienischen Stadt Lecce prädestiniert für den Einsatz des Front Steer-Systems aus dem Hause Bohrtec.

von Dr.-Ing. Gregor Nieder, Bohrtec

Hobas-Vortriebsrohr wird eingehoben
Hobas-Vortriebsrohre mit innenliegender Förderverrohrung und Hohlbohrschnecken
Die Firma F.LLI Andresini S.R.L. aus der süditalienischen Stadt Polignano a Mare in Apulien erhielt Anfang 2015 vom italienischen Wasserversorger der Provinz Apulien „Acquedotto Pugliese S.P.A.“ den Auftrag zur Erweiterung bzw. Erneuerung des Abwassernetzes der Stadt Lecce. Der Auftrag umfasste die Neuverlegung von 3,7 km Abwasserkanälen DN 800. Um im Bereich des historischen Stadtzentrums von Lecce den Verkehr und das Geschäftsleben in den teilweise sehr engen Gassen und die anstehende Bebauung weitestgehend zu schonen, waren ca. 800 m der Neuverlegung in unterirdischer Bauweise geplant.

Wirtschaftliche Verfahrenstechnik


Als mögliche Verfahrenstechnik für den Rohrvortrieb wurde zunächst ein Microtunnelvortrieb mit hydraulischer Stützung der Ortsbrust und hydraulischer Förderung des abgebauten Bodens in Erwägung gezogen. Aufgrund der vergleichsweise kurzen Haltungslängen (max. 80 m) analysierte F.LLI Andresini die im Vergleich zum Microtunnelbau wirtschaftlichere und einfachere Verfahrenstechnik der gesteuerten Schneckenbohrung, die zudem den Vorteil hat, den wasserempfindlichen Leccestein trocken zu fördern. Der geringere Baustelleneinrichtungsaufwand und die vergleichsweise kurzen Rüstzeiten waren zusätzliche Argumente für diese Technik von Bohrtec.
Der über die Grenzen der Stadt Lecce hinaus bekannte sogenannte Leccestein, bei dem es sich um einen weichen, marmorähnlichen Kalkstein handelt, gestattet natürlich nicht den Einsatz der konventionellen Pilotbohrtechnik, da er nicht verdrängbar ist. Nach einer Besichtigung der Baustellenbedingungen und der Geologie vor Ort war schnell klar, dass der Front Steer von Bohrtec das perfekte System für die anstehende Bauaufgabe ist.

Besondere Anforderungen


Beim Front Steer-System wird der steuerbare Bohrkopf mit dem aus der Pilotbohrtechnik bewährten optischen Vermessungssystem und Hohlbohrschnecken gefahren. Mit Hilfe des sehr genauen optischen Vermessungssystems kann der Maschinenbediener die Position des Bohrkopfes jederzeit überwachen, um bei Bedarf Steuerkorrekturen vorzunehmen. Die bei dem Projekt in Lecce geforderten Genauigkeiten von 2,0 mm/m bis 6,0 mm/m sind mit dem Front Steer ohne Probleme einzuhalten.
In Lecce sollten 2 m lange Hobas-Vortriebsrohre DN 800 mit einem Außendurchmesser von 860 mm zum Einsatz kommen. Als Förderverrohrung empfahl Bohrtec im Hobas-Rohr zentrierte wiedergewinnbare Stahlschutzrohre mit Hohlbohrschnecken mit optischer Gasse.
Um den Anforderungen an kleine Startschächte – in den engen Straßen der Altstadt von Lecce ein entscheidender Punkt – gerecht zu werden, wurde als Bohrgerät die BM 600 LSC vorgeschlagen. Bei dieser Maschine handelt es sich um ein leistungsfähiges und dennoch vergleichsweise kompaktes Bohrgerät.

BM 600 LSC mit Front Steer im Startschacht
BM 600 LSC mit Front Steer im Startschacht | Fotos: Bohrtec

Schneller Vortrieb


F.ILL Andresini folgte den Empfehlungen des Maschinenherstellers und bereits drei Monate später wurde das gesamte Equipment im September 2015 nach Italien ausgeliefert. Anfang Oktober 2015 begann ein Bohrtec Techniker mit der Schulung des Personals auf der Baustelle, die von der Fa. Andresini hervorragend vorbereitet worden war.
Nach der Einrichtung des Bohrgerätes im Startschacht wurde die erste Haltung ohne Probleme in nur sechs Tagen erfolgreich aufgefahren. Der Front Steer erreichte den Zielschacht fast ohne Verschleiß und das Abbau- und Steuerverhalten war einwandfrei. Bereits die zweite Pressung wurde von der Bohrmannschaft der Fa. Andresini alleine problemlos durchgeführt. Der Bohrtec-Techniker überwachte die Bohrung lediglich. Diese 60 m lange Haltung wurde in nur fünf Tagen erfolgreich fertiggestellt. Auch die dritte 60 m lange Bohrung dauerte nur fünf Tage und bereitete keinerlei Probleme.


Keine Separationsanlage nötig


Mit diesem ersten Projekt in Italien konnten eindrucksvoll das Leistungsvermögen und die Vorteile des Front Steer-Systems unter Beweis gestellt werden. Die extrem kurzen Rüstzeiten, die einfache Bedienung und vor allem die Tatsache, dass keine Separationsanlage erforderlich ist, sind die entscheidenden Unterschiede zu Mikrotunnelmaschinen mit hydraulischer Förderung. Insbesondere der letztgenannte Vorteil der Trockenförderung gab in Lecce den Ausschlag für die Verwendung des Front Steer-Systems.
Mittlerweile wurden alle Bohrungen des Projektes erfolgreich mit einer durchschnittlichen täglichen Vortriebsleistung von 15 m bis 20 m fertiggestellt. Die beste Vortriebsleistung, die erzielt werden konnte, waren 24 m pro Tag, eine beachtliche Leistung bei der Verwendung von 2 m langen Vortriebsrohren. Sowohl der Auftraggeber, Acquedotto Pugliese Spa als auch die ausführende Firma F.LLI Andresini S.R.L. waren beeindruckt von der einfachen aber sehr wirkungsvollen Schneckenbohranlage und dem Front Steer.



Diesen Bericht lesen Sie auch in unserer aktuellen Ausgabe (4/16) der bi-UmweltBau.