Geflüchtete für den GaLaBau begeistern

WARENDORF, 27.09.2016 – Der Zustrom von Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen, bietet für den GaLaBau eine Chance dringend benötigte Fach- und Arbeitskräfte zu finden. Der VGL NRW fördert mit Willkommenslotse Theo Wöstmann eine schnellere Integration in die Fachbetriebe.

Unterricht für geflüchtete im DEULA-Gewächshaus
Unterricht mit Arbeitsminister: Rainer Schmeltzer (sitzend, 3.v.l.) drückt die Schulbank im DEULA-Gewächshaus.

Immer mehr Menschen suchten in Deutschland Zuflucht vor Krieg, Hunger und aussichtsloser Perspektive. Während im Jahr 2012 durchschnittlich etwa 6.500 Personen pro Monat einen Asylantrag stellten, waren es im Jahr 2015 im Mittel 39.700 Personen pro Monat. Im Oktober 2015 stellten laut Eurostat sogar rund 60.400 Menschen einen Asylantrag. Viele werden in Deutschland bleiben dürfen und suchen Arbeit. Für den Garten- und Landschaftsbau liegt darin eine Chance die schon jetzt dringend benötigten Fach- und Arbeitskräfte zu finden. Theo Wöstmann soll dazu beitragen, dass Flüchtlinge mit Bleibeperspektive und Interesse am Gärtnerberuf in heimischen Gartenbau-Betrieben einen Einstieg ins Berufsleben finden.

Willkommenslotse

„Als Willkommenslotse für die grünen Berufe berate ich kleine und mittlere Unternehmen in allen praktischen Fragen der betrieblichen Integration von Flüchtlingen – sei es durch ein Praktikum, eine Einstiegsqualifizierung (EQ), eine Ausbildung oder durch den direkten Einstieg in eine Beschäftigung“, so Theo Wöstmann. Interessierte Unternehmen erhalten so vor Ort die wichtigsten Informationen zu rechtlichen Rahmenbedingungen und erfahren, wo man weiterführende Unterstützungsmöglichkeiten finden kann. „Außerdem helfe ich als Willkommenslotse dabei, mögliche Vorbehalte und Unsicherheiten in der Belegschaft abzubauen. Dazu gehört auch, dass eine Willkommenskultur im Unternehmen gefördert wird, um eine erfolgreiche betriebliche und soziale Integration der Flüchtlinge zu erreichen.

Theo Woestmann, Willkommenslotse der VGL NRW
Theo Wöstmann ist IHK-geprüfter
Personalfachkaufmann.
| Fotos: VGL NRW

Kulturell vielfältige Belegschaft

So profitiert nicht nur das Unternehmen von einer kulturell vielfältigen Belegschaft, sondern auch durch ein positives Image in der Außendarstellung“, erläutert Wöstmann weiter. Immer mehr Geflüchtete dürfen mittlerweile arbeiten. Dies spiegelt sich an der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wider. Im Januar 2012 beschäftigten Arbeitgeber etwa 300.000 Personen aus Asylzugangsländern in Deutschland. Im Oktober 2015 waren es schon 400.000. Gleichzeitig sind viele der Geflüchteten derzeit auf der Suche nach Arbeit. Im Januar 2012 galten etwa 197.000 als arbeitssuchend, im Dezember 2015 waren es bereits 324.000. „Es ist davon auszugehen, dass im Laufe des Jahres 2016 noch deutlich mehr Flüchtlinge dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden“, verweist der Willkommenslotse auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Welcome to WiN – Work in Nature

NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer besuchte das gleichnamige Flüchtlingsprojekt der DEULA Warendorf. Schmeltzer kam bei seinem Besuch mit den Projektpartnern der DEULA, dem Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW (VGL NRW) und der Arbeitsagentur Ahlen-Münster zusammen. Dr. Karl Schürmann, Hauptgeschäftsführer des VGL NRW, und Christian König, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Ahlen-Münster, konnten im Gespräch mit dem Minister deutlich machen, dass die Qualifizierungsmaßnahme gezielt auf eine Beschäftigung der Männer aus sechs verschiedenen Nationen im Garten- und Landschaftsbau hinauslaufen soll. „Ohne den konkreten Arbeitskräftebedarf in der Branche hätten wir mit diesem Projekt gar nicht an den Start gehen können“, erklärte DEULA Geschäftsführer Björn Plaas. „Aber als wir gemeinsam mit dem VGL NRW eine Anfrage an die Mitgliedsbetriebe gestellt haben, hatten wir innerhalb eines Tages so viel Nachfrage und Angebote der Betriebe, die Flüchtlinge bei der Integration zu begleiten, dass wir das Projekt beginnen konnten.“

Ausbildungswunsch

Unterstützung gab es dafür von Minister Schmeltzer. Aus „Wir schaffen das!“ habe man in der DEULA „Wir machen das!“ gemacht. Rainer Schmeltzer hatte bei seinem Besuch von zwei Unterrichtseinheiten das Gespräch mit den Teilnehmern der Maßnahme gesucht. Sie äußerten den dringenden Wunsch, anschließend eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau machen zu können. Das sei für eine Integration in Deutschland sehr wichtig, bestätigte Schmeltzer und freute sich über die Motivation der Männer, deren Aufenthaltsstatus allerdings noch nicht geklärt ist. Er konnte aber in Aussicht stellen, dass unabhängig von einer Bewilligung ihres Asylantrages seit neuestem die Regelung „3+2“ gelte. Damit stellen wir sicher, dass Sie mit einer ausreichenden Qualifizierung und mit beruflicher Erfahrung zurückkehren können.“ Das Projekt wird inzwischen auch von der Bundesregierung als Best-Practice-Beispiel geführt. bi