Wasserdicht saniert

BRÜHL, 05.09.2016 – Die durch Feuchtigkeit schwer geschädigte Terrasse des UNESCO Weltkulturerbes Schloss Augustusburg in Brühl wurde aufwändig saniert. Besondere Herausforderung dabei war es die Bodenkonstruktion vollständig zu erneuern, ohne den ursprünglichen Charakter der Terrasse zu verändern.

Schloss Augustusburg in Brühl
Schloss Augustusburg zählt seit 1984 zum UNESCO Weltkulturerbe. | Fotos: quick-mix, Osnabrück

Das UNESCO Weltkulturerbe war durch Feuchtigkeit im Mauerwerk stark geschädigt. Um das bedeutende Kulturgut zu bewahren, war der Schutz vor Feuchtigkeit eine vordringliche Aufgabe.
So musste eine ganze Reihe von Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden, um die repräsentative Hochterrasse von Schloss Augustusburg Instand zu setzen. Ein entscheidender Schritt zu einer dauerhaften Lösung war es, das Regenwasser sicher von der Terrasse abzuleiten, ohne es in den schon durch Feuchtigkeit geschädigten Unterbau durchsickern zu lassen. Diese Aufgabe übernimmt nun ein System, das auf einer neuen Abdichtung - der Flächendrainage für Natursteinbeläge von Gutjahr und einem Drainage-Bettungsmörtel von tubag - beruht.

Schwerwiegende Schäden

Ausgelöst wurden die Schäden an dieser Hochterrasse durch einen Wassereintritt in das bis zu 1,50 Meter dicke Naturstein-Mauerwerk der Terrassenstützwände. Dies führte nicht nur zu Schäden in der Putzfassade der Stützwände sondern auch zu Rissen in den Wänden selbst. Zudem sackten die Fundamente an einigen Stellen ab. Die Sanierungsmaßnahmen umfassten neben einer Ertüchtigung der Natursteinmauern und einer Instandsetzung der Balustrade auch eine komplett neue Bodenkonstruktion. Dabei ging eine Abdichtung gegen Feuchtigkeit Hand in Hand mit einer sicheren und umfassenden Ableitung des auf der Oberfläche anfallenden Wassers. Zugleich wurden die Stützwände vom angrenzenden Erdreich freigestellt und abgedichtet, da der ständige Kontakt zum feuchten Boden maßgeblich für die Durchnässung der Mauern verantwortlich war.

Aufbau der Drainageschicht für die Stufen
Aufbau der Drainageschichten für die Stufen: Die Ableitung des eingedrungenen Sickerwassers übernimmt die auf der Abdichtung verlegte Flächendrainage.

Langsame Trocknung

Das Kölner Ingenieurbüro für Baukonstruktionen Schwab | Lemke übernahm die Planung der Arbeiten und erarbeitete eine Lösung, die die historische Bausubstanz langfristig sichern soll. Zunächst wurde der alte Kriechkeller unter der Terrasse zu einem mehr als 50 Meter langen, mannshohen Hohlraum erweitert. Dieser wird nun von den Pfeilern einer massiven Betonkonstruktion getragen. Der Hohlraum dient dazu, die Feuchtigkeit im Inneren über einen langen Zeitraum hinweg abtrocknen zu lassen. Das beugt der Gefahr vor, dass ein zu schneller Trocknungsvorgang den historischen Stein der Mauern unwiederbringlich zerstört. Der Hohlraum unter der Terrasse erhielt eine neue Betondecke, darauf wurde ein Gefällebeton aufgebracht, der sorgfältig abgedichtet wurde.

Bodenaufbau für die Naturstein-Platten

Die Terrassen-Platten sind überwiegend ein neuzeitlicher Naturstein-Bestand aus den 1970er Jahren, nur kleine Teilbereiche sind um die 200 Jahre alt. Das Material für diese Platten ist Mendiger Basaltlava, die ehemals aus dem Umkreis des nahegelegen Eifeldorfes nach Brühl transportiert wurde. Die Platten wurden für die Instandsetzung kartographiert, geprüft und zwischengelagert. Der größte Teil konnte im Anschluss wieder an seinem ursprünglichen Platz verlegt werden. Einige Platten erwiesen sich jedoch als so stark geschädigt, dass sie ersetzt werden mussten. Die Basaltlava-Platten wurden von den Fachhandwerkern des Betriebs Denkmalpflege Schorn aus Köln zunächst entfernt und schließlich wieder versetzt. Von großer Bedeutung war hierbei ein sensibler Umgang mit dem historischen Bestand im Rahmen der denkmalpflegerischen Anforderungen.

Aufbau der Drainageschicht für die Stufen
Aufbau der Drainageschichten für die Stufen: Die Ableitung des eingedrungenen Sickerwassers übernimmt die auf der Abdichtung verlegte Flächendrainage.

Komplexe Abdichtung

Die Grundlage der gesamten Arbeiten bildete ein mit leichtem Gefälle ausgeführter Beton, der zunächst kugelgestrahlt, grundiert und mit Quarzsand bestreut wurde. Als Abdichtung diente ein Flüssigkunststoff, in den ein Spezialvlies vollflächig und ohne Lufteinschlüsse eingearbeitet wurde. Diese Abdichtungsarbeiten übernahm die Firma Michael Mohr Dachbau aus Rheinbreitbrach. Auf die hochwertige Abdichtung wurde eine Schutzlage verlegt. Nach umfassender Beratung der Planer und der ausführenden Firma kam darauf die kapillarbrechende Drainagematte AquaDrain EK in 16 mm Höhe von Gutjahr zum Einsatz. Diese ist speziell für Natursteinbeläge, die auf drainierenden Mörtelschichten verlegt werden, konzipiert. Darauf folgte als Bettungsschicht der tubag Trass-Drainagemörtel TDM Plus. Die Schichtdicke lag hier bei durchschnittlich 5 bis 7 cm. Stellenweise war aufgrund von unterschiedlichen Konstruktionshöhen ein Ausgleich der verschiedenen Terrassenbereiche erforderlich, dafür wurde der Trass-Drainagemörtel mit Schichtdicken von bis zu 20 cm verarbeitet.

Drainage-System für trockene Steine

Die für Augustusburg eingesetzte Flächendrainage von Gutjahr erzeugt einen drainagefähigen Hohlraum unter dem Mörtel, durch den anfallendes Wasser abfließen kann. Verantwortlich dafür ist eine 16 mm hohe Drainmatte mit einem aufkaschierten, langzeittauglichen Gittergewebe, das eine komplette Aufstelzung des Belags erlaubt. In Kombination mit dem Trass-Drainagemörtel führt das zu einer besonders schnellen und verzögerungsfreien vertikalen und horizontalen Entwässerung. Das Wasser kann durch den wasserdurchlässigen Pflasterfugenmörtel in die Drainschicht sickern und wird von dort weiter- und abgeleitet. Damit übernimmt die Drainagematte die Aufgabe einer zweiten Entwässerungsebene.

Aufbringen des Drainagemörtels
Der tubag Trass-Drainagemörtel TDM Plus wird mit einer Schichtdicke von durchschnittlich 5 bis 7 cm auf die Flächendrainage AquaDrain EK von Gutjahr aufgetragen.

Kapillarbrechende Drainagematten

Gleichzeitig wirkt die Drainagematte kapillarbrechend, da der Drainmörtel nicht mehr in direktem Kontakt mit der wasserführenden Abdichtungsebene steht. So kann einsickerndes Wasser nicht wieder durch den Mörtel bis zu den Natursteinplatten aufsteigen.
Diesen Effekt verstärkt der kapillar-optimierte TDM plus. Denn der trasszementgebundene Drainagemörtel besitzt eine deutlich reduzierte kapillare Wasseraufnahme im Vergleich zu herkömmlichen Drainagemörteln. Durch eine spezielle Sieblinie und eine optimierte Bindemitteltechnologie erlaubt er die Herstellung von wasserdurchlässigen und gebundenen Bettungsschichten mit einem Hohlraumgehalt von 20 Prozent. Gerade bei verfärbungsempfindlichen Natursteinen bringt er einen großen Vorteil: Er leitet das Wasser nicht nur schnell weiter sondern wirkt auch gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit und beugt so Ausblühungen und Fleckenbildungen vor.

Schnelle Trocknung

Dieser Systemaufbau bringt es mit sich, dass feuchte Natursteinplatten schnell wieder abtrocknen. Das reduziert die Gefahren, die sich durch gefrierende Nässe oder Frost-Tau-Wechsel Belastungen für die Steine ergeben können.
Für die großen Treppenbereiche, die von der Hochterrasse hinab in den Park leiten, wurden Blockstufen verwendet. Die beschriebene Kombination aus Flächendrainage und Drainagemörtel schützt auch diese Stufen vor Feuchtigkeit. Verlegt wurden die Drainageschichten hier aber auf einem schräg betonierten Untergrund. Diese Lösung erforderte zwar einen erhöhten Bedarf an Drainagemörtel, sorgt aber nun dafür, dass in den Stufenbelag eindringendes Sickerwasser unmittelbar bis zur Abdichtung abgeleitet und von dort wegen des starken Gefälles schnell abgeführt wird. Ergänzt wird das System durch passendes Zubehör wie Ablaufrinnen, Profile und Abdichtungsbahnen.

Auslegen der großformatigen Basaltlava-Platten.
Die großformatigen Basaltlava-Platten stammen größtenteils aus den 1970er Jahren. Nur ein kleiner Teil der Platten ist über 200 Jahre alt.

Langfristig geschützt

Acht Millionen Euro hat das Bundesland Nordrhein-Westfalen investiert, um die über 2.000 qm große Fläche dauerhaft zu sanieren. Das Ziel wurde erreicht, ein umfassendes System bewahrt die historische Bausubstanz nun langfristig vor eindringender Feuchtigkeit, ohne dass die Terrassenanlage dabei ihren ursprünglichen Charakter verloren hätte. Die Terrassenplatten konnten dabei soweit wie möglich wiederverwendet werden. Sie sind durch den Einsatz des Trass-Drainagemörtels für die Zukunft weitgehend vor Verfärbungen geschützt. Das UNESCO Weltkulturerbe ist gut gerüstet, um die über 90.000 Besucher zu empfangen, die jedes Jahr nach Brühl kommen, um sich Schloss und Parkanlage anzuschauen. bi