Fertigpumpwerke: In 72 Stunden betriebsbereit

FÜRTH/MÜHLSTETTEN, 08.05.2014 – Was im privaten Wohnungsbau lohnt, wird auch im Ingenieurbau vorteilhaft sein. Das dachten sich der Pumpenhersteller Caprari und das Bauunternehmen Fuchs Ingenieur Beton. Seit zehn Jahren ist das Konsortium auf Pumpwerke in Fertigbauweise spezialisiert.

Kurz vor der Auslieferung: Das Pumpwerk, ein monolithischer Betonbehälter mit betriebsbereit installierter Pumpentechnik,  wird bei Fuchs-Beton auf den Tieflader geladen.

Zeitersparnis ist ein wichtiger Faktor im Baugeschäft. Wenn es um kraftvolle Pumpwerke zum Beispiel zur Regenwasserentsorgung oder zum Hochwasserschutz geht, wollen Caprari und Fuchs damit auftrumpfen. Die Anlagen sollen in 72 Stunden betriebsbereit sein. „In konventioneller Bauweise mit Ortbeton oder Schachtringen würde es real mehrere Wochen dauern“, sagt Udo Seelmann von Caprari in Fürth. Natürlich seien Vorarbeiten wie Ausschachtung und Fundamentlegung nötig. Doch selbst damit ließe sich die mächtige Projektaufgabe innerhalb kürzester Zeit abhaken. Fertigpumpwerke böten Terminsicherheit und würden etwaige Folgebauabschnitte zeitlich nicht gefährden, so Seelmann. „Ein echter Erfolgsfaktor für die Verantwortlichen“.

Termintreue schafft Projektsicherheit
 
Für den Gebäudepart ist die Fuchs Ingenieur Beton GmbH aus Röttenbach-Mühlstetten verantwortlich. Das Unternehmen ist Teil der Fuchs-Gruppe, die im Hoch- und Tiefbau breit aufgestellt ist. Mehrere hundert Pumpenanlagen in Nass- und Trockenaufstellung errichten die rund 450 Beschäftigten im Betonverbund (Standorte Mühlstetten, Zeithain, Dorsten, Dormagen) pro Jahr. 80 Millionen Euro setzt das Unternehmen mit diesen und anderen Bauten im Betonfertigteilbereich jährlich um.

Die DN400-Leitung wird aus dem Pumpenraum zum Auslauf herausgeführt.
Fertigpumpwerke sind für Fuchs Routine, wenn auch anspruchsvoll. Anders auf der Auftraggeberseite: „Klassischerweise wird noch in Einzelgewerken gedacht und geplant, die parallel oder nacheinander durchgeführt werden“, teilt Stephan Weingart als verantwortlicher Produktbereichsleiter bei Fuchs mit. „Dabei begünstigt gerade diese Vorgehensweise Verzögerungen und Mehrkosten, wenn es an einer Stelle hakt“. Und dies könne man bei keinem Projekt ausschließen, so Weingart, da es immer schwieriger sei, einzelne Gewerke mit verschiedenen Ansprechpartnern zu koordinieren.
Die Pumpwerke werden zu großen Teilen im Werk vorgefertigt, dort mit der gesamten Pumpentechnik inklusive Rohrleitungen und Armaturen ausgestattet, auf einwandfreie Funktion getestet und dann segmentweise mit Tieflader und Spezialkran zum Aufstellort gebracht, wo sie zusammengesetzt werden. Als Voraussetzung muss dort lediglich eine vorbereitete Baugrube mit Bodenplatte, eine geeignete Baustellenzufahrt und ein befestigter Kranstellplatz vorhanden sein. „Drei Tage später steht das Gebäude und die Pumpen können den Betrieb aufnehmen“, attestiert Seelmann. Der sorgfältige Einbau der Technik in sauberen, beheizten und trockenen Werkhallen sei qualitativ in keiner Weise mit der konventionellen Baupraxis vor Ort vergleichbar.
Blick in den monolithischen Pumpenbehälter: Die Treppe verbindet ihn mit der Steuertechnik im darüber liegenden Geschoss.
Saubere Installation im Trockenen
 
Was heute bereits möglich ist, zeigt ein erst kürzlich errichtetes zweigeschossiges Pumpwerk für das Oberflächenwasser eines Flughafenzubringers. Das Untergeschoss als monolithischer Behälter aus Stahlbeton der Festigkeitsklasse C35/45 mit 25 cm Wandstärke: fugenlos, dauerbeständig und absolut dicht. Dort befindet sich die werksseitig komplett installierte Pumpenanlage. Die Steuertechnik kommt in das aus einzelnen Wandelementen errichtete Erdgeschoss, darüber ein flaches Satteldach.
Das Gebäude misst inklusive Einlaufbauwerk als Pumpensumpfschacht 6,0 x 6,25 m in der Grundfläche bei einer Höhe von 7,76 m. Das kleinere Auslaufbauwerk mit 3,64 x 1,5 m ist seitlich angegliedert. Die in vielen Pumpwerken wie auch diesem eingesetzten verzopfungsfreien Abwasserpumpen des Typs Caprari KKCD200N sind in Reihe geschaltet. Mit je 5,5 KW Motorleistung bewegen sie im Dreierverbund 1.134 m3 Wasser pro Stunde. Die einstufigen Pumpen mit Normmotoren (IE2, IE3 und IE4 möglich) sind für den Nonstop-Betrieb ausgelegt. Ihre Zuverlässigkeit haben sie bereits viele Hunderte Mal unter Beweis gestellt.
Das Erdgeschoss zur Aufnahme der Schaltschränke wird errichtet.
Für mehr als Regenwasser
 
In vielen Pumpwerken pumpen sie lediglich Regenwasser. Gebaut sind sie jedoch für Abwässer im kommunalen und industriellen Einsatzfeld. Im Gegensatz zu anderen sind die Kreisel-Aggregate sehr kompakt, lassen sich horizontal oder vertikal installieren und erzeugen vergleichsweise geringe Vibrationen. Für Servicearbeiten, beispielsweise zur Inspektion von Laufrad und Dichtungen, muss der Pumpenkörper nicht von den Leitungen separiert werden. Getrennt von der Hydraulik angebaut, lässt sich auch der Motor kurzerhand austauschen. Diese Aspekte sollte der Kunde berücksichtigen, wenn Zuverlässigkeit im Vordergrund stünde. Es gäbe auch Behelfslösungen im Markt, die auf trocken aufgestellten Tauchmotorpumpen basierten, so Seelmann.
Überhaupt: Dass die Wartung sicher, schnell und sauber durchgeführt werden kann, ist ein Generalvorteil der Trockenaufstellung. Über 150 Varianten mit Förderleistungen bis 2.000 m3/h, 65 m Förderhöhe und Motorleistungen bis 200 KW umfasst die Baureihe K-Kompakt für Nennweiten DN80 bis DN350. Caprari-Fuchs ist mit Fertigpumpwerken gut ausgelastet. „Für den Kunden zählt am Ende allein der Projekterfolg“, erklären Seelmann und Weingart einstimmig. bi
Das Auslaufbecken ist fertig, im Bild erkennbar der rechteckige Wasserauslass aus dem Pumpwerk. | Alle Fotos: Caprari