Kanalnetz Nassau:

Rohrverlaufsmessung in 3D

KIEL, 16.04.2015 – Bei der Erfassung und Inspektion des Nassauer Kanalnetzes sollte nicht nur der Zustand der Haupt- und Anschlussleitungen ermittelt, sondern auch deren Rohrverlauf mit Breiten-, Längen- und Höhenangaben vermessen werden. Zum Einsatz kam dabei die neue 3D-Technik von IBAK.

Während die Orion 2.8 L Kamera mit Hilfe des Lisy-3-Systems und Spüldüse Phobos 3D durch die Anschlussleitungen gespült wurde, baute sich die Darstellung des Leitungsverlaufs unmittelbar am Bildschirm auf.
In Zimmerschied, einer von 19 Ortslagen der Verbandsgemeinde Nassau, wurde das umfangreiche Projekt gestartet. Über die Kanalisation des kleinen Ortes waren bisher lediglich analoge Bestandspläne vorhanden. Über Anzahl, Zustand und Lage der Anschlussleitungen lagen in den Bauarchiven keine Angaben vor. Um die Anforderungen an eine lagerichtige und geometrisch exakte Erfassung von gekrümmten und verzweigten Leitungsverläufen zu erfüllen, wird der Verlauf der Anschlussleitungen in einem Arbeitsgang mit der optischen Inspektion erfasst. Zur elektronischen Vermessung der Leitungsverläufe wurde die neueste 3D-Technik der IBAK Helmut Hunger GmbH & Co. KG eingesetzt.
 

Aufzeichnung in nur einem Arbeitsgang

Ausgehend vom Hauptkanal wurden mit dem lateralen Inspektions- und Vermessungssystem 3D-GeoSense die Untersuchung und Aufzeichnung des Rohrverlaufs in nur einem Arbeitsgang vorgenommen. Die parallel zur Rohrachse ausgerichtete Dreh- und Schwenkkopfkamera konnte zügig in den vielfach gekrümmten Anschlussleitungen vorgeschoben werden.
Die Ermittlung der xyz-Koordinaten des Leitungsverlaufs erfolgte zuweilen während der Vorwärtsfahrt und fallweise während der Rückwärtsfahrt der Kamera. Beide Methoden lieferten unmittelbar einen realitätsgetreuen Lageplan mit Breiten-, Längen und Höhenangaben der zum jeweiligen Zeitpunkt befahrenen Leitung auf dem Monitor im Bedienraum.
Bei Bedarf wurde das Ergebnis der 3D-Verlaufsmessung durch eine zusätzliche hydrostatische Höhenmessung verifiziert. Dabei handelt es sich um eine Methode, die die Höhe von Rohrnetzen mit einer Genauigkeit von ± 1 cm ermittelt. Mit Hilfe eines Drucksensors wird bei diesem Verfahren die im Spülschlauch stehende Wassersäule gemessen. Ist eine zentimetergenaue Erfassung der Höhe relevant für eventuell notwendige Sanierungsmaßnahmen, findet diese Methode Anwendung.
Mit dem 3D-Viewer kann ein ausgewählter Netzbereich aus jedem gewünschten Blickwinkel dreidimensional angezeigt werden.

Ergebnisse: Kamera vermisst exakt auch lange Verläufe

Warum wurde die Leitung nicht auf dem kürzesten Weg in die Hauptleitung entwässert? Hier wird die Bedeutung der Höhenangabe deutlich: Die betreffende Anschlussleitung liegt über einen Meter unter der Hauptleitung, so dass ein Gegengefälle entsteht. Für eine Einbindung auf dem kürzesten Weg müsste das Abwasser nach oben gepumpt werden. Um die zufließende Leitung auf das Niveau der Bezugsleitung zu bringen, wurde diese mit geringerer Neigung verlegt und mündet erst kurz vor dem Schacht in die Hauptleitung.
Darüber hinaus belegt der gemessene Leitungsverlauf von über 73 m, dass die Kamera weit eingespült werden kann und damit auch sehr lange Verläufe exakt vermessen werden können.
Während der laufenden Inspektion und automatischen Vermessung war die Kameraposition jederzeit der sich dynamisch aufbauenden Netzgrafik zu entnehmen. Für den vorliegenden Erfahrungsbericht sollte der Endpunkt des unten abgebildeten Leitungsverlaufes oberirdisch nachvollzogen werden. Die Position der Kamera wurde dazu mit einem Ortungsempfänger lokalisiert und über eine Dreiecksmessung anhand bekannter örtlicher Gegebenheiten bestimmt. Der Schnittpunkt beider Kreise ergibt die mittels Ortungsempfänger bestimmte Kameraposition und entsprach genau dem Kamerastandort, den die Verlaufsmessung auswies. bi
Auszug des Lageplans
Auszug des Lageplans nach Inspektion und Vermessung der ersten Haupt- und Anschlussleitungen. | Abb.: IBAK
Den ausführlichen Erfahrungsbericht lesen Sie in der nächsten Ausgabe der bi-UmweltBau (2/15).