Kanalerneuerung in Osnabrück:

Mit wenig Platz durchs Wohngebiet

OSNABRÜCK, 22.01.2015 – Auf den ersten Blick wirkte die Kanalerneuerung in der Kornstraße eher unkompliziert. Aber wie so oft steckte bei näherem Hinsehen der Teufel für Planung und Ausführung im Detail. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – sowohl für die Stadtwerke Osnabrück als auch für die Anlieger.

Hier erfolgte eine provisorische Anbindung des neuen an den alten Regenwasserkanal.
Von Artur Graf zu Eulenburg  

Die rund 450 Meter lange Kornstraße in Osnabrück ist dicht bebaut mit Mehrfamilienhäusern, etwa 600 Haushalte sind hier angesiedelt. Das Entwässerungssystem besteht aus zwei Schmutzwasserleitungen und einem Regenwasserkanal. An einen 100 Jahre alten Schmutzwassersammler aus Steinzeugrohren DN 250 sind die anliegenden Häuser angeschlossen. Im Jahr 1978 wurde zusätzlich eine Schmutzwassertransportleitung DN 400 ebenfalls aus Steinzeug gebaut. Sie entwässert die hinterliegenden Stadtteile. Hinzu kommt ein ebenfalls 100 Jahre alter Regenwasserkanal DN 1000 aus Beton.
Die Kamerabefahrung der genannten Entwässerungskanäle ergab im Jahr 2011, dass die Schmutzwasserleitung DN 250 Risse, Scherbenbildung und somit erhebliche Mängel aufwies. Die Regenwasserleitung zeigte deutlich geringere Schäden, erwies sich jedoch nach den jüngsten Berechnungen und mit Blick auf die zu erwartenden Niederschlagsereignisse als hydraulisch zu gering bemessen.
 
Planen mit Hindernissen
 
Im Jahr 2013 begannen bei den Stadtwerken Osnabrück die Planungen für die Umgestaltung der Entwässerungssituation in der Kornstraße. Dabei sollte der Regenwasserkanal auf DN 1200 vergrößert und für das Schmutzwasser ein nachhaltig dichtes System hergestellt werden. Die Lösung bestand darin, den Regenwassersammler durch einen neuen Kanal aus Betonrohren DN 1200 zu erneuern und die beiden Steinzeugleitungen durch eine neue Leitung aus PE DN 400 zu ersetzen.
Was auf den ersten Blick planerisch recht einfach aussah, erwies sich jedoch bei näherem Hinsehen als komplexer als zunächst gedacht. Eine parallel im Parkstreifen verlaufende und schließlich die Kanaltrasse querende Gashochdruckleitung musste bei der Trassenplanung der neuen Kanäle berücksichtigt werden und schränkte die Platzverhältnisse im Baufeld deutlich ein. Nach Überprüfung der Höhenlagen stellte sich heraus, dass bei Verwendung der normalerweise in Osnabrück verwendeten Kreisprofilrohre mit Fuß für den Regenwasserkanal im Kreuzungsbereich der Gasleitung die erforderliche Überdeckung nicht mehr hätte hergestellt werden können. Im Dialog mit dem Betonwerk Bieren wurde die folgende Lösung entwickelt: Der kritische Bereich sollte mit einem Rechteckquerschnitt gekreuzt werden, um die nötige Überdeckung und den erforderlichen Abstand zur Gasleitung einhalten zu können.
Nachdem dieses Problem planerisch gelöst war, wurde die Gesamtstrecke in zwei Bauabschnitte von jeweils rund 230 Metern Länge unterteilt. Im ersten Bauabschnitt sah die Planung vor, die Kanäle in Doppelbauweise zu erstellen. Der Regenwasserkanal wurde in gleicher Trasse des Altkanals erneuert, der neue Schmutzwasserkanal in der gleichen Baugrube und in der Trasse des ursprünglichen Schmutzwassersammlers DN 250 mit verlegt.
Die Schmutzwasserhausanschlüsse der südlichen Straßenseite mussten den Regenwassersammler unterqueren, um an den neuen Schmutzwasserkanal angeschlossen werden zu können. Aufgrund der geringen Tiefenlage der Anschlussleitungen machte dies bei den ersten vier Häusern Probleme. Beim Schmutzwasser haben sich die Stadtwerke Osnabrück mit dem Ziel eines dichten Kanals nach Abwägung verschiedener Kriterien für ein verschweißtes System aus PE entschieden.
Im Bereich der querenden Gashochdruckleitung wurden Rechteckprofile eingebaut. Rechts der neue Schmutzwasserkanal DN 400 aus PE.
Im zweiten Bauabschnitt war das Arbeiten in Doppelbauweise nicht mehr möglich. Ein zu geringer Abstand zwischen dem alten Regenwasserkanal und den im südlichen Parkstreifen verlaufenden Versorgungsleitungen verhinderte die Erneuerung des Regenwassersammlers in gleicher Trasse. Die Planung ergab, zunächst den neuen Schmutzwasserkanal in neuer Trasse in ca. 6 Meter Tiefe nördlich der Hochdruckgasleitung zu verlegen. Die alte Schmutzwassertransportleitung blieb dabei weiterhin in Betrieb. Dadurch konnte auch in diesem Bauabschnitt auf eine aufwändige Wasserhaltung verzichtet werden. Nach Umschluss des neuverlegten Schmutzwasserkanals DN 400 an das bestehende Schmutzwassernetz bestand dann die Möglichkeit, den Regenwasserkanal DN 1200 in der Trasse der alten Transportleitung neu zu verlegen.
 
Erstmals Flüssigboden in Osnabrück
 
Auf der Südseite der Kornstraße wurden im Geh- und Parkstreifen sehr verdichtet verlegte Bündel von Versorgungsleitungen angetroffen. Hier entstand bereits in der Planungsphase die Fragestellung, ist ein fachgerechtes Verfüllen/Verdichten der Baugrube durch den späteren Unternehmer überhaupt möglich? Die Antwort lautete nach Sichtung aller Versorgungspläne: nein. „Dies war für uns der Anlass, uns intensiver mit der Thematik Verfüllung mit flüssigem Verfüllbaustoffe zu befassen. Nach Sichtung verschiedener Unterlagen, haben wir uns entschlossen, die Hausanschlüsse auf der Südseite mit RRS Flüssigboden zu verfüllen“, erläutert Daniela Fiege, Leiterin der Bauüberwachung Entwässerungsnetze/-anlagen bei den Stadtwerken Osnabrück. Nach Fertigstellung der ersten Anschlüsse waren Auftraggeber, Ingenieurbüro und Baufirma vom Ergebnis überzeugt. Das Verfahren wurde schließlich für alle südlich anschließenden Hausanschlüsse genutzt.
 
Gemeinsam geht es besser
 
Die Bauphase brachte natürlich für die Anlieger erhebliche Beeinträchtigungen mit sich. Zur konfliktarmen Umsetzung dieser Maßnahme trug nicht zuletzt die Kommunikationsstrategie der Stadtwerke Osnabrück bei. „Wir informieren die Anlieger bereits im Vorfeld einer solchen Maßnahme frühzeitig und ausführlich. Darüber hinaus pflegen wir auch während der Bauzeit den Kontakt. Wir wollen ihnen den Eindruck vermitteln, dass wir bei allen unvermeidbaren Beeinträchtigungen deren Anliegen und Interessen ernst nehmen. Dieses Gefühl und die Sensibilität für ein kooperatives Miteinander versuchen wir auch unseren Auftragnehmern zu vermitteln“, betont Daniela Fiege.
Kooperatives Miteinander gilt auch mit Blick auf den Straßenbaulastträger. Dieser wurde bereits frühzeitig in die Planung einbezogen, um dessen Anforderungen in der Gesamtmaßnahme angemessen berücksichtigen zu können. Im Ergebnis führte dies zu bürgerfreundlichen Lösungen. So wurden Hochborde in Rundborde umgewandelt, die den Anwohnern verbesserte Parkmöglichkeiten eröffnen, und der Einmündungsbereich verkehrsfreundlicher umgestaltet.
Im Ergebnis bekommen die Anwohner ein intaktes Entwässerungssystem unter der Erde und über der Erde eine neue und gegenüber dem Ausgangszustand deutlich verbesserte Straße.
Im Ergebnis der Baumaßnahme erhalten die Anwohner nicht nur eine dichte und den Anforderungen angepasste Entwässerungsinfrastruktur, auch über der Erde verbessert sich der Zustand des Wohnumfeldes. | Fotos: Stadtwerke Osnabrück
Den ausführlichen Bericht lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der bi-UmweltBau.