Höhere Ertragskraft durch gestraffte Unternehmensabläufe

STUTTGART, 18.10.2016 – Unternehmensberater Alexander Tockuss stellte auf der letzten Regionalversammlung der Landschaftsgärtner aus der Region Stuttgart verschiedene Möglichkeiten zur Verbesserung der Ertragskraft vor. GaLaBauer Jörn Schmitt konnte seine Ertragskraft bereits erfolgreich erhöhen. 

Unternehmensberater Tockus und GaLaBauer Schmitt
Unternehmensberater Alexander Tockuss (re) begleitet GaLaBau-Unternehmer Jörn Schmitt (li) nun schon seit ein paar Jahren mit Erfolg. | Foto: Petra Reidel

Welcher Unternehmer wünscht sich nicht, Investitionen aus dem freien Cash-Flow und Prämien an die Mitarbeiter bezahlen zu können, und zwar alles ohne Kredit. Vorstellungen, die für Alexander Tockuss, betriebswirtschaftlicher Berater und seit mehr als 10 Jahren Geschäftsführer der RWT Unternehmensberatung GmbH in Reutlingen, mit wenigen konkreten Maßnahmen erfüllbar sind. Als Basis nennt er Klarheit und Transparenz im Zahlenwesen des Betriebes, wozu eine monatliche Ergebnisermittlung durch BWA, Abgrenzungen und Abschreibungen sowie die Erfassung der Leistungen halbfertiger Baustellen zählen. Zusammen mit einer konsequenten Nachkalkulation lässt sich so ein Unternehmer-Cockpit „bauen", das rasch den notwendigen Überblick bietet.

Auf den Einkauf achten

Auch der Einkauf ist keine unwichtige Nebentätigkeit sondern ein probates Mittel, durch gut vorbereitete Lieferantenverhandlungen seinen Gewinn innerhalb weniger Minuten um stattliche Summen zu steigern. Ebenfalls sehr hilfreich sei es, den Mitarbeitern Ertragsdenken beizubringen und ihnen auch einmal vorzurechnen, was eine Produktivitätserhöhung von fünf Prozent dem Betrieb tatsächlich bringt. Weitere Akzente lassen sich beim Auftragsmanagement setzen. Hier empfiehlt Tockuss die kleinen Aufträge direkt beim Kunden zu schreiben und diese auf keinen Fall in den großen betrieblichen Ablauf zu integrieren, da sie nur den Durchsatz verstopfen.

Organisationsablauf straffen

Im betrieblichen Organisationsablauf verstecken sich ebenfalls jede Menge gewinnbringende Verbesserungsmöglichkeiten: Beispielsweise kann abgesprochen werden, dass jeden Tag bis 15.00 Uhr die Disposition für den nächsten Tag beim Chef oder Bauleiter liegen muss. Wird abends nicht nur abgeladen, sondern auch gleich wieder aufgeladen, kommen alle Kolonnen morgens früher und zügiger vom Betriebshof. „Ein sehr wichtiger Punkt ist die gute Baustellenvorbereitung. Dazu gehört, die Bauakte rechtzeitig an den Vorarbeiter zu übergeben und die Baustelle gemeinsam zu besprechen. Bei großen Baustellen hilft eine Besichtigung zusammen mit dem Bauleiter und dem Vorarbeiter. Wenn der Vorarbeiter am Wochenende die Bauakte studiert, ist es nur gerechtfertigt, ihm diese Arbeitszeit auch zu entlohnen", schlägt Tockuss vor. „Liquidität ist die Luft zum Atmen für den Betrieb", so der Berater, der dringend rät, Vorauszahlungen von Privatkunden zu fordern, ein wöchentliches Mahnwesen einzuführen, aber auch die Zahlungsziele bei den Lieferanten auszudehnen.

Positive Erfahrungen

Im eigenen Betrieb ausprobiert und auf den tatsächlichen Erfolg getestet hat dies alles Jörn Schmitt, GaLaBau-Unternehmer aus Hirschberg-Leutershausen. „Ich war mit meinen 25 Mitarbeitern und einem Blutdruck von 200 voll im Hamsterrad", erinnert sich Schmitt, der sich damals Hilfe beim Unternehmensberater Klaus Wolf, dem Vorgänger von Alexander Tockuss holte. „Nach dem zweiten Treffen und einer Reihe von Mitarbeitergesprächen hatte ich fünf Namen auf einer Liste stehen und die Aufgabe, mich von diesen Mitarbeitern zu trennen, damit der Laden wieder läuft. Gesagt getan und es funktionierte wirklich", so Schmitts Erfahrung.

Monatliches Durchleuchten

Mittlerweile berät ihn Alexander Tockuss und Schmitt durchleuchtet monatlich seine aktuellen Zahlen. „Selbst die längeren Zahlungsziele und höheren Skontobeträge konnten wir bei unseren Lieferanten durchsetzen und sogar die Nachverhandlungen funktionieren", freut sich der Unternehmer. „Der Fehler liegt oft am Anfang, deshalb ist bei unseren neuen Baustellen von vorne herein klar, welche Maschinen und Materialien am ersten Tag mit müssen. Donnerstagnachmittag ist Teamsitzung, hier wird der Wochenplan für die kommende Woche festgelegt und der Termin für größere baustellentechnische Herausforderungen findet jede Woche Montag um 14.00 Uhr statt", ergänzt Schmitt. Bei der Nachkalkulation ist er oft ein bisschen nachlässig, verrät der Unternehmer, der seinen Mitarbeitern sogar die An- und Abfahrtszeiten bezahlt.

Aktuelles aus der Konjunkturumfrage

Im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg sind zurzeit 730 Mitgliedsbetriebe organisiert. Die Tendenz ist nach wie vor steigend. Auch die Mitgliederzahl in der Region Stuttgart hat sich mit insgesamt 226 Betrieben weiter nach oben entwickelt. Die aktuelle baden-württembergische Konjunkturumfrage ergab einen durchschnittlichen Auftragsbestand von 11 Wochen im Neubau und acht Wochen in der Pflege. Die derzeitige Situation in den Betrieben bekam die Schulnote 2,0, die konjunkturelle Zukunft bewerteten die Unternehmer mit einer 2,3 und somit um 0,1 besser als im letzten Jahr. Mussten im Jahr 2009 noch ca. 12 Angebote zur Erlangung eines Auftrages bei öffentlichen Submissionen abgegeben werden, so reichen hierfür mittlerweile acht. Der Aufwand bei beschränkten Ausschreibungen liegt aktuell bei fünf und der für freihändige Angebote bei drei Stück pro erteiltem Auftrag. Die Betriebsergebnisse gemessen am Umsatz im bundesweiten Kennzahlenvergleich haben sich durchschnittlich auf über vier Prozent verbessert. Dennoch sieht es der Berufsverband weiterhin als wichtige Aufgabe an, die Betriebe durch Impuls-Seminare und Erfa-Gruppen zu schulen und zu unterstützen. bi