Partikelfilter verliert seinen Schrecken

KIEL, 26.10.2016 – Immer mehr Kommunen verlangen Dieselpartikelfilter auf innerstädtischen Baustellen. Viele Bauunternehmen wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen oder sind überfordert bei der Wahl des richtigen Filters. Thomas Paulig, Verkaufsleiter für Abgasnachbehandlung bei Thoben Filtertechnik, berät Kunden und nimmt ihnen die Angst vor dem Thema.

Eminox-Partikelfilter an einem Sennebogen-Seilbagger
Installation auf dem Oberwagen: Bei leistungsstarken, großvolumigen Motoren kann ein Doppelfiltersystem nötig sein. Ist im Motorraum kein Platz, weicht man – unter Einhaltung der Transportabmessungen und in Absprache mit dem Kunden – auf den Oberwagen aus.
Thomas Paulig, Thoben Filtertechnik
„Die Schlinge zieht sich langsam zu.“ –
Thomas Paulig, Verkaufsleiter für Abgas-
nachbehandlung bei Thoben Filtertechnik,
warnt vor Untätigkeit in der Filterfrage. |
Fotos: Thoben

bi-BauMagazin: Warum sollten Bauunternehmen ihre Baumaschinen mit Dieselpartikelfiltern nachrüsten? Noch ist der doch keine Pflicht!

Paulig: „Das ist eine sehr häufig gestellte Frage. Im Moment ist es so, dass es in Berlin und Bremen schon Regelungen für Dieselpartikelfilter in Umweltzonen gibt. Das Land Baden-Württemberg zieht nach. In immer mehr Ausschreibungen für Baustellen werden Dieselpartikelfilter gefordert. Somit zieht sich die Schlinge langsam zu.
Man sollte zumindest schauen, dass man vorbereitet ist. Denn der Dieselpartikelfilter kann nicht wie ein Ölfilter gehändelt werden: Bestellen, reinschrauben, fertig geht leider nicht. Bei einem Dieselpartikelfilter ist umfangreiche Vorarbeit unabdingbar, um perfekte Ergebnisse zu erzielen. Und genau auf die ausführliche Vorarbeit legen wir großen Wert. Wir möchten unseren Kunden die Dieselpartikelfilter näher bringen und ihnen zeigen, dass es mit dem richtigen Partner an der Seite gar nicht so schlimm ist.“

bi-BauMagazin: Was kostet so ein Partikelfilter inklusive Einbau?

Paulig: „Das ist seit Jahren die Frage aller Fragen! Und auch immer noch ist diese sehr schwer zu beantworten. Jede Maschine ist individuell auszulegen. Sogar baugleiche Maschinen werden anders genutzt, daher lässt sich nicht einfach eine „Faustregel“ anwenden. Ein fest eingebauter Dieselpartikelfilter, der den Schalldämpfer ersetzt, liegt zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Die mobilen Wechselfiltersysteme liegen zwischen 2.000 und 6.000 Euro. Dies ist jeweils abhängig von der Maschinen- bzw. Motorengröße sowie der Nutzung der Maschine. Dies wird aber im Vorfeld genau von uns geprüft. Mitglieder der BG Bau können sich einen Dieselpartikelfilter fördern lassen. Auch hierfür stehen wir Anwendern mit Rat und Tat zur Seite.“

bi-BauMagazin: Der Filter ist doch bestimmt sehr wartungsintensiv. Müssen Anwender lange Stillstandzeiten befürchten? Was ist, wenn der Filter kaputt geht?

Paulig: „Wie eigentlich fast jedes Teil an einer Baumaschine muss auch der Filter gewartet werden. Die Wartung des Dieselpartikelfilters ist alle 1.000 Betriebsstunden oder einmal jährlich fällig. Zusammen mit unseren Herstellern und Einbaupartnern haben wir ein ausgeklügeltes Wartungskonzept entwickelt, wodurch die Wartung des Dieselpartikelfilters nur circa eine Stunde in Anspruch nimmt. Diese kann durch einen unserer Einbaupartner oder oftmals auch durch die maschinenbetreuende Firma durchgeführt werden.“
Eminox-Partikelfilter in Komatsu-Bagger
In diesem Komatsu-Kettenbagger wurde
der Dieselpartikelfilter anstelle des Original-
Schalldämpfers verbaut. Der Einbau erfolgt
durch verschiedene Servicepartner, hier zum
Beispiel durch den Hersteller Eminox selbst.

bi-BauMagazin: Verlieren die Maschinen nicht Leistung durch den Filter?

Paulig: „Bei der Auslegung der Dieselpartikelfilter halten wir uns immer an die maximalen zulässigen Gegendrücke der Motorenhersteller. Ebenso fließt in die Auslegung der Hubraum, die Motorleistung, der Abgasvolumenstrom sowie die Nenndrehzahl mit ein. Somit entsteht durch den Einsatz unserer Dieselpartikelfilter kein Leistungsverlust. Ebenso entsteht kein Kraftstoffmehrverbrauch. Durch unser umfangreiches Lieferprogramm von diversen Herstellern haben wir die Chance, jeden Kunden und jede Maschine individuell zu behandeln.“

bi-BauMagazin: Kann ich die Maschine mit DPF genauso einsetzen wie ohne Filter, oder muss ich beim Arbeiten vieles beachten?

Paulig: „Genau das ist unser Ziel! Durch Messungen, die durch uns im Vorfeld durchgeführt werden, und intensive Gespräche mit dem Betreiber möchten wir gewährleisten, dass es keine Beeinflussung durch den Filter gibt. Die erforderlichen Messungen im Vorfeld kosten natürlich auch Zeit, so dass der Einbau eines Dieselpartikelfilters in Ruhe geplant werden sollte. Während der Messungen halten wir den Kunden natürlich stetig auf dem aktuellen Stand der Dinge. Wenn sich der Fahrer auf die Maschine setzt und ihm nicht auffällt, dass ein Dieselpartikelfilter verbaut ist, haben wir alles richtig gemacht.“

bi-BauMagazin: Kann ich den Filter wieder ausbauen, wenn ich ihn nicht mehr brauche?

Paulig: „Grundsätzlich ja. Bei einem fest installierten System ist es aber schwer, den Dieselpartikelfilter wieder abzubauen, da jedes System individuell angepasst wird und hierfür auch oftmals die Abgasverrohrung geändert werden muss. Bei den Wechselfiltersystemen ist das natürlich einfacher, da diese nur an den Schalldämpfer angesteckt werden.“

bi-BauMagazin: Wie verhalten sich Maschinen mit Filter beim Wiederverkaufswert?

Paulig: „Ich bin der festen Überzeugung, dass Dieselpartikelfilter den Wiederverkaufswert steigern werden. Man sieht es ja heute schon bei den Pkw: Dieselfahrzeuge ohne Dieselpartikelfilter mit einer gelben oder gar roten Plakette sind heute nicht mehr gefragt und für wenig Geld zu haben. Fahrzeuge mit einer grünen Plakette sind da deutlich teurer. So wird es sich auch bei den Baumaschinen verhalten. Gerade im Gebrauchtmaschinensegment wird es ein Thema werden. Da in Zukunft immer mehr Dieselpartikelfilter gefordert werden, gehe ich davon aus, dass auch immer mehr Gebrauchtmaschinen mit Dieselpartikelfilter gesucht werden.“

Das Interview führte Hendrik Stellmach.