Gewagtes Projekt: Riesen-Liner unterquert die Weichsel

LANDAU, 25.10.2016 – Einen GFK-Schlauch DN 1500 auf 280 Meter in einer Installation unter einem Fluss einzubauen, erschien zu Anfang allen Beteiligten als zu gewagt. Die Durchführung eines solchen Projektes wurde bis dato weltweit noch nicht realisiert. Nun wurde für die Unterquerung der Weichsel in Krakau eine Lösung gefunden.

Von Dipl.-Ing. (FH) Wendelin Böhne, Brandenburger Liner GmbH & Co. KG

Sanierungsstrecke unter der Weichsel
Verlauf der Sanierungsstrecke unter der Weichsel
Das Abwasser der 760.000 Einwohner zählenden zweitgrößten Stadt Polens muss vom gesamten Stadtgebiet einmal die Weichsel unterqueren, um der Abwasserbehandlung zugeführt werden zu können. Hierfür steht unter anderem ein über 60 Jahre altes Bauwerk zur Verfügung, welches über vier Dükerleitungen das Abwasser ableitet. Hier sollte aufgrund von bekannten Korrosionsschäden eine Sanierung durchgeführt werden. Das schlüssige Sanierungskonzept, welches von P.P.H.U. AKWA aus Zabrze und der Brandenburger Liner GmbH & Co. KG aus Landau ausgearbeitet wurde, überzeugte letztendlich die Krakauer Wasserwerke, so dass die Sanierung der ersten Dükerleitung beauftragt wurde.


GFK-Schlauch von 280 m Länge nötig


Verkehrstechnisch gab es keine allzu großen Hürden zu überwinden, Ober- und Unterhaupt befinden sich in einem abgelegenen Bereich, somit war störungsfreies Arbeiten gewährleistet. Allerdings gab es ausführungstechnisch einige diffizile Punkte, welche von den Experten beider Firmen gemeinsam gelöst werden mussten. Bei einem Verschmutzungsgrad von bis zu 80 % konnten die restlichen 20 % Abwasser unkompliziert von den drei verbliebenen Ableitungen übernommen werden. Einen sehr genauen Aufschluss über die herzustellenden Abmauerungen gaben die noch im Detail vorliegenden Planungsunterlagen aus dem Jahre 1949. Das Reinigen des Großprofiles nahm alleine zwei Monate in Anspruch, da die Zugänglichkeit über die 8 m und 10 m tiefen Schächte sehr eingeschränkt war. Erst danach konnte die detaillierte Bestandserfassung des Altrohres erfolgen, und Projektingenieur Piotr Grawzyn von P.P.U.H. AKWA konnte die erforderlichen Vorarbeiten sowie die genaue Dimensionierung des auf der neuen Produktionsanlage der Firma Brandenburger zu fertigenden GFK-Schlauches durchführen. Die statischen Berechnungen ergaben eine erforderliche Verbundwandstärke von 9,8 mm bei einem Durchmesser von 1.500 mm sowie einer Länge von 280 m. Eine solche Größenordnung war bis dato noch nie realisiert worden.
Einzug des Liners über ein Förderband
Der Brandenburger Liner wird über ein Förderband eingezogen.

Brandenburger baut 26-Tonnen-Liner BB2.5 ein


Nachdem weitere umfangreiche Vorarbeiten an Ober- sowie Unterhaupt geleistet wurden, konnte Mitte August der Spezialtransport mit dem 26 Tonnen schweren Liner an der Einbaustelle positioniert werden.
Die Firma Brandenburger reiste mit drei Anwendungstechnikern, ihrer großen UV-Anlage sowie dem entsprechenden Förderband an. Die größte Hürde, die es zu bewältigen gab, war die Aushärtung über einen solch langen Installationsabschnitt; hierfür wurde die Miet-UV-Anlage im Vorfeld entsprechend umgerüstet. Der mit zusätzlichem Außenschutz (ZA) gelieferte BB2.5 wurde, um die Reibungskräfte so gering wie möglich zu halten, über eine Gleitschutzfolie sowie kontinuierlicher Zugabe von Gleitmittel innerhalb von nur 30 Minuten eingezogen. Die tiefen engen Schächte, die das Setzen der Spezialpacker nicht gerade vereinfachte, waren ein weiterer Knackpunkt. Hier konnte die schon für andere Baustellen entwickelte spezielle Einbauschleuse sowie das baustellenspezifische Hebewerkzeug wiederum erfolgreich eingesetzt werden. Die Aushärtung erfolgte über einen Doppelkern mit 12 x 1.000 Watt. Aufgrund der hohen Transparenz des BB2.5 konnte eine Aushärtegeschwindigkeit von 0,6 m/min realisiert werden, so dass die Aushärtung nach acht Stunden erfolgreich beendet wurde.
Blick in den Einzugsschacht während des Einbaus | Fotos: Brandenburger Liner

Mehrere Faktoren führen zum Erfolg


Bei Projekten dieser Größenordnung liegen die Risiken hinsichtlich Dimension, Länge und letztendlich auch des finanziellen Volumens in einer ganz anderen „Dimension“. Erst durch den BB2.5 sowie die neue Produktionsanlage der Brandenburger Liner GmbH & Co.KG, auf der bis zu einer Dimension von DN 1600 gefertigt werden kann, ließ sich ein solches Großprojekt realisieren. Hier zeigte sich wieder einmal, dass eine intensive und detaillierte Planung, ein speziell auf die Baustellenbedürfnisse abgestimmtes Equipment, ein sehr gut zusammenarbeitendes Team, verbunden mit höchster Produktqualität, der Schlüssel zum Erfolg ist.
Trotz der hohen Anforderungen an Beteiligte, Material und Equipment konnte der reine Sanierungspart innerhalb von 17 Stunden durchgeführt werden. Dadurch wurde nicht nur die Funktionsfähigkeit des Dükers wiederhergestellt, sondern auch eine nachhaltige, auf jahrzehntelangen Betrieb ausgelegte Lösung schnell und wirtschaftlich umgesetzt.
Die Verantwortlichen der Krakauer Wasserwerke zeigten sich bei ihren Besuchen auf der Baustelle beeindruckt darüber, mit welcher Ruhe und Gelassenheit man einen solchen „Weltrekordschlauch“ in ihr Abwassernetz einbaut. Man freue sich schon auf weitere gemeinsame Projekte, denn die drei parallel verlaufenden Leitungen seinen ja genauso in die Jahre gekommen.



Diesen Bericht lesen Sie auch in unserer aktuellen Ausgabe (6/16) der bi-UmweltBau.