Perfektes Naturstein-Pflaster: Wie geht das?

LÖHNBERG, 14.05.2015 – Eine Jahrhunderte alte Bauweise droht in Vergessenheit zu geraten. Dabei ist der Bedarf an hochwertigen Pflasterarbeiten aus Naturstein größer denn je. Werfen Sie einen Blick in unsere Bildgalerie und sehen Sie selbst, warum man auch von Pflasterkunst spricht.

Robert Sikorski bei der Arbeit mit Natursteinen
Natursteinpflasterer mit Passion: Robert Sikorski bei einem aktuellen Pflasterprojekt.. | Fotos: Robert Skiroski
Robert Sikorski
Robert Sikorski gibt Kurse im traditionellen Natursteinpflastern
und setzt sich für die Etablierung dieser alten
Handwerkskunst als Teilausbildung an den einschlägigen
Fachschulen ein. www.forum-pflasterer-steinsetzer.de

Robert Sikorski, Straßenbauer, Pflasterer, Künstler, Autor und Betriebswirt ist Vorsitzender des Vereins Interessengemeinschaft Deutscher Pflasterer und Steinsetzer und blickt auf 37 Jahre praktische Erfahrung mit Natursteinpflasterungen zurück. Die bi-GaLaBau hatte die Gelegenheit ihn nach seinen Tipps und Tricks zu fragen.

bi-GaLaBau: Pflastern von Naturstein hat nach Ihrer Ansicht nichts mit verlegen zu tun. Wie soll man das verstehen?
Robert Sikorski: Stehen Sie bitte einmal auf und setzen sich gemütlich wieder in den Stuhl. Sie merken jetzt, dass sich Ihr Hinterteil an die Gegebenheiten des Sitzplatzes anschmiegt. Genauso ist das Pflastern mit Natursteinen zu verstehen. Der Stein wird mit dem Hammer in das Sandbett hineingetrieben. Erst wenn er sich mit der Unterseite dem Sandbett anpasst, ist er gesetzt. Dabei soll das Bettungsmaterial an den Seiten herausquirlen, so dass der Stein bis zu zwei Drittel gepackt ist, dann sitzt er. Das geht allerdings nur mit Bettungsmaterial mit weicher Konsistenz, also gewaschenem Sand mit 0/2 bis 0/4 Körnung. Mit Brechsanden oder Splitten funktioniert das nicht.

bi-GaLaBau: Welche Bedeutung hat das Wasser beim Pflastern von Naturstein nach altem Vorbild?
Robert Sikorski: Natursteinpflaster ist traditionell eine wassergebundene Decke. Schlemmt man Flächen nach dem Pflastervorgang mit Sand ein, ist folgendes zu beobachten. Das Wasser spült den Feinkornanteil in die Pflasterbettung, wobei der Grobanteil an die Oberfläche gedrängt wird und die Steine dadurch nur vom Feinstanteil umschlossen sind. Man spricht von Korn-Abstufung durch Wasser oder auch von natürlicher Abstufung. Nach diesem Vorgang, wird die Fläche gesäubert. Das anschließend nasse Abrütteln verursacht quasi ein Festsaugen der Steine an den Sand, so dass ein Vakuum entstehen kann. Die Fläche sollte danach mindestens drei bis fünf Tage ruhen, und in dieser Zeit nicht befahren werden.

Von unten nach oben, von innen nach außen

bi-GaLaBau: Eine richtige Natursteinpflasterung sollte immer von einem Tiefpunkt ausgehen, warum?
Robert Sikorski: Es wird laut Pflasterregel prinzipiell immer vom Tiefpunkt zum Hochpunkt gepflastert. Denn wenn man etwa Kleinpflaster von unten nach oben pflastert, drücken die Steine sozusagen den Berg herunter und es entstehen kleine Fugen. Pflastere ich von oben nach unten, entstehen unnötige Fugen, die ich aber vermeiden will.

bi-GaLaBau: Warum kann kein richtiges Pflaster entstehen, wenn von außen nach innen gepflastert wird?
Robert Sikorski: Naturstein wird immer von einem zentralen Punkt nach außen gepflastert. Das gehört zu den Grundlagen des Handwerks. Wird erst der äußere Rahmen gepflastert, wie es leider oft Lehrlingen beigebracht wird, und danach innen mit der Schuppenpflasterung begonnen wird, hängt man nach kurzer Zeit quasi in der Schuppe fest und macht sich seine eigene Arbeit kaputt. Ein solches Vorgehen mag Auszubildenden bei den ersten Schritten eine scheinbare Sicherheit verleihen, ist aber letztlich in der Praxis untauglich.

Niemals ohne Läuferverband

bi-GaLaBau: Warum ist ein Läuferverband immer Pflicht?
Robert Sikorski: Weil ein Läuferverband die Pflasterfläche einrahmt und ihr einen Kontrast verleiht. Leider wird dies heute häufig in der Praxis nicht berücksichtigt.

bi-GaLaBau: Weshalb ist die Reihenpflasterung keine leichte Variante?
Robert Sikorski: Reihenpflaster sollte nur mit bestimmten Steingrößen ab 10/12 cm oder Großpflaster ab 14 cm realisiert werden. Reihenpflaster ist nicht einfach, weil man immer mit Schnüren arbeiten muss. Umso schlechter der Stein, umso enger muss das Geschnürte sein. Die Steine müssen zudem vorsortiert werden und auch beim Pflastern noch einmal sortiert werden. Das alles führt zu einem nicht unwesentlichen Mehraufwand.
bi-GaLaBau: Was sollte ein passionierter Natursteinpflasterer mitbringen?
Robert Sikorski: Zunächst einmal Muße und ein gewisses handwerkliches Geschick. Neben den Grundregeln der Natursteinpflasterns werden noch ein paar mathematische Formeln benötigt. Ansonsten spielt sich alles in der Praxis ab. Jedes Projekt ist immer anders und neu, so dass keine Routine entstehen kann. Das ist auch das Schöne an dem Job. Beim Werkzeug sollte nicht gespart werden. Pflasterhämmer, am besten gut ausgeschmiedete Hämmer, in jeder Größe für Kleinstein, Großstein, Mosaik etc. sind ebenso wichtig wie eine gute Handramme. Man sollte vom Know-how her auch eine Wildpflasterung können, um im Bedarfsfall auch einmal weniger maßhaltige Steine verarbeiten zu können. Das Pflastern von Segmentbogen gilt bundesweit als Nummer Eins. Reihenpflaster mit Großsteinen sollte man ebenfalls können. Die Grundlagen der Schuppenpflasterung sollte man zumindest kennen. Eine Halbschuppe tut es häufig auch und ist gerade für den GaLaBauer ein guter Alternativverband für kleine Fußwege im Garten. bi

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in der bi-GaLaBau 4/2015.