IKT-LinerReport 2016: Nur 5 im 100%-Club

GELSENKIRCHEN, 13.02.2017 – Hervorragende Schlauchliner-Ergebnisse im Durchschnitt, aber nur ein Viertel der Sanierungsfirmen besteht alle Tests durchgehend zu 100%. Vor fünf Jahren war dies nur ein Zehntel. Der Trend zeigt aufwärts.

Von Roland W. Waniek, Dieter Homann und Barbara Grunewald

Schlauchlinertest des IKT
Drei-Punkt-Biegeversuch an Schlauchliner

Zum 13. Mal legt das IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur seinen jährlichen LinerReport vor. Er beruht auf 1.845 Schlauchlinerproben, die im Jahr 2016 auf Baustellen zwecks Qualitätskontrolle entnommen und von der IKT-Prüfstelle für Schlauchliner untersucht wurden.

Datenbasis 2016

In den IKT-LinerReport 2016 fließen die Prüfergebnisse von 22 Sanierungsfirmen ein. Von ihnen lagen dem IKT mindestens 25 Linerproben eines Linertyps von fünf verschiedenen Baustellen vor. Sieben verschiedene Linersysteme wurden von den Firmen eingesetzt, wobei zwei Firmen mit je zwei Systemen vertreten sind. Die Prüfergebnisse werden anhand von vier Kennwerten dargestellt, jeweils differenziert nach Sanierungsfirmen und den von ihnen eingesetzten Linern.
Zwölf Sanierungsfirmen sind in Deutschland tätig, vier in den Niederlanden sowie jeweils zwei in Belgien und Österreich. Eine Firma arbeitet in der Schweiz und eine in der Tschechischen Republik. Die Firma Swietelsky-Faber ist in Deutschland, den Niederlanden und Österreich mit jeweils einer rechtlich selbstständigen Gesellschaft vertreten. Daher werden sie im LinerReport auch als drei unterschiedliche Firmen dargestellt.
In zwei Dritteln der Fälle beauftragten die Bauherren (oder ihre Ingenieurbüros) das IKT direkt mit der Laborprüfung von Linerproben. Lediglich ein Drittel der Aufträge stammte von den Sanierungsfirmen selbst.

Soll-Ist-Analyse

Vier Kennwerte werden für jede Baustellenprobe untersucht: E-Modul, Biegefestigkeit, Wanddicke und Wasser-Dichtheit. Die Ist-Werte werden mit den Soll-Werten aus den DIBt-Zulassungen oder mit eventuell abweichenden Soll-Vorgaben des Auftraggebers verglichen. Die Soll-Werte für die Wanddicken werden anhand statischer Berechnungen festgelegt oder vom Auftraggeber vorgegeben.
Bei der Prüfung der Wasser-Dichtheit für Nadelfilz-Liner gibt es zwei Vorgehensweisen: mit und ohne Einschneiden der Innenfolie. Letztere wird gewählt für Liner, in deren DIBt-Zulassung bzw. in den Niederlanden in deren KOMO-Zertifikat die Innenfolie als integrales und dichtheitswirksames Element bestätigt wird. Dies gilt für alle Nadelfilz-Liner dieses LinerReports. GFK-Liner werden ohne Einschneiden geprüft, sofern sie keine im Kanal verbleibende Innenfolie haben.

Anteil der bestandenen Linerproben im Test des IKT
Anteil Linerproben „100% bestanden“

E-Modul sehr gut

Der E-Modul ist ein Kennwert für die Tragfähigkeit von Linern. Mit 98,9% liegt der Durchschnittswert bestandener Prüfungen nur unmerklich unter dem Vorjahreswert von 99,1%. Die meisten Firmen erreichen hier sehr gute Ergebnisse, dreizehn bestehen sogar alle Prüfungen zu 100%. Allerdings schneiden fünf Firmen schlechter ab als im Vorjahr.

Biegezugfestigkeit schwächer

Bei der Biegezugfestigkeit – das ist der Punkt, an dem ein Liner wegen zu hoher Spannung versagt – liegt der Durchschnittswert bestandener Prüfungen um 0,9 Prozentpunkte (%P) niedriger als im Vorjahr. Mit 98,4% bleibt der Durchschnitt jedoch weiterhin auf einem erfreulich hohen Niveau. Insgesamt 16 Firmen erzielen dabei Prüfergebnisse von 100% bestanden und drei Firmen liegen unter ihren Vorjahreswerten.

Wanddicke verbessert

Von den vier Prüfkriterien weist die Wanddicke traditionell die schwächsten Prüfergebnisse auf. So auch im Jahr 2016, in dem durchschnittlich 96,2% der Linerproben bestanden haben – immerhin eine kleines Plus von 0,8 %P gegenüber dem Vorjahr. Sieben Firmen bestehen hier alle Prüfungen zu 100%. Allerdings ist die Spannweite zwischen dem besten und dem schlechtesten Prüfergebnis hier am höchsten, sie beträgt 23 %P.

Liner sind wasserdicht

Der Durchschnittswert des Prüfkriteriums Wasser-Dichtheit liegt in 2016 bei 99,1% (+0,5 %P) und nähert sich damit der 100-Prozent-Marke. Vierzehn der betrachteten Firmen gelingt es, diesen Höchstwert zu erreichen und bei allen Linerproben zu 100% zu bestehen. Lediglich drei Firmen verschlechtern sich verglichen zum Vorjahr. Alles in allem zeigen die Prüfergebnisse des Jahres 2016, dass Schlauchliner wasserdicht sind.

Alle Liner, die sämtliche Tests bestanden haben
Der „100%-Club“

Sanierungsqualität 2016

Der IKT-LinerReport des Jahres 2016 zeigt, dass sich Schlauchlining mittlerweile zu einem sehr ausgereiften Sanierungsverfahren entwickelt hat. Die Prüfergebnisse der vier zentralen Kriterien E-Modul, Biegezugfestigkeit, Wanddicke und Wasser-Dichtheit erreichen ein sehr hohes Niveau, sowohl in der Betrachtung nach Sanierungsfirmen als auch nach Linersystemen.
Im Vorjahresvergleich zeigen sich zwar leicht schwächere Resultate, der langjährige Trend zu steigender Sanierungsqualität, den der IKT-LinerReport seit 2003/04 Jahr für Jahr protokolliert, bestätigt sich aber auch in 2016.

Der „100%-Club“

Vor allem in den letzten fünf Jahren kristallisieren sich einige Sanierungsfirmen heraus, die Bestleistungen erbringen. Sie bestehen mit allen ihren Linerproben alle vier Prüfkriterien – und bilden den sogenannten „100%-Club“. Sie erfüllen damit die Anforderungen der ZTV Materialprüfung und ihrer Kunden vollständig. Im Jahr 2016 gehören lediglich fünf von 22 Firmen dazu (Vorjahr: neun von 24). Wenige Firmen schaffen diese Höchstleistung über mehrere Jahre hinweg.

Fünf an der Spitze

In 2016 weisen die Ergebnisse der einzelnen Prüfkriterien zwar durchschnittlich sehr hohe Erfolgsquoten auf, aber die Gesamtqualität eines Liners ist nur dann einwandfrei, wenn alle vier Prüfkriterien zugleich bestanden sind. Das gelingt in 2016 nur fünf Firmen:

-    Arkil Inpipe mit Berolina-Liner
-    Hamers Leidingtechniek (NL) mit Alphaliner
-    Jeschke Umwelttechnik mit Brandenburger Liner
-    Kanaltechnik Agricola mit iMPREG-Liner
-    KTF Kanal-Technik-Fries mit iMPREG-Liner

Für jedes Jahr im „100%-Club“ erhält eine Sanierungsfirma einen Stern. Je mehr Sterne eine Sanierungsfirma hat, desto konstanter lieferte sie höchste Qualität ab. Elf Firmen haben mindestens in einem Jahr zwischen 2012 und 2016 vollständig beanstandungsfrei gearbeitet. Nur einer einzigen Firma gelingt es, im gesamten Zeitraum alle vier Kriterien mit jeweils 100% zu bestehen. Sie erhält daher fünf Sterne.

Langfrist-Trend: Qualität aufwärts

Der Gesamt-Trend ist sehr erfreulich: Haben im Jahr 2012 nur rund 9% aller getesteten Linerproben gleichzeitig alle vier Prüfkriterien bestanden, so erhöht sich diese Quote in den Folgejahren deutlich. In 2013 waren es bereits 12%, in 2014 dann 19% und in 2015 beachtliche 28%. Allerdings fällt der Wert in 2016 auf 22% zurück.


Fazit: Ja, aber…

Drei Schlussfolgerungen lassen sich aus den Daten des IKT-LinerReports 2016 ziehen:
Erstens: Die Qualität von Schlauchlinern hat sich in den letzten Jahren beachtlich verbessert. Rund ein Viertel aller eingesandten Baustellenproben besteht alle vier Testkriterien einwandfrei. Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, dass dies in 75% der Fälle nicht gelingt.
Zweitens: Nur wenige Sanierungsfirmen schaffen es, das Niveau „100% bestanden“ konstant über mehrere Jahre aufrecht zu erhalten. Es ist offensichtlich ein sehr hoher Anspruch für die meisten Firmen, mit allen ihren Proben, also zu 100%, die Kundenanforderungen zu erfüllen. Die Qualität schwankt von Jahr zu Jahr.
Drittens: Der leichte Qualitäts-Knick im Jahr 2016 verdeutlicht aber auch, dass es mit dem Trend nicht immer nur aufwärts gehen muss. Es kann auch wieder nach unten gehen – der Trend nach oben ist keine Selbstverständlichkeit.
Daher muss auch in den kommenden Jahren seitens der Linerhersteller und der Sanierungsfirmen Wert auf noch bessere und konstant hohe Qualität gelegt werden. Ziel muss es sein, dass alle eingebauten Liner die Qualitätskriterien zu 100% erfüllen – und nicht wie in 2016 lediglich rund ein Viertel.
Aber auch die meist kommunalen Auftraggeber stehen in der Verantwortung: Sie sind es, von den Firmen Qualität nachdrücklich einfordern und konsequent Proben von jeder einzelnen Schlauchliner-Baustelle prüfen lassen müssen. bi

Alle Ergebnisse in Tabellenform finden Sie auf der Internetseite des IKT.