Stadtbäume leben länger in Heidelberg

HEIDELBERG, 07.05.2015 - Die Stadt Heidelberg sieht sich nicht als Verwahrungsanstalt greiser Stadtbäume, wie Uwe von Taschitzki in seinem Referat auf dem Corthum-Fachseminar 2015 unterstrich. Stattdessen sorgt er für optimale Bedingungen schon bevor die Bäume in ihrer Grube landen.

Uwe von Taschitzki von der Stadt Heidelberg
„Nachdem Schachtungsmaßnahmen
sehr oft unsere Stadtbäume schädigen,
verpflichten wir die bauenden Firmen
mittlerweile zum Absaugen oder Abgraben
von Hand und verfüllen im Gegenzug
die Standorte wieder mit Baumsubstrat",
so Uwe von Taschitzki. | Foto: Petra Reidel

"Die Stadt Heidelberg hat den Anspruch, Baumstandorte so zu gestalten, dass sie den Bäumen ein langes Leben von mindestens 60 bis 80 Jahren ermöglichen," erläuterte der Zuständige für die Baumkontrolle im Landschafts- und Forstamt der Stadt Heidelberg, in seinem Beitrag auf dem Fachseminar des Substratherstellers Corthum in Marxzell im Nordschwarzwald. „Manchmal finden wir Baumgruben vor, in denen Abwasserrohre mit Muffen verlegt wurden, bei denen wir als erstes Bedenken anmelden", dokumentierte er weiter mit entsprechendem Bildmaterial. „Die Lösung bestand aus dem Verschweißen der Muffen sowie einer Auflage aus Einkornbeton, leider zu Lasten der Baumgrube."

Prophylaxe an den Wurzeln

Der Experte empfiehlt daher, die Standorte von Stadtbäumen, auch auf augenscheinlich intakten großen Flächen, grundsätzlich auf Verdichtungen sowie auf die Bodenbeschaffenheit zu kontrollieren. „Es ist einfach günstiger, diese Kontrollen durchzuführen, als nach sechs bis acht Jahren Schiffbruch mit absterbenden oder kümmernden Bäumen zu erleiden", so seine Erfahrungen. „Deshalb arbeiten wir gerne mit Fachfirmen zusammen, zu denen bereits über Jahre ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden konnte." Ist die Bodenverdichtung zu hoch, bleiben die Wurzeln im oberen Bereich, was später zu Schäden an Belagsflächen führt. An einer extrem befahrenen Bundesstraße halfen sich die gepflanzten Platanen selbst und wuchsen in die vorhandenen Leerrohre, da ihre Wurzeln im Substrat durch die hohe Vibration buchstäblich zermahlen wurden – ein teurer Sanierungsfall.

Toter Baum - in Heidelberg soll damit Schluss sein
Stimmen der Boden des Ballens und das technische Baumsubstrat nicht überein, kann es wie hier zu einem fehlenden Gasaustausch durch eine Wasserlinse und dem Absterben des Baumes kommen. | Foto: Uwe von Taschitzki
Nicht nachhaltig genug: In Heidelberg gibt es diese Art von Behältern nicht mehr
Das sind "Baumstandorte", die sich maximal für
eine kurzfristige Verwahrung eignen können und
somit in keinster Weise den Ansprüchen der
Stadt Heidelberg genügen. | Foto: Uwe von Taschitzki

Besonderheiten beim Ballen beachten

Besonderes Augenmerk legt von Taschitzki mittlerweile auf die Beschaffenheit der Ballen. „Stimmen hier der Boden des Ballens und das technische Baumsubstrat nicht überein, kann es zu hohen Schäden kommen, was bei uns im Fall schluffig-toniger Ballenware zu für die Wurzeln tödlichen Wasserlinsen an jedem Baum führte. „Seitdem bestehe ich in meinen Ausschreibungen immer auf sandig-lehmige Böden bei den Ballen", zeigte der Baumspezialist auf. Er sei mittlerweile sogar dazu übergegangen, die georderten Pflanzen ein Jahr vorher in Kübel mit Baumsubstrat zu pflanzen. Dies führe bei guter Bewässerung zu wunderbaren Faserwurzeln, die danach schnell in das analoge Substrat der Baumgrube finden.
Baumgrube in Heidelberg bei der Kontrolle
Von Taschitzki kontrolliert grundsätzlich
die Baumgruben auf Verdichtung und
Bodenbeschaffenheit, auch auf
augenscheinlich intakten großen Flächen.

Fachmännisch Gießen und Düngen

Für die wichtigen Gießintervalle nach der Pflanzung beauftragt Heidelberg nur noch Fachfirmen. Denn in diesem Bereich wurde mittlerweile viel Lehrgeld bezahlt. Mit der Beimengung des Bodengranulates Arpolith machte von Taschitzki bislang gute Erfahrungen an schwierigen Baumstandorten, da es einen guten Feuchtigkeitspuffer in Trockenperioden bietet. Das Thema Düngung löst die Stadt durch die jährlich zweimalige Gabe eines Flüssigdüngers, mit dem sie gute Ergebnisse erzielt.
„Unsere kleinsten Baumgruben liegen bei 16 Kubikmeter und wir nehmen diese bei Fremdfirmen grundsätzlich leer ab, um zu überprüfen, ob die Wände der Grube angerissen sind und die Tiefe von zwei Metern eingehalten wurde. Zudem arbeiten wir mittlerweile mit 1,2 m langen Gießrohren, die unseres Erachtens die perfekte Wasserzwiebel für den Ballen bilden", lauten weitere Tipps aus der Praxis.

bi

Dieser Artikel erschien zuerst in der bi-GaLaBau 4/2015. Verpassen Sie keines unserer spannenden Themen und bestellen Sie jetzt!