Deponie mit Dichtungskontrollsystem nachgerüstet und gesichert

VAREL, 24.04.2017 – Die jahrzehntelange Nachsorge stillgelegter Deponien stellt Landkreise und Betreiber vor eine anspruchsvolle Aufgabe. Eine Deponie im Landkreis Friesland wurde nun nachträglich mit einem Dichtungskontrollsystem ausgerüstet, welches zusätzliche Sicherheit verspricht.

Die Deponie Varel-Hohenberge im Landkreis Friesland
Bis zur Stilllegung im Jahr 2004 wurde auf der Deponie Varel-Hohenberge Hausmüll entsorgt. | Fotos: Progeo

Die Arbeiten zur Stilllegung der Deponie Varel-Hohenberge begannen 2013 und beinhalteten eine Sicherung und Rekultivierung. Dabei wurde als zusätzliche Maßnahme ein Dichtungskontrollsystem der Progeo Monitoring GmbH eingebaut, das jetzt auch an der Südböschung der Deponie zum Einsatz kommt.

30 Jahre lang regelmäßige Kontrollen nötig

Östlich der Stadt Varel befindet sich das Gelände der ehemaligen Deponie Varel-Hohenberge. Bis Ende 2004 wurden hier Abfälle aus dem südlichen Teil des Landkreises gelagert. Die Deponie umfasst heute zwei Deponiekörper: eine Altanlage von 1974 mit einer Erweiterung von 1980 sowie eine Neuanlage von 1992. Nach der vollständigen Verfüllung der Deponie folgte die Setzung bis ins Jahr 2012. Danach wurde sie abgedichtet und rekultiviert. Über einen Zeitraum von rund 30 Jahren muss die Deponie zudem regelmäßig kontrolliert werden. Um das Risiko von Emissionen weiter zu entschärfen und die Überwachung zu erleichtern, beschloss der Landkreis Friesland den nachträglichen Einbau eines Dichtungskontrollsystems von Progeo.

Geologger MPLE Carbon FS sorgt für dichte Deponie

Bei der Nachsorge der Deponie Varel-Hohenberge kommt das System „geologger MPLE Carbon FS“ zum Einsatz. Auftragnehmer und bauausführendes Unternehmen ist die Matthäi Bauunternehmen GmbH & Co. KG.
Zunächst wurde im Juni 2014 die 51.500 m2 umfassende Nordböschung des älteren, nördlich gelegenen Deponiekörpers mit dem Monitoring-System ausgestattet. Nun folgte in einem weiteren Schritt die 2014 aus planerischer Sicht vorerst vom Auftrag herausgenommene Südböschung. Der Einbau des Dichtungskontrollsystems umfasst die Hauptfläche mit 26.900 m2 und die Deponieauffahrt mit 2.600 m2.

Sicherung, Kultivierung und Nachsorge

Im Zuge der Maßnahmen wurde die Deponieoberfläche angeglichen und mit einer Abdichtung versehen. Diese setzt sich aus Tragschicht, Kunststoffdichtungsbahn, geotextiler Dränmatte, Sandschutz- und Vegetationsschicht zusammen. Ohne selbst verändert zu werden, wurde die bestehende Abdichtung der Deponie durch „geologger MPLE Carbon FS“ zu einer kontrollierbaren Oberflächenabdichtung nachgerüstet. Das eingebaute System gewährleistet eine Langzeit-Überwachung der Kunststoffabdichtung. Im Regelfall werden dazu eine Vielzahl rasterförmig verlegter Messstellen unterhalb der Kunststoffdichtung und eine geringere Anzahl von Signalelektroden oberhalb der Abdichtung eingesetzt. Die Messstellen bestehen aus MPLE-Kabel (Multi-Punkt-Linear-Elektroden), die in einem Abstand von 5 oder 8 m einen Messabgriff aufweisen – eine Stelle, über die der dauerhafte Erdkontakt hergestellt wird. Die Außenseite der Messabgriffe besteht aus Carbonfasergeflecht. Neben diesen Komponenten wird ein Bezugserder benötigt, der außerhalb der Abdichtungsfläche angeordnet ist.

Das Geologger-System wurde an der Südböschung der Deponie installiert
Im Auftrag des Landkreises Friesland wird
auch die Südböschung der Deponie Varel-
Hohenberge mit dem System „geologger
MPLE Carbon FS“ nachgerüstet.

Kurzschluss zeigt Schadstellen an

Da bei der Deponie Varel-Hohenberge die Dichtung bereits vor Jahren eingebaut wurde, war es nur möglich, die Komponenten des Dichtungskontrollsystems oberhalb der bestehenden Kunststoffdichtung einzubauen. „Das physikalische Prinzip funktioniert in beiden Fällen. Die Kunststoffabdichtung ist ein elektrischer Nichtleiter. Fließt ein Prüfstrom von den Signalelektroden durch die Dichtung gegen die Erde, kommt es in Folge einer Leckage zu einer geänderten Spannungsverteilung in den Schichten – eine Art lokaler ‚Kurzschluss‘“, erklärt Dr.-Ing. Bernd Kallies, Leiter Anwendungstechnik bei Progeo. Anhand der Veränderungen ermittelt das System, ob Schadstellen in der Abdichtung vorliegen und ortet diese.

Fachgerechte Verlegung und Installation

Alle Komponenten des Systems werden vorkonfektioniert geliefert. Bis zu 40 Messabgriffe sowie sieben Signalelektroden sind auf einem Kabel installiert. Beim kompletten Neubau einer Abdichtung erfolgt die Verlegung auf der jeweiligen Schichtebene. Bei einer nachträglichen Installation wie auf der Deponie Varel-Hohenberge müssen zunächst schmale Gräben ausgehoben werden. Darin werden die Mess- und Signalkabel verlegt. Die Verlegetiefe beträgt etwa 20 cm über der Kunststoffdichtungsbahn. Im Bodenaufbau befindet sich dort der Übergang zwischen Sandschutz- und Vegetationsschicht. Beim Ausschachten ist dieser Übergang einfach zu treffen und verhinderte die Vermischung beider Schichten.

Abdichtung vor Beschädigungen geschützt

Auch gewährleistete der Abstand Schutz vor einer Beschädigung der Abdichtung im Zuge der Bodenarbeiten. Nach der Verlegung werden sämtliche Kabel aus der Abdichtungsfläche bis zu Schaltschränken – auch Feldverteiler genannt – geführt und dort auf ein Steckersystem aufgeklemmt. In Varel-Hohenberge entschied man sich für eine stichtagsbezogene Messung. Hierbei wird ein mobiles Messsystem an die Steckkontakte im Feldverteiler angeschlossen und eine automatische Messung durchgeführt. bi