Heute Kreissäge, morgen taub: Lärmschutz ernst nehmen

GERADSTETTEN, 03.05.2017 – Lärm am Arbeitsplatz erfordert Prävention, und das so früh wie möglich. Was Baumaschinenkrach anrichten kann und wie man sich davor schützt, erfuhren 140 Azubis im Ausbildungszentrum Bau Geradstetten am bundesweiten „Tag gegen den Lärm“ am 26. April.

Dezibelmessung Bohrhammer
Dezibelmessung beim Einsatz eines Bohrhammers: Wer häufig mit lauten Geräten arbeitet, sollten nicht auf „Mickeymäuse“ verzichten.

Unter Anleitung der Bauberufsgenossenschaft konnten die Azubis an diversen Baugeräten Schallmessungen durchführen, mit denen sie tagtäglich zu tun haben. Getestet wurde in den Werkhallen unter anderem die Lautstärke von Baukreissägen und Steinsägen, von Bohrhammer, Straßenwalze sowie Straßenfertiger, aber auch von lauten Hammerschlägen auf Metallschalungen.

So laut wie ein Düsenflieger

Trotz verbesserter Schalldämmmaßnahmen durch die Hersteller entwickeln viele Baugeräte nämlich noch immer ordentlich Lärm. Eine Baukreissäge zum Beispiel kann bis zu 100 Dezibel laut sein. Ein vibrierender Rütteltisch mit aufgelegter Stahlschalung bringt es sogar auf gut 120 Dezibel. Die Teilnehmer des Präventionskurses waren selbst überrascht, wie laut Baumaschinen sein können. Deshalb sollten alle, die mit diesen Geräten arbeiten, stets entsprechenden Gehörschutz tragen – selbst wenn sie nicht unmittelbar an der Maschine stehen.

Fahrer im Straßenfertiger
Trotz Schalldämpfung kann es auf einem Straßenfertiger richtig laut werden. | Fotos: Bauwirtschaft BW

Schwerhörigkeit macht keinen Spaß

Auch den Schallpegel ihrer leistungsstarken Soundanlagen im eigenen Pkw durften die Lehrlinge an diesem Tag mit Spezialmessgeräten testen. Die meisten der Azubis waren erstaunt, mit welcher Wucht eine laute Musikbeschallung im Auto auf ihr Trommelfell trifft. Dies gilt auch fürs Musikhören über Kopfhörer, das zu dauerhaften Hörschäden führen kann. Schon heute leidet jeder vierte Jugendliche an einer angehenden Erkrankung des Gehörs durch Lärm.
Medizinisches Hintergrundwissen zum Thema Lärmschwerhörigkeit und die Wirkung von Schallexpositionen auf das vegetative Nervensystem vermittelten Fachärzte des Arbeitsmedizinischen Dienstes der Bauberufsgenossenschaft. Auch Hörtests mit individueller Beratung wurden den Azubis geboten.

Selber vorsorgen

Natürlich wird es auf einer großen Baustelle nie ganz leise zugehen. Aber auch hier ist weniger mehr. Die Baugerätehersteller und Bauunternehmen setzen zwar schon zahlreiche Maßnahmen zur Schallminimierung um und bieten zum Beispiel Elektro-Radlader an. Dennoch ist jeder einzelne Baubeschäftigte zusätzlich gefordert, selbst geeignete Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen.
Der „Tag gegen den Lärm“ wird in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Akustik, der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft sowie den Bauausbildungszentren in Deutschland durchgeführt. Ausführliche Informationen zur Lärmprävention gibt es bei der BG Bau.