LED-Technik: Mit Bluelight in den Hauptkanal

POYENBERG, 20.05.2017 – Das mit LED-Licht härtende Schlauchliningverfahren Bluelight wurde in erster Linie für die Sanierung von Anschlussleitungen entwickelt. Im schleswig-holsteinischen Poyenberg konnte diese in Deutschland noch junge Technologie auch im Hauptkanal überzeugen.

von Artur zu Eulenburg

Bluelight im Schacht
Aushärtung mit LED-Technik: Das charakteristische blaue Licht hat dem Verfahren seinen Namen gegeben.

Die Gemeinde Poyenberg gehört zum Amt Kellinghusen und ist eine landwirtschaftlich geprägte Gemeinde mit rund 400 Einwohnern, die engagiert das Geschehen und die Politik im Ort begleiten. Zum Kanalnetz der Gemeinde gehört unter anderem ein Mischwasserkanal DN 250. Als der Sammler aus Betonrohren im Zuge der Selbstüberwachungsverordnung inspiziert wurde, stellten sich bei der Kamerabefahrung auf einer Länge von 150 Metern Korrosionsschäden, Lageabweichungen und Schäden an den Zulaufeinbindungen heraus. Das Ergebnis der Zustandserfassung war eindeutig: Eine Sanierung des Kanals war unumgänglich.
Der Sammler verläuft nicht geradlinig, sondern folgt dem Verlauf der Straße und weist deshalb Richtungsänderungen auf. Das Gefälle liegt im Schnitt bei 3,5 Prozent, das ergibt auf die Länge gerechnet einen Höhenunterschied von rund 6 Metern.

Suche nach einem grabenlosen Verfahren

Bei der Suche nach einem geeigneten Sanierungsverfahren stieß Bürgermeister Karsten Beckmann auf das Ingenieurbüro W² aus Hohenwestedt, das über Erfahrung mit grabenlosen Kanalsanierungsverfahren verfügt. Der Weg wies zwar schnell in Richtung Schlauchlining, der Entscheidungsprozess war damit jedoch noch nicht abgeschlossen. „Ein System mit Glasfaserschlauch und UV-Aushärtung schied in diesem Falle aus, da ein Einziehen des Liners aufgrund des Leitungsverlaufes mit seinen Knickpunkten zu hohe Zugkräfte erfordert hätte“, erklärt Carsten Wiele vom Ingenieurbüro W². Ein Inversionssystem mit Dampfhärtung wurde verworfen, da der Kanal auch Unterbögen aufweist, in denen sich bei dem Verfahren Kondenswasser sammelt und an diesen Stellen eine zuverlässige Aushärtung des Liners in Frage stellt. Deshalb fiel die Wahl in der Ausschreibung zunächst auf die Warmwassertechnik, bei der jedoch wegen des Gefälles der Leitung und dem entsprechend hohen hydrostatischen Druck beim Einbau und Aushärten des Schlauches die Sanierungsstrecke in mehrere Haltungen unterteilt werden sollte.

Linerinversion
Der Liner wird mit Druckluft in den Sammler inversiert.

Seit Jahren etabliert

Dies war im Herbst 2016, und zu diesem Zeitpunkt kam die Firma WeVo als erster Anbieter in Deutschland mit der hierzulande neuen LED-Technik des Verfahrensanbieters Bluelight auf den Markt. Die in Dänemark entwickelte Verfahrenstechnik ist dort bereits seit einigen Jahren etabliert und verfügt in Deutschland über eine DIBt-Zulassung und das Gütezeichen Kanalbau. Das speziell für die Sanierung von Anschlussleitungen entwickelte System besteht aus einem Nadelfilzliner, einem styrolfreien Vinylesterharz mit Fotoinitiator und einer patentierten LED-Lichtquelle. Der Liner wird mit Druckluft in den zu sanierenden Kanal inversiert und anschließend mit LED-Licht ausgehärtet.

Mit Nebenangebot erfolgreich

Da das Durchmesserspektrum des Verfahrens jedoch bis DN 250 reicht, bestand in Poyenberg die Chance, Bluelight auch in einem Hauptkanal anzuwenden. WeVo beteiligte sich an der Ausschreibung mit einem Nebenangebot und erhielt den Zuschlag.
Ursprünglich war geplant, die Sanierungsstrecke mit zwei Baugruben zu unterteilen, die auch zum Einbinden von Anschlussleitungen genutzt werden sollten. In der Ausführung kam es dann jedoch zu drei Baugruben, weil nach der letzten Voruntersuchung ein Versorger den Kanal mit einer Erdrakete durchörtert hatte und die dabei verlegte Gasleitung im Zuge der anstehenden Bauarbeiten umverlegt wurde.
Zu den Vorteilen der LED-Technik gehört die Schnelligkeit des Verfahrens. „Wir hatten für die kompletten Arbeiten – einschließlich der Erstellung der Baugruben, der Vorfräs- und Einmessarbeiten, dem Linereinbau, dem Einbinden der Zuläufe und dem Rückbau der Baugruben – knapp zwei Wochen kalkuliert“, sagt Dirk Armoneit, Prokurist bei der Firma Wevo, „und diesem Zeitrahmen haben wir eingehalten.“ Abschließend wurde eine Abnahmebefahrung durchgeführt und Materialproben für die Qualitätsüberwachung durch das Prüfinstitut Siebert & Knipschild entnommen.

Bluelight LED-Lichtquelle
Herzstück des Verfahrens ist die patentierte LED-Lichtquelle.

Positives Fazit

Mit dem Sanierungsergebnis und dem Ablauf der Arbeiten sind Auftraggeber und Ingenieurbüro rundum zufrieden. „Auch das Zusammenspiel der Beteiligten hat bestens funktioniert“, betont Bernd Buthmann vom Bauamt Kellinghusen, der als Auftraggebervertreter zusammen mit dem Büro W² Ingenieurgesellschaft mbH für die Bauüberwachung zuständig war. Karsten Beckmann ist froh, nach den teils hitzigen Diskussionen nun im Gemeinderat eine erfolgreiche Sanierung vorstellen zu können, bei der die Anwohner durch die Bautätigkeiten nur minimal beeinträchtigt wurden.
Nach Einschätzung von Carsten Wiele vom Ingenieurbüro W² konnte die noch junge Technologie bei dieser Maßnahme ihre Stärken mit dem leichten und flexibel einzusetzenden Equipment und dem schnellen Verfahrensablauf voll unter Beweis stellen. Für ihn hat sich das Verfahrensspektrum im Bereich des Schlauchlining um eine weitere, attraktive Variante erweitert, die bei entsprechenden Randbedingungen ihre Vorteile ausspielen kann.
Dies bestätigt Dirk Armoneit auch aus Sicht des Anwenders. WeVo hat die Technik seit September letzten Jahres im Einsatz. Seitdem ist die Anlage tagtäglich im Einsatz. „Wir sind mit den Sanierungsergebnissen und mit den Einsatzkriterien mehr als zufrieden“, beschreibt Dirk Armoneit seine bisherigen Erfahrungen. „Wir sind froh, dass wir den Schritt in diese Technik gegangen sind – auch und vor allem mit Blick in die Zukunft!“

Dirk Armoneit, Karsten Beckmann, Carsten Wiele und Bernd Buthmann (v.l.)
Diesen Beitrag lesen Sie auch in unserer aktuellen Ausgabe (2/17) der B_I umweltbau.