Hochwasserschutz: Römische Mauer aus Stahlbeton

SÜSSEN, 21.07.2017 – Wenn Beton wie eine alte Natursteinmauer aussehen soll, sind Strukturmatrizen von Noe gefragt. Für den Bau einer Stützmauer in Großschönau schlug der Schalungsanbieter zusätzlich ein spezielles Schalsystem vor – und erleichterte damit dem bauausführenden Unternehmen die Arbeit erheblich.

Bau einer Stützmauer in Großschönau
Großschönau: Mit der Noeplast Mauerwerk-Struktur Murus Romanus passen sich die neuen Stützwände optisch dem Erscheinungsbild der alten Stützwände an. | Fotos: Noe-Schaltechnik, Süssen

Die sächsische Gemeinde Großschönau hat häufig mit Hochwasser zu kämpfen. Bei starken Niederschlägen treten die durch den Ort fließenden Bäche Mandau, Lausur und Pochebach gern über die Ufer. 2013 beschädigte das August-Hoch¬wasser eine wichtige Stützmauer aus dem Jahr 1901. Zwar ließ sich diese teilweise rekonstruieren, doch einige Abschnitte mussten durch neue Betonwände ersetzt werden. Diese sollte aus Stahlbeton (Beton C 30/37; Expositionsklassen: XC4, XD1, XF2, XA2) bestehen und auf Wunsch des Denkmalschutzes optisch an das Bestandsmauerwerk angeglichen sein. Deshalb entschied sich die Gemeinde für eine Strukturmatrize der Noe-Schaltechnik aus Süssen. Der Hersteller bot dem ausführenden Bauunternehmen, der Bau GmbH Franke aus Hainewalde, zudem eine Schalung an, die die Arbeit wesentlich erleichterte und ein optisch besseres Ergebnis lieferte, als es mit einem üblichen Schalsystem möglich gewesen wäre.

Natursteinoptik nachbilden

Die neuen 0,65 cm dicken Stützwandabschnitte sollten die Oberflächenstruktur einer ungleichmäßig gemauerten Natursteinwand haben. Um dies zu erreichen, griff das ausführende Unternehmen auf die Strukturmatrizen der NOE-Schaltechnik zurück. Die Verantwortlichen entschieden sich für das Motiv „Murus Romanus“. Diese Strukturmatrize ist ungefähr 4,1 cm dick und in der Standard¬ausführung in der Abmessung 6,00 x 2,50 m erhältlich. Auch darüber hinausgehende Maße sind möglich. Die Matrizen werden dabei so miteinander verzahnt, dass kaum ein Stoß sichtbar ist.

Schalung mit Strukturmatrize
Noe ist der einzige Hersteller, der Strukturmatrize und Schalung aus einer Hand bieten kann – einsatz¬fertig auf die Baustelle geliefert, inklusive Einsatz- und Taktplanung.

Oberflächen strukturieren

Um den Beton mithilfe der Noeplast Strukturmatrize zu gestalten genügt es, diese im Fertigteilwerk mit einem entsprechenden Rahmen auf den Rütteltisch zu legen. Auf Ortbetonbaustellen, wie in Großschönau, muss sie auf die Schalung geklebt werden. Anschließend wird der Beton eingebracht und verdichtet. Sobald er ausreichend ausgehärtet ist, kann die Schalung samt Matrize entfernt werden, wodurch die gewünschte Struktur zum Vorschein kommt. Die Noeplast-Standardmatrize besitzt auf der Rückseite ein Glasfasergewebe, was ihr gleichzeitig Stabilität verleiht und Maßänderungen aufgrund von Temperaturschwankungen minimiert. Die Matrize kann bis zu 100-mal verwendet werden.
Auf die Baustelle in Großschönau wurden insgesamt nur 36 Quadratmeter der Strukturmatrize Murus Romanus geliefert, die bis zu achtmal eingesetzt wurden. Die Bau GmbH Franke nutzte einem besonderen Service der Noe-Schaltechnik: Als einziger Hersteller bietet das Unternehmen an, die Matrizen bereits im Werk auf eine Schalung oder eine Trägerplatte zu kleben, die dann auf die Schalung geschraubt werden kann. Für dieses Projekt schlug Noe vor, die Matrize nicht auf einer normalen Wandschalung, sondern auf der Noe Combi 70 zu fixieren.

Durchbruch in der strukturierten Wand
Die Öffnungen für Durchbrüche wurden werkseitig vorbereitet, so dass die betreffenden Bereiche je nach herzustellendem Segment jeweils nur aus- und wieder eingebaut werden.

Keine Spannlöcher im Sichtbeton

Das vorgeschlagene Schalsystem basiert auf einer verzinkten Gitterträgerabsteifung mit 70 cm Bauhöhe. Es wird je nach vorhandener Belastung in einem Abstand von 100 bis 150 cm montiert und ist hoch belastbar. Die Verspannung erfolgt nur 10 cm oberhalb des Fundamentes und in ca. 290 cm Höhe, meist über der Wand. Das eigentliche Schalelement setzt sich aus einem Rost aus Schalungsschienen und vertikalen Noetop-Randprofilen zusammen, auf die der 21 mm starke Grundbelag montiert ist. Darauf können alle erdenklichen Sichtflächenbelegungen aufgebracht und rückwärtig verschraubt werden.
Da die Stützwand in Großschönau nicht einfach gerade verlief, sondern sich in gewissem Maße dem Verlauf des Flusses anpasste, mussten die Verantwortlichen eine Lösung finden, diese Radien mithilfe der Schalung nachzubilden. Hierzu zerteilten sie den Bogenverlauf in eine polygonale Linie und montierten die Elemente der Noe Combi 70 dementsprechend. Als Hilfsmittel verwendeten sie Distanzhölzer, die mit dem entsprechenden Winkel konisch gesägt waren. Mithilfe der Noe Combi 70 konnten alle Sichtflächen bis zu einer Betonhöhe von 290 cm praktisch verspannungsfrei gefertigt werden. Dabei wurde die horizontale Verstellung der zwei Elementstöße über Spindeln realisiert, die Matrize war aus einem Stück, sodass die Ansichtsfläche ohne Stöße blieb. Zudem lassen sich die Elemente des Noe Combi 70-Systems bis zu einer Höhe von 450 bzw. 600 cm mit entsprechenden Elementen aufstocken. Die Stützwand hatte zu Beginn die Höhe von 2,80 m, stieg gegen Ende aber auf eine Höhe von 4,30 m an. Für den Bau unterteilten die Verantwortlichen die ca. 84 m lange Wand in 14 Segmente. In einem Abstand von ca. 6 m wurden elastische Raumfugen mit luftseitigen und erdseitigen Fugenbändern ausgebildet.

Bei der Noe Combi 70 erfolgt die Verspannung im Sockelbereich und über der Schalung. Es gibt deshalb im Sicht¬betonbereich keine Spannstellen.

Service, Schalung, Folgeauftrag

Obwohl das ausführende Bauunternehmen noch nie mit Noe zusammengearbeitet hatte, entschloss es sich, den Noe-Vorschlag umzusetzen. So wurden unter anderem bereits verschiedene Öffnungen für Durchbrüche in den einzelnen Segmenten bei der Komplettmontage berücksichtigt und werkseitig vorbereitet, so dass die betreffenden Bereiche je nach herzustellendem Segment jeweils nur aus- und wieder eingebaut werden. Zuvor wurden in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Bauunternehmens Lösungen für sämtliche Details im Bereich der Blockfugen (glatte Spiegel) und Leitungsdurchführungen (Speisteine) erarbeitet und gemeinsam umgesetzt. Während der Bauausführung waren die Mitarbeiter so von der Dienstleistung und den Produkten des Schalungsanbieters überzeugt, dass die Firma dem Schalungshersteller schon kurz darauf einen Folgeauftrag erteilte.