Großbäume: Verpflanzen statt fällen

HEIDECK, 21.08.2017 – Die demopark 2017 war Auslöser für die Umpflanzung einer stattlichen, rotblühenden Kastanie von Eisenach Grabental auf einen Kinderspielplatz im Ortsteil Hötzelsroda, Straße an der Höll. Zum Einsatz kam dabei eine interessante Spezialmaschine. 

von Sonja Bauer, Heideck

Maschine zur Großbaumverpflanzung auf der demopark 2017
Auf der demopark 2017 konnten die Besucher die Spezialmaschine zur Großbaumverpflanzung auf der Sonderschau (Bau-)aktive Stadt bestaunen. | Fotos: Sonja Bauer

Im Grabental an der Hörsel werden Hochwasserschutzmaßnahmen getroffen, weshalb einige zu eng stehende Bäume dort entfernt werden müssen. Grund genug für Bernd Weißenborn, Sachgebietsleiter Grünflächen im Amt für Tiefbau und Grünflächen der Stadtverwaltung Eisenach, der Fachfirma Opitz International Großbaumverpflanzung für ihren demopark Messeauftritt im Rahmen der Sonderschau (Bau-)aktive Stadt eine attraktive Rosskastanie Aesculus carnea 'Briotii' zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug erklärte sich Opitz Geschäftsführer Tom Braam bereit, die Kastanie nach der Freilandausstellung fachgerecht an einen neuen Standort zu pflanzen. Der war in der Stadtverwaltung schnell gefunden, denn in einem Neubaugebiet in Hötzelsroda ist gerade ein zweiter Kinderspielplatz im Bau. Hier spendet nun seit 14. Juni 2017 die ca. 6 m hohe Kastanie ihren Schatten. Das etwa 25-30 Jahre alte Exemplar mit einem Stammumfang von ungefähr 60-70 cm war im Anschluss an die demopark von Firma Opitz mit modernster Großbaumverpflanzungstechnik auf Wunsch der Eisenacher Stadtverwaltung an diese Stelle verbracht worden. Bei der Pflanzmaßnahme zeitweise mit dabei waren aus Hötzelsroda Ortsteilbürgermeister Jürgen Jansen und aus Eisenach Stadt Bernd Weißenborn, sowie Spielplatzbetreuer Enrico Wöhner-Gebhardt, der den Minibagger steuerte und das Wasser in einem 1.800 l fassenden Tank anlieferte.

Spezialist für Baumumzüge

Opitz International hält für jeden zu verpflanzenden Baum die passende Maschine bereit. In Eisenach kam der Ballenstecher Optimal 2500 am Mercedes Benz 3-Achser-Trägerfahrzeug zum Einsatz. Er gräbt ein 2,50 m breites und 1,50 m tiefes Loch. Seine fünf kräftigen Stahlspaten stechen den Wurzelballen aus, der groß genug ist, dass der Baum die Prozedur ohne Schaden übersteht. Mit dem Baum in der Verpflanzmaschine geht es von dem ursprünglichen zum neuen Standort, wo schon das neue Pflanzloch wartet und der Großbaum mit derselben Maschine direkt wieder eingesetzt wird. Jetzt wird der Baum fachgerecht noch so versorgt, dass der Großbaumverpflanzungsspezialist aus dem mittelfränkischen Heideck eine 100%ige Anwuchsgarantie geben kann.

Einsetzen des Großbaumes am neuen Standort
Hydraulisch unterstützt, geht das Einsetzen
des Großbaumes ohne Kraftanstrengung vor sich.

Nachversorgung ist entscheidend

Wichtig im Zusammenhang mit der Baumverpflanzung ist der Aushub einer sogenannten Rehabilitationszone um den Wurzelballen herum. Sie ist essenziell für die weitere Entwicklung und die Nährstoffversorgung des frisch verpflanzten Baumes. Am Wurzelballenrand werden die Wurzeln frisch beschnitten, um ihren Austrieb zu fördern. Aufgelockertes Erdreich mit Lava und Substrat, Endo-Mykorrhiza und Bodenverbesserer schaffen für die Wurzeln Freiraum in der Rehabilitationszone und fördern ihr Wachstum. Ein Drainagerohr sorgt für die notwendige Luftzufuhr.

Das Team freut sich über die gelungene Großbaumverpflanzung
Bernd Weißenborn (links) und Tom Braam
freuen sich über die gelungene Baumaktion.

Gerade in den ersten Jahren nach der Verpflanzung benötigt ein Baum ausreichend Wasser. In unserem Fall können 1.000 l sofort nach Pflanzung verabreicht werden. Bernd Weißenborn, Tom Braam und ihre Teams haben alles in die Wege geleitet, um dem Baum beste Überlebenschancen zu sichern. Bis ein junger Baum dieselbe Schattenwirkung, Staubfilterung und Reduzierung der Treibhausgase entfalten könnte, müssten Jahrzehnte vergehen. Dieser Baum entfaltet jetzt schon enorme Wohlfahrtswirkungen. Wie passend platziert werden die Sitzbänke unter seiner Baumkrone sein, für die Spielplatzbetreuer Enrico Wöhner-Gebhardt bereits Fundamente vorgesehen hat.

Außerdem ist es noch wichtig für Verdunstungs- und UV-Schutz zu sorgen. Das übernehmen Jute und Schilfrohr, die um den Baumstamm gewickelt werden, bevor die Verankerung des Baumes mit Holzpfählen angebracht wird. Sie sichert den Baum und schützt die neu gebildeten Faserwurzeln. Erhard Urban ist seit drei Jahren für Firma Opitz tätig. Sorgfältig legt er auf dem Spielplatz in Hötzelsroda die Grundlagen für die positive Entwicklung der Kastanie in Zusammenarbeit mit seinem Chef. Das Volumen der Baumkrone wird dem verringerten Wurzelwerk angepasst, die Baumscheibe mit Rindenmulch abgedeckt. bi