Nordbau 2017: Auf dem Weg zum vernetzten Bauen

NEUMÜNSTER/KIEL, 22.08.2017 – Mit einem großen Ausstellungsangebot will die Nordbau 2017 das Building Information Modeling (BIM) erlebbar machen. Das Thema Digitalisierung hat die Messe in diesem Jahr zu ihrem Schwerpunkt gemacht, weitere zentrale Inhalte sind die Infrastruktur und die Stadtbegrünung.

Haupteingang der Holstenhallen Neumünster

Die Holstenhallen in Neumünster sind in diesem Jahr zum 62. Mal Austragungsort der Nordbau. Die Messe findet vom 13.-17. September statt. | Foto: Nordbau/banckstudios

BIM, der Megatrend der Bauwirtschaft, bedeutet nicht nur dreidimensonales Planen. Heute sind auch Abläufe in der Prozesskette wie Einkauf, Buchhaltung oder Warenmanagement digitalisiert. Die Abwicklung von Bauaufträgen wird künftig fast nur noch mit einer gemeinschaftlichen Kommunikations-, Planungs- und Durchführungs-Plattform erfolgen. Damit sind nicht nur die Planer, Architekten und Ingenieure angesprochen, sondern auch die Baubetriebe und Handwerker. Und hier liegen häufig Probleme in den Schnittstellen beispielsweise durch unterschiedliche Digitalisierungsgrade und Softwarekompatibilitäten „Speziell kleinere und mittelständische Baubetriebe sollten in der Digitalisierung die Vorteile erkennen“, sagt Torsten Freiberg, Vorstandsvorsitzender des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein. Der BGV SH ist bei diesem Thema auf der Nordbau nicht nur Aussteller an einem Sonderstand im Foyer, sondern auch Mitgestalter.
Zentrale Anlaufstelle zur Digitalisierung und zu BIM ist die Halle 6. Hier stellt zum Beispiel der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes 3D-Brillen, Tabletts sowie Software und Hardware für Handwerker vor.
Darüber hinaus gibt es längst Anwendungsmöglichkeiten und Softwarelösungen für eine digitale Bauwirtschaft, mit denen die Betriebe nicht durchgehend nach BIM arbeiten müssten. „Auch für kleine und mittlere Betriebe sind digitale Anwendungen wichtig, weil Software-Lösungen die Organisation eines Betriebs enorm vereinfachen können“, sagt Freiberg.

Digitale Beschaffung und Auftragsvergabe

Büro-, Verwaltungs- und Planungsarbeiten seien echte Zeitfresser. Der digitale Umgang von der Beschaffung über die Baustellenlogistik bis zu Kundenkommunikation werde zudem immer mehr zum Kriterium für Wettbewerbsfähigkeit. „Wir wollen unsere Betriebe ermutigen, mit BIM oder allgemein der Digitalisierung einfach anzufangen und es sich Schritt für Schritt zu erarbeiten“, so Freiberg. Auch die Auftragsvergabe werde in diese Richtung gehen. Ausführliche Informationen dazu gibt es auch am Stand der B_I medien in Halle 6.

Präzises Aufmaß in 3D

Am Sonderstand des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein im Foyer können Interessierte den 3D-Scan in einem aufgebauten Musterzimmer ausprobieren. Das 3D-Laserscanning bietet eine vollständige dreidimensionale Erfassung auch schwer zugängiger Bereiche. Das präzise Aufmaß in Form von Plänen oder intelligenten BIM-Modellen kann ohne Informationsverlust direkt in die weitere Planung einfließen. „Durch dieses Verfahren ergeben sich völlig neue Möglichkeiten der Datennutzung und Modellierung. Das ist besonders für das Bauen im Bestand interessant“, sagt Freiberg. Es werden nicht nur Aufmaße, sondern auch Planabweichungen und Mängel erfasst. Das System bietet Digitalisierungsmöglichkeiten und Schnittstellen für die Bauüberwachung und die Kalkulation. „Wir zeigen hier ganz praxisnah den Nutzen solcher modernen Anwendungen“, so Freiberg.
Auch das Kongressprogramm widmet sich diesem Thema ausführlich, u.a. beim Architekten- und Ingenieurtag am 15. September. „Allen Interessierten werden wir die BIM-Handhabung von der 3D-Planung über die Kalkulation bis zur Beschaffung anschaulich vermitteln“, sagt Dr. Wolfgang Bayer, Hauptgeschäftsführer des  Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen, Darüber hinaus erhalten Bauherren, Planer, Architekten, Handwerker und Gebäudemanager in zahlreichen Vorträgen Informationen zu Soft- und Hardware-, Mitarbeiter-Qualifizierungs- und Rechtsfragen.
Und natürlich ist die digitale Vernetzung auch von größter Bedeutung für den Baumaschinenmarkt. Die Nordbau bietet einen Gesamtüberblick über die Neuheiten auf dem Markt.

Ausbau der Schienen-Infrastruktur

Die Bahn informiert auf der Messe umfassend über vier große Schienen-Projekte: die Schienenanbindung der geplanten Festen Fehmarnbeltquerung zwischen der deutschen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland auf der Strecke Puttgarden - Lübeck in Schleswig-Holstein, den Ausbau der Schienenstrecke zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven in Niedersachsen, die Verlegung des Fernbahnhofs Hamburg-Altona und den Neubau der S-Bahn-Linie S 4 in Hamburg. Dazu hält Prof. Dirk Rompf, Vorstand bei der Deutschen Bahn Netz AG für Netzplanung und Großprojekte, zur Messeeröffnung am 13. September einen Impulsvortrag. „Unsere Großprojekte im Norden sind eine gewaltige Investition in die Infrastruktur, die für die regionalen Unternehmen viele Aufträge bedeuten können“, sagt Projektleiter Bernd Homfeldt. „Wir wollen auf der Nordbau über den Umfang der kommenden Baumaßnahmen informieren und das Präqualifikations- und Vergabeverfahren bei der DB Netz AG vorstellen."
Die Deutsche Bahn beteiligt sich auch am Schwerpunkt Digitalisierung: Einen plastischen Einblick zu Einsatzmöglichkeiten von BIM im Rahmen des Vorhabens einer neuen Querung am Fehmarnsund bekommen Messebesucher durch eine Virtual Reality Brille.