Gewerbebau: Glutrotes Aluminium für eine Trafik-Fassade

WASUNGEN, 20.09.2017 – Auch kleine Zweckbauten können große Auftritte in Sachen Architektur hinlegen: Mitten im tristen Gewerbegebiet von St. Valentin in Oberösterreich steht ein Tabak-Laden, der mit seinen zwei Spitzgiebeln und einer schwarzroten Fassadenverkleidung für Aufsehen sorgt.

Tabak-Trafik in St. Valentin
Der Neubau eines kleinen Tabak-Shops im Gewerbegebiet von St. Valentin in Oberösterreich. Der Entwurf stammt von Poppe*Prehal Architekten.

Freude am Ausgefallenen, eine neu interpretierte Bauform und vom Thema inspirierter Mut zu einem ungewöhnlichen Material prägen den Neubau eines kleinen Tabak-Shops im Gewerbegebiet Herzograd im Enns-Donau-Winkel nach einem Entwurf von Poppe*Prehal Architekten. Ob sich Bauherr und Architekt beim aufsteigenden Rauch einer Zigarettenpause darüber geeinigt haben, die flächige Struktur der faden Bauten mit zwei hohen, spitzen Giebeln zu konterkarieren, wissen wir nicht. Dass der ungewöhnliche Baukörper und die schwarzrote Metall-Ummantelung des Knisterhäuschens in St. Valentin aus Prefa-Aluminium die Fantasie zum Glühen bringt, aber schon. Jedenfalls bewiesen die Architekten mit diesem Entwurf, dass auch ein Projekt mit überschaubaren Dimensionen eine spannende Herausforderung sein kann.

Glutrote Spannung

Die zweiteilige Bauform mit spitz zulaufenden Giebeln verleiht dem Shop einen prominenten Auftritt. Auch für ein ungewöhnliches Material haben sich Bauherr und Architekt entschieden. „Das Prefalz-Material lässt sich wie eine Haut über Dach und Fassade spannen und das Gebäude abstrakt erscheinen", argumentiert Poppe seine Entscheidung für die Verkleidung mit den geschmeidigen, leichten, aber robusten und wartungsfreien Aluminium-Elementen. „Die Kantung des Falzes erzeugt eine unglaublich schöne Spannung“, so Poppe. Der dunkle Rotton der Pulverbeschichtung ist eine Sonderfarbe und der Glut einer Zigarette, Pfeife oder Zigarre nachempfunden.

Prefa-Aluminiumtafeln in Schwarzrot
Von der Sonne zum Glühen gebracht: Der dunkle Rotton ist eine Sonderfarbe für die Prefalz-Elemente. | Fotos: Prefa/Croce

Spektakuläre Wirkung

Umgesetzt hat die gar nicht so einfache und detailreiche Aufgabe, die Prefalz-Elemente genau nach Architektenplan zu verlegen, die Spenglerei Stefan Ertl aus St. Valentin. Die Prefalz-Bahnen wurden auf 30 mm Rauhschalung mit Nirofix und Schubhafter montiert. „Das geschmeidige Aluminium-Material ist auch bei komplexer Aufgabenstellung des Architekten angenehm zu verarbeiten, und Prefa schult exakt auf die Produkte ein und steht auch immer wieder beratend und für Rückfragen unterstützend zur Verfügung“, sagt Stefan Ertl. Die Außenhaut, die aus 50er Bandblechen besteht und vorher profiliert wurde, hat er mit seinen vier Mitarbeitern in zwei Wochen montiert. „Der Effekt ist homogen vom Material her und spektakulär, was die Wirkung betrifft“.

Überspitzte Bautradition

Die einzigartige, mutige Erscheinung des kleinen Ladens hat für viel Aufsehen gesorgt, schmunzelt Architekt Poppe. „So oder so war diese Trafik wochenlang Gesprächsthema über die Ortsgrenzen hinaus.“ Kostenlose Werbung für Bauherrn Roland Weichslbaum, dessen Vorgaben erst einmal vage waren. „Es gab eine bestehende Trafik und deren Einrichtung. Jetzt sollte sie an einen neuen Standort“, fasst Poppe das Bauherren-Briefing zusammen. Der Grundriss bestand bereits. Mit zwei Giebeln, ungewöhnlichen sieben Metern Höhe und dem bis zur Spitze hin offenen Raum setzte Poppe pointiert Akzente. Die beidseitige Glasfront lässt viel Licht in den Raum, der klar strukturierte und moderne Ladenbau des Innenraums nimmt sich funktional zurück.
„Zur Idee mit den zwei Spitzdächern kamen wir aus mehreren Gründen“, sagt Poppe. „Erstens haben wir die Bautradition, die für diese Region sehr typisch ist, übernommen und auf unsere Weise neu interpretiert. Zweitens entstand daneben ein Supermarkt, und damit die Trafik nicht untergeht, sind wir in die Höhe gegangen.“ Der Doppelbaukörper beruht auf der Idee einer praktischen Trennung zwischen Verkaufs- und Lagerraum. Geshoppt wird in der verglasten, transparenten Hälfte, gebunkert, gelagert und gestapelt werden Zeitungen und Zeitschriften, Tabakwaren, Lose und Lottozubehör im geschlossenen Bereich.

Tabak-Trafik am Abend
Optisch ein Schmankerl: die Trafik in St. Valentin.