Klimatolerante Bäume gesucht

Das bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hat ein langfristig angelegtes Forschungsprojekt unter dem Titel „Stadtgrün 2021“ gestartet.

Catalpa bignonides ‚Nana‘, der Kugel-Trompetenbaum ist eine der im Rahmen des Projektes Stadtgrün 2021 in Frage kommenden klimatoleranten Baumarten.
Catalpa bignonides ‚Nana‘ sollte sonnig und sowohl vor Frost als auch vor zu starken Wind geschützt stehen. Der Kugel-Trompetenbaum gilt als ein Kandidat unter den klimatoleranten Baumarten, die von der LWG Veitshöchheim einem Langzeittest unterzogen werden. | Foto: LWG
Nicht nur die Wälder leiden unter dem Klimawandel, auch Stadtbäumen wie Platane oder Kastanie bereiten Wassermangel, Schädlingsbefall und Krankheiten zunehmend Probleme. Das vom Landwirtschaftsministerium angestoßene Forschungsprojekt soll klären, wie sich klimatische Veränderungen regional auswirken und welche Stadtbaumarten auf Dauer am besten mit den immer wärmeren und trockeneren Sommern zurecht kommen. Das Projekt, für das der Minister mehr als 200.000 Euro aus dem bayerischen Klimaprogramm zur Verfügung stellt, läuft bis zum Jahr 2021. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim wird an drei klimatisch unterschiedlichen Standorten Bayerns rund 500 Bäume pflanzen: Im warm-trockenen Würzburg, im kalt-trockenen Hof sowie in Kempten mit gemäßigtem, niederschlagsreichen Voralpenklima.
Die Biologin Dr. Susanne Böll stellte das Projekt auf den 21. Veitshöchheimer Baumschultagen vor. Bei dem Versuch werden zwanzig verschiedene Baumarten jeweils acht Mal in Würzburg, Hof und Kempten aufgepflanzt. In den kommenden zehn Jahren werde es sich an der Entwicklung der 480 Bäume abzeichnen, welche im Stadtklima den Klimawandel überleben könnten. Weil immer mehr unserer heimischen Gehölze erkranken, suchte das Team um die LWG Pflanzenexperten Dr. Susanne Böll, Klaus Körber und Dr. Philipp Schönfeld auf der ganzen Welt nach Gehölzen, die bereits seit vielen Jahrtausenden mit Stressfaktoren wie Hitze, Trockenheit, Schädlingen, Krankheiten und Spätfrösten zurechtkommen. Vor allem in Asien, Nordamerika, Süd- und Südosteuropa wurden sie fündig. Wie Klaus Körber auf den Baumschultagen ausführte, zählen ausländische Arten wie Amberbaum, Ginkgo und Magnolie ebenso wie die heimische Hainbuche und der Burgenahorn zu den Favoriten. Sie alle werden zeigen müssen, ob sie den eisigen Wintern in Hof ebenso standhalten können wie den üppigen Niederschlägen in Kempten oder den trockenheißen Sommern in Würzburg. Der für Gehölze künstliche Lebensraum Stadt wartet mit einer Fülle zusätzlicher Stressfaktoren auf: Streusalz, Abgase, Urin, Strahlungshitze und Wassermangel durch zu enge Baugruben und verdichtete Böden machen Bäumen das Leben zusätzlich schwer. Auch müssen sie beschädigte Wurzeln, Stämme und Kronen tolerieren. In der Natur helfen Pilze im Wurzelraum den Gehölzen bei der Stressbewältigung. In einem künstlichen Umfeld wie der Stadt fehlen sie weitgehend. Deshalb, so Böll, erweiterte das LWG-Team den Versuch zusätzlich zu Baumart und Klimazone um einen dritten Punkt: In einem Teil der Baumgruben werden bei der Pflanzung der Bäume spezielle Pilzsubstrate (Mykorrhiza) zugegeben, um zu erforschen, ob diese den Stadtbäumen das Überleben erleichtern.
Ebenfalls auf den Baumschultagen referierte Dr. Rolf Kehr, Professor für Arboristik an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Göttingen, über neue Schaderreger. Mit dem neuartigen Eschen-Sterben verbreitet sich rasch ein bislang kaum erforschter Schadpilz. Ausgehend von Polen und dem Baltikum, hat er nun auch in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern erste Bestände heimischer Eschen erfasst. Kehr zeigte auf, dass die bisher beobachteten neuen Krankheiten und Schäden an Esche, Ahorn, Linde, Platane, Apfeldorn und Kastanie zum Teil auf den Klimawandel zurückgeführt werden können. So machen Trockenheit und Hitze den Bäumen generell zu schaffen. Dadurch geschwächte Gehölze sind vor allem in der Stadt anfälliger für Pilzkrankheiten. Viele Schadpilze wiederum profitieren von den höheren Temperaturen: Sie werden aggressiver und breiten sich schneller aus. Das gleiche gilt für bestimmte Schadinsekten. Um die Risiken künftig zu streuen, empfahl der Pflanzenpathologe, das heimische Artenspektrum durch Exoten zu erweitern. „Was wir heute pflanzen, muss unter den Bedingungen der Zukunft in 30 bis 40 Jahren funktionieren.“

Infos unter www.lwg.bayern.de