Zementwerk Karsdorf: Schwenk verzichtet auf Übernahme

BONN, 17.11.2017 – Die Schwenk KG, Ulm, wird das Opterra-Zementwerk Karsdorf in Sachsen-Anhalt doch nicht übernehmen. Das Bundeskartellamt hält das Vorhaben für wettbewerblich bedenklich. Mit der Leipziger Opterra wäre der engste Wettbewerber von Schwenk aus dem Markt der Region ausgeschieden, so das Kartellamt.

Zementwerk Karsdorf
Das hochmoderne Zementwerk Karsdorf in Sachsen-Anhalt beschäftigt über 230 Mitarbeiter. Im März waren die Übernahmepläne von Schwenk bekannt geworden. | Foto: Opterra

Der von dem Übernahmevorhaben betroffene Regionalmarkt umfasst große Teile Sachsen-Anhalts, Thüringens und Sachsens sowie angrenzende, kleinere Teile von Brandenburg, Hessen und Bayern. In diesem Marktgebiet ist derzeit das Zementwerk Karsdorf (Opterra) mit Marktanteilen von rund 40 Prozent führend. Nach dem Zusammenschluss hätte die Schwenk KG, die bereits über ein Zementwerk in Bernburg (Sachsen-Anhalt) verfügt, einen Marktanteil von etwa 60 Prozent erreicht, so das Kartellamt weiter. Die Ermittlungen hätten gezeigt, dass der Wettbewerb in dem entsprechenden Marktgebiet schon heute eingeschränkt sei.
„Die Fusion ließ eine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs erwarten und wäre daher zu untersagen gewesen“, so Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. „Schwenk hätte durch die Übernahme des Werkes in Karsdorf eine marktbeherrschende Stellung als Zementhersteller in der Region Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen erlangt. Insbesondere die Position unabhängiger Transportbetonkunden hätte sich nach einem Zusammenschluss deutlich verschlechtert.“

Karsdorf führend im Marktgebiet

Mit Opterra, eine Tochtergesellschaft des irischen Baustoffkonzerns CRH, wäre der engste und aktivste Wettbewerber von Schwenk aus dem Markt ausgeschieden. Die Zementwerke der beiden Unternehmen liegen nur etwa 80 km voneinander entfernt. Alternative Anbieter liegen für viele Zementabnehmer weiter entfernt und sind deshalb mit höheren Transportkosten verbunden. Zusätzliche Spielräume zur Preiserhöhung hätten sich für Schwenk auch aus den begrenzten Produktionskapazitäten der verbleibenden Wettbewerber ergeben. Das Zementwerk Karsdorf besitzt die mit Abstand größte Kapazität im Marktgebiet. Mangels eigener Transportbetonwerke bemühte sich Opterra vergleichsweise aktiv insbesondere um unabhängige Transportbetonunternehmen. Dieser Wettbewerbsdruck entfiele nach dem Zusammenschluss, so das Kartellamt.
Auch die Anmeldung der Übernahme des Zementwerks Sötenich in der Eifel habe Schwenk in diesem Zusammenhang zurückgezogen, dessen Übernahme wäre allerdings wettbewerblich unbedenklich gewesen.