Baupreis-Barometer: Preise im Hochbau ziehen weiter an

STUTTGART, 16.01.2018 – Bauherren und Auftraggeber müssen weiter mit steigenden Baupreisen rechnen. Wie eine Umfrage ergab, liegen die Preise derzeit durchschnittlich rund 7 Prozent höher als eingeplant. Auf Ausschreibungen erhalten Auftraggeber oft nur noch von einem Viertel der angefragten Firmen überhaupt Angebote.

Baupreisentwicklung
Mit hohen Preissteigerungen ist vor allem bei anspruchsvolleren Leistungen zu rechnen. | Grafik: Drees + Sommer

Die Baupreise im Hochbau sind derzeit durchschnittlich für alle Gewerke bundesweit 6,8 Prozent höher, als viele Bauherren und Auftraggeber in ihren Budgets ansetzen. Das hat eine Umfrage des Stuttgarter Beratungsunternehmens Drees & Sommer zur Baupreisentwicklung unter gut 100 Hochbau- und Engineering-Experten ergeben. Von August bis September 2017 verglichen die verantwortlichen Projektleiter die von den Bauherren veranschlagten Budgets mit den tatsächlichen Auftragskosten baukonstruktiver sowie gebäudetechnischer Leistungen. Das hierfür herangezogene Bauvolumen auf Grundlage der Vergaben der Jahre 2016/2017 lag über die verschiedenen Gewerke für 14 deutsche Bundesländer bei 9,8 Milliarden Euro.
Für die mehr als 40 wesentlichen Einzelgewerke des Hochbaus sowie Komplettabwicklungen über Generalunternehmer-Leistungen schätzten die Projektmanager zudem die Marktlage auf Basis der Angebotsrückläufe auf die Ausschreibungen der Jahre 2016/2017 ein. Das gibt Aufschluss über die künftig kritischen Leistungsbereiche im Bausektor: Je weniger Angebote die Unternehmen für bestimmte Gewerke abgeben, desto wahrscheinlicher erhöhen sie hierfür auf absehbare Zeit ihre Preise.

Preisanstieg bei anspruchsvollen Bauleistungen

Dem Stimmungsbild zufolge müssen Auftraggeber eines Bauvorhabens aktuell vor allem bei Generalunternehmer-Leistungen für das Gesamtgebäude und für die Gebäudetechnik mit Preissteigerungen von durchschnittlich mehr als 10 Prozent rechnen. Das gilt auch für technische Bauleistungen wie die Gebäudeautomation, lüftungstechnische Anlagen sowie Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik. In diesen Bereichen liegt der Rücklauf auf Angebotsabfragen bei unter 25 bis 30 Prozent. Das bedeutet: Aktuell geben jeweils zwischen einem Drittel und einem Viertel der angefragten Firmen überhaupt noch ein Angebot ab, hier wird es folglich zu keiner Entspannung der preislichen Lage kommen.
Zu stärkeren Engpässen und damit wahrscheinlicheren Preissteigerungen wird es laut der Ergebnisse unter anderem auch bei Stahl- und Metallbau, Dach- und Fassadenarbeiten sowie bei Glasfassaden kommen. Auch hier liegt den Befragten zufolge der Angebotsrücklauf auf Ausschreibungen häufig unter 25 Prozent.

Angebotsrückläufe

Immer häufiger sind die Angebotsrückläufe unter 25 Prozent. | Grafik: Drees + Sommer

Auf ausreichend Vorlauf achten

„Vor allem bei sehr kurzfristigen Auftragsvergaben mit wenig Vorlauf müssen die Generalunternehmer das Risiko einkalkulieren, geeignete Subunternehmer selbst nur zu enorm hohen Kosten zu finden“, so Mirco Beutelspacher, Partner der Drees & Sommer SE. „Dieses Risiko spiegelt sich natürlich in den Preisen wider.“ Wegen der insgesamt übervollen Auftragsbücher raten die Immobilienexperten, bei den Vergaben möglichst auf genügend Vorlauf im Hinblick auf den Baubeginn zu achten.