Bautec 2018: Roboter beschichtet Fassaden mit Solarbeton

KASSEL/BERLIN, 15.02.2018 – Forscher aus Kassel haben einen Roboter zur Beschichtung und Sanierung von Gebäudefassaden entwickelt. Der sogenannte Plotbot-Crawler dient vor allem dazu, den Solarstrom-Beton „DysCrete“ auf Fassaden aufzutragen. Vorgestellt wird er vom 20. bis zum 23. Februar auf der Bautec in Berlin.

Forschergruppe mit dem Plotbot-Crawler
Der Plotbot/Crawler wird vorbereitet: Er soll betonbasierte Farbstoffsolarzellen auf die Wand auftragen.

Der webbasierte, sensorgesteuerte Bewegungsautomat, den die Forschungsplattform „Bau Kunst Erfinden“ der Universität Kassel entwickelt hat, soll vor allem den Solarstrom-Beton „DysCrete“, einen Baustoff, der zugleich eine Solarzelle ist, auf Fassaden auftragen. Er kann jedoch noch mehr: So lassen sich mit ihm Photovoltaik-Elemente, sogenannte SolarChips, in speziell dafür entwickelte Fassaden eingebringen oder austauschen. Außerdem kann der Fassaden-Roboter Feuchtigkeit, Risse und andere Defekte an Fassaden aufspüren.

Seil-Roboter präzise steuerbar

An der Wand gehalten wird der „Plotbot-Crawler“ von mehreren computergesteuerten Seilspulen. Je nach Befehl ziehen die Seile den Roboter über die Fassade: So sieht es aus, als würde er über die Wand kriechen (engl. „to crawl“). „Durch die präzise steuerbaren Seillängen ist der Seilroboter nicht anfällig für Wind, Schlupf oder andere mechanische Einflüsse“, erläutert Prof. Heike Klussmann, Leiterin der Forschungsplattform. „Wird von den beiden nichttragenden Spulen Seil abgewickelt, bewegt sich das Gerät kontrolliert von der Wand weg und kann dadurch Hindernisse wie Fenster oder Simse überwinden.“

Plotbot-Crawler in Aktion
er Plotbot/Crawler in Aktion | Fotos: Bauen Kunst Erfinden/Klussmann

Solarzelle auf Betonbasis

Der Plotbot-Crawler ist das Folgeprojekt der Kasseler Entwicklung „DysCrete – Sonnenstrom aus Beton“ einer photoreaktiven Beschichtung, die Sonnenlicht in Solarstrom umwandelt. „DysCrete besteht aus einem speziellen leitfähigen Beton, der mit Lagen aus Titandioxid, einem organischen Farbstoff, einem Elektrolyt und einer transparenten Oberfläche beschichtet ist“, so Klussmann. „Das Ergebnis ist die erste auf mineralischem Untergrund implementierte betonbasierte Farbstoffsolarzelle, bei der Sonnenenergie in Strom umgewandelt wird. Die Erneuerung der Schichten erledigt dann künftig unser Plotbot/Crawler.“

Ein Prototyp wurde bereits auf der BAU 2017 in München gezeigt. Die aktuelle Version kann man nächste Woche auf der Bautec in Berlin am Stand der Forschungsinitiative Zukunft Bau begutachten.