Transporter fürs Handwerk: Der neue Sprinter, Generation Drei

STUTTGART, 20.02.2018 – Mehr Vielfalt, mehr Sicherheit und mehr Leistung – mit diesen Versprechen soll sich der neue Sprinter wieder an die Tabellenspitze setzen. Viele neue Ideen rund um den Transporter locken den Kunden, im Ergebnis geht dann doch ein recht normaler Großtransporter an den Start.

von Wolfgang Tschakert

der neue Sprinter in drei Varianten
Optisch evolutionär: Der neue Sprinter als Kastenwagen, der Kombi Tourer und der Pritschenwagen ab Werk.

Zuletzt hatte der Hersteller die Erwartungen mit einer Designskizze vom neuen Sprinter nochmal tüchtig geschürt. Aber jetzt, wo einen die Realität einholt, sieht das Endprodukt doch recht irdisch aus. Man muss schon genau hinsehen, um die neue Generation Drei einwandfrei zu identifizieren. Immerhin hat sich der Vorgänger rund elf Jahre im Markt behauptet, selbst im letzten Jahr gingen noch 200.000 Einheiten über die Verkaufstresen. Aber gut, die kurze Haube reckt der Newcomer jetzt steiler in den Wind. Mit einem markanteren Kühlergrill, mit grimmig gekniffenen Scheinwerfern – wer sparen will, nimmt den unfroh mattschwarzen Kunststoffbug. In Wagenfarbe sieht er schon freundlicher drein. Die vorderen Radläufe, jetzt etwas bauchiger, deuten auf eine breitere Spur hin. Aber sonst bleiben die Abmessungen nahezu gleich, selbst die Radstände, die Fahrzeugbreiten. So kann der werte Handwerkskunde seinen Werkstatteinbau aus den alten in den neuen Sprinter implantieren. Auch bei den Gewichtsklassen bleibt alles wie gehabt: von 3 bis 5,5 t Gesamtgewicht.

der neue Sprinter, Cockpit
Das gibt es auch: Cockpit mit beledertem Funktionslenkrad, Automatikgetriebe und riesigem Infotainment-System.

Neu: Sprinter mit Frontantrieb

Die Techniker sprechen von 15 Kilo Gewichtseinsparung, ganz ohne Tricks: Der Kraftstofftank fasst nach wie vor 70 Liter, der Adblue-Vorrat wächst von 18 auf 22 Liter. Wer noch etwas sparen möchte, kann die Hinterachs-Blattfedern aus GFK ordern, das schafft nochmal 12 Kilo Nutzlast extra. Richtig neu ist natürlich der Sprinter-Fronttriebler, er folgt dem Trend, den der Trendsetter Ford Transit und nach ihm der VW Crafter gesetzt haben. Das schafft Gewichtsvorteile (ca. 35 kg) und senkt die Ladekante um 80 mm. Den Fronttriebler gibt es mit 3,0, 3,5 und 4,1 t Gesamtgewicht, nur für Reisemobile erlaubt Mercedes-Benz bis zu 4,5 t.
Im neuen Sprinter-Fahrerhaus gibt es genug zu entdecken. Gut proportionierte Sitze sowieso, eine elektrische Parkbremse ist State of the Art, der Bedienhebel fürs Automatikgetriebe wandert an die Lenksäule. Verschiedene Cockpitvarianten, von schlicht bis opulent, erfüllen die verschiedenen Anforderungen. Der Handwerker mag´s eher schlicht, meist auch nur mit Sechsgang-Handschaltung. Aber auf leistungsstarke USB-Steckdosen, kabelloses Handyladen und 230-Volt-Anschluss sollte er nicht verzichten.

Bekannt bewährt: die Dieselmotoren

Unter der Haube sitzt noch immer vertraute Antriebstechnik. Der etwas raue OM 651-Vierzylinder wird mit Motorleistungen von 114 PS/84 kW bis 163 PS/120 kW angeboten, nur der Fronttriebler bekommt auf Wunsch bis zu 177 PS/130 kW mit auf den Weg. Für besondere Leistungsanforderungen im Hecktriebler darf es nach wie vor der besonders laufruhige 3,0-V6 sein, der Alu-Sechszylinder liefert nach wie vor 190 PS/140 kW. Für heckgetriebene Sprinter bietet Mercedes wieder die 7-GTronic-Automatik an, die Fronttriebler werden auf Wunsch gar mit einem Neungang-Getriebe bestückt. Aber das ist noch nicht alles: Ab nächstem Jahr soll der Sprinter batterieelektrisch fahren.
Im Laderaum und rund um die Ladungsträger lässt sich noch so manches entdecken. Neue LED-Lichtleisten etwa, innenliegende Dachträger oder selbstarretierende Scharniere am Heckportal. Das Beste ist freilich die neue Bescheidenheit des Herstellers. Der neue Sprinter-Fronttriebler soll schon für 19.990 Euro zu haben sein – er wäre heute schon bestellbar.

Elektro-Sprinter
Stapellauf im nächsten Jahr: Der neue vollelektrische Sprinter. | Fotos: Mercedes Benz