Gut geplant: Neue TW-Leitung sichert Versorgung zur Urlaubssaison

HÖRSTEL/BARTH, 06.03.2018 – Bei der Neuverlegung einer GGG-Trinkwasserleitung DN 300 in einem Naturschutzgebiet in Barth (Mecklenburg-Vorpommern) mussten die Baubeteiligten kurz vor der Urlaubssaison ein passendes Konzept erstellen. Viel Zeit bis zur Fertigstellung blieb ihnen nicht.

Von Henry Stuke, Niederlassungsleiter Zeitz, Beermann Bohrtechnik GmbH

Neuverlegung einer GGG-Trinkwasserleitung DN 300 in einem Naturschutzgebiet in Barth (Mecklenburg-Vorpommern) mittels HDD-Verfahren | Foto: Beermann
Neuverlegung einer GGG-Trinkwasserleitung DN 300 in einem Naturschutzgebiet in Barth (Mecklenburg-Vorpommern) mittels HDD-Verfahren | Foto: Beermann
Barth ist ein Anziehungspunkt für viele Urlauber aus ganz Deutschland und Europa. Der kleine Ort liegt am südlichen Ufer des Barther Boddens unterhalb des Ostseebades Zingst. Kurz vor Beginn der Sommersaison 2017 kam es zum wiederholten Mal zu einer Havarie an der im Jahr 1932 verlegten Grauguss-Transportleitung. Umwelteinflüsse, Korrosion und altersbedingter Verschleiß hatten der Leitung über die Jahre zugesetzt. Das erhöhte Risiko von Rohrbrüchen zwang letztlich den Abwasser- und Wasserverband Boddenland GmbH zum Handeln. Eine Reparatur in herkömmlicher Bauweise erwies sich jedoch aus technologischer und ökologischer Sicht als problematisch. Denn die vorhandene Trinkwasserleitung mit ihren Beschädigungen lag in einem naturnahen FFH-Schutzgebiet und oberflächennahes Grundwasser sowie der teilweise sumpfartige Baugrund hätten die Durchführung stark erschwert.
Die zu erneuernde Trasse wurde in zwei Teilstrecken (270 und 340 m) gesplittet. Ein vorhandener und befestigter Waldweg diente jeweils als Startpunkt für die beiden zu erneuernden Trassenabschnitte.
Die zu erneuernde Trasse wurde in zwei Teilstrecken (270 und 340 m) gesplittet. Ein vorhandener und befestigter Waldweg diente jeweils als Startpunkt für die beiden zu erneuernden Trassenabschnitte. | Foto: Google earth

Hauptversorgung gefährdet

Aufgrund guter Erfahrungen wendete sich das Versorgungsunternehmen an die Firma Tias Tiesler GmbH. Das regional tätige Bauunternehmen sollte mit Hilfe seiner Erfahrung bei Projekten unter erschwerten Rahmenbedingungen ein Lösungskonzept erarbeiten und dieses anschließend umsetzen.
Nach Lokalisierung der Schadstelle wurde, wie bereits befürchtet, ein großes Problem identifiziert. Die bereits vor Ort installierten Pumpen zur Absenkung des anstehenden Grundwassers erreichten bei Weitem nicht die erforderliche Leistung. An eine Reparatur der Schadstelle war unter diesen Umständen nicht zu denken. Für die zuständigen Entscheider war dies ein riesiges Problem, da die TW-Leitung auch die Hauptversorgung für das Ostseebad Zingst gewährleistet und wegen des zu erwartenden Besucheransturmes in der Urlaubszeit eine stabile Versorgung unabdingbar ist.

Neuverlegung im HDD-Verfahren

Auf Vorschlag der Firma Tias Tiesler wurde daher eine komplette Neuverlegung des betroffenen Abschnittes im HDD-Verfahren beschlossen. Unmittelbar nach Beauftragung kontaktierte Tias Tiesler ihren langjährigen Geschäftspartner Beermann Bohrtechnik GmbH. Das Unternehmen gilt als Spezialist für HDD-Projekte unter erschwerten Bedingungen und sollte ein Konzept zur Durchführung der Bohrung erstellen.
Die zu erneuernde Trasse wurde in zwei Teilstrecken (270 und 340 m) gesplittet. Ein vorhandener und befestigter Waldweg diente jeweils als Startpunkt für die beiden zu erneuernden Trassenabschnitte. Da die Neuverlegung im Schutzstreifen zum derzeitigen Leitungsbestand erfolgte, konnte sogar unmittelbar im Bereich der Startgrube die Wasserversorgung über eine Anbohrschelle gewährleistet werden. Aufgrund dessen wurden die Eingriffe in das Ökosystem erheblich und nachhaltig reduziert. Parallel dazu wurde seitens des Auftraggebers ein Baugrundgutachten erstellt, um die anstehende Geologie zu ermitteln. Die Erkenntnisse wollte man für die Bohrarbeiten und die Zusammensetzung der Bohrspülung nutzen.

Erstellung Pilotbohrung
Erstellung Pilotbohrung | Foto: Beermann

Umgehender Bohrbeginn

Aufgrund dieser gemeinsam erarbeiteten Rahmenbedingungen erfolgte die umgehende Umsetzung der Planung mit dem Ziel, eine schnellstmögliche und durchgängige Verbindung der TW-Transportleitung sicherzustellen. Um keine weitere Zeit zu verlieren, wurde folgerichtig nach sofortiger Auftragserteilung mit den Bohrarbeiten begonnen. Innerhalb von nur elf Arbeitstagen konnten beide Teilabschnitte der GGG-Leitung DN 300 mittels HDD-Verfahren ohne Verzögerungen fertiggestellt werden. Die gute Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten trug entscheidend zum Erfolg der Maßnahme bei; die überpünktliche Fertigstellung wie auch die einwandfreie Planung und Ausführung überzeugten den Auftraggeber zu 100 Prozent.