Bundesweit erster Essbarer Wildpflanzenpark wird im Juni eröffnet

WALDECK, 16.03.2018 – In Waldeck bei Kemnath und unmittelbar am historischen Schlossberg gelegen, entsteht seit 2016 ein Essbarer Wildpflanzenpark (Ewilpa). Entlang eines 5 km langen Wanderweges werden 13 „wilde“ Stationen geschaffen. Eröffnet wird der Ewilpa am 16. Juni.

Blick über den Schlossberg und Teilflächen
Blick über den Schlossberg und Teilflächen des ersten Ewilpa Deutschlands. | Fotos: Bernd Schönfelder

Die Idee und Konzeption stammt von Dr. Markus Strauß, Wildpflanzen-Experte und Initiator der Stiftung Essbare Wildpflanzenparks, der im Rahmen der Feierlichkeiten durch den Park führen wird. Der Ewilpa in Waldeck nutzt die landschaftlichen und naturgegebenen Voraussetzungen und ist entsprechend in 13 Flächen aufgeteilt. Der Erlebniswanderweg mit Schautafeln verbindet diese Teilflächen untereinander und bietet Orientierung. Jede einzelne Fläche bietet den jeweils charakteristischen essbaren Wildpflanzen eine Heimat. Neben einer Ackerbrache sind bspw. Stationen mit Wildgemüse und Kräutern, ein Themenschwerpunkt Nüsse sowie eine heute nur noch selten zu findende Streuobstwiese vorgesehen.

Vorhandene Wege und natürliche Vegetation werden genutzt

Die Anlage wird den landschaftlichen und vegetativen Gegebenheiten untergeordnet – so werden ausschließlich bereits vorhandene Wege genutzt, Neubauten sind nicht erforderlich. „Auch Neupflanzungen halten sich im Rahmen, weil wir hier in der Region bereits auf eine gute natürliche Vegetation zurückgreifen, in die der Mensch noch nicht zu stark eingegriffen hat“, erklärt Elisabeth Zintl, Inhaberin des mitwirkenden Landhotels Hollerhöfe. Sie verfolgt bereits seit vielen Jahren den biologischen Anbau des lange Zeit in Vergessenheit geratenen „Hollers“ (ugs. für: Holunder) und war sofort Feuer und Flamme für das Projekt Ewilpa rund um ihren Heimatort. „Natürlich leisten wir hier auch ein gutes Stück Pionierarbeit, aber die Vorteile liegen auf der Hand – innovativ und mit geringen Folgekosten. Und gemessen am Interesse der Bevölkerung schreit die Gesellschaft regelrecht nach Projekten wie Ewilpa“, so Dr. Markus Strauß.

Der Waldecker Schlossberg samt Burgruine sind in den Verlauf des Ewilpa integriert.
Essbare Wildpflanzen an der Burgruine Waldeck.

Unterschiedliche Waldtypen und Feldhecken

Zusätzlich zur vorhandenen Vegetation wurden von freiwilligen Helfern insgesamt 900 Sträucher und 100 Bäume unterschiedlicher Arten auf den Teilflächen gepflanzt.  Der trockene felsige Südhang unterhalb der Burg, unterschiedliche Waldtypen und Feldhecken ergeben zusammen mit der Streuobstwiese, der Ackerbrache sowie der Feuchtwiese ein Potpourri -  für essbare Wildpflanzen und Entdecker mit „Appetit“. Sieben Flächen des Ewilpa befinden sich dabei auf dem Schlossberg, die weiteren sechs in der benachbarten Feldflur westlich von Waldeck.

Essbare Wildpflanzen an der Burgruine Waldeck.
Essbare Wildpflanzen an der Burgruine Waldeck.

Zur Person

Dr. Markus Strauß studierte Geographie, Geologie und Biologie in Heidelberg. Forschungsprojekte führten ihn nach Südamerika, in den Nepal-Himalaya und nach Indonesien. Seit seinem langjährigen autarken, naturnahen Leben auf einem Hof im Südharz beschäftigt er sich mit dem Thema „Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen“. Heute ist Strauß freiberuflicher Autor, Berater und Dozent und lebt inzwischen im Allgäu. Auf seine Initiative hin bietet die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen seit 2013 die deutschlandweit erste und einzige Ausbildung auf Hochschulniveau im Bereich essbare Wildpflanzen an. Seine Vision: Die (Re-) Integration der essbaren Wildpflanzen in die Alltagskultur und insbesondere die Erschaffung von Essbaren Wildpflanzenparks in ganz Deutschland.