Bahnhofsvorplatz neu belebt: Einladung zur Entschleunigung

NOTTULN, 16.03.2018 – Die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes im dänischen Hedehusene ist ein Beispiel für eine geglückte Wiederbelebung. Dank des warm-roten Pflasterklinkers und der neuen Zonierungen lädt er Reisende und Stadtbewohner ein, ihn als gemütlichen Ankunfts- und Aufenthaltsort zu nutzen.

Bahnhof Hedehusene
Bahnhof Hedehusene: Er wurde mit Sitzgelegenheiten, einer Amphitreppe, einem Wasserspiel und liebevoller Bepflanzung neu strukturiert.

Als eine der wichtigsten Haltestellen auf Dänemarks erster Bahnlinie zwischen Kopenhagen und Roskilde ist der Bahnhof in Hedehusene schon seit den 1850er Jahren Dreh- und Angelpunkt für Handel, Handwerk und Reisende. Besonders die Hedehusener Ziegelindustrie profitierte vom Bau des Schienennetzwerks. Doch mit dem Wachstum von Dienstleistungsunternehmen und dem Anstieg privater Fahrzeuge hat der Bahnhof, wie viele andere, seine prominente Rolle in der Stadtlandschaft verloren, so dass sein Vorplatz zuletzt hauptsächlich als Durchgangsraum genutzt wurde.

Als Treffpunkt zurückgewonnen

Wegen des hohen Verkehrsaufkommens ist das Zentrum von Hedehusene zerschlagen. Da der Platz der einzige tatsächliche innerstädtische Freiraum ist, wollte die Stadt den Bahnhof selbst wieder zum Ziel machen und den Vorplatz als lebendigen und attraktiven Raum neu gestalten. Das Planungskonzept des beauftragten Architekturbüros Juul | Frost aus Kopenhagen sah vor, das gesamte Bahnhofsgebiet neu zu beleben und die Fläche als Mittelpunkt für Anwohner und Durchreisende zu etablieren. „Wir wollten einen Platz entwickeln, der die Passanten zum Innehalten bewegt“, sagt Architektin Helle Juul. „Er soll in den Menschen den Wunsch hervorrufen, den Zug oder den Bus zu verlassen – das Tempo herauszunehmen, zu entschleunigen und zu pausieren.“

Klinkerpflaster Friesland
Hagemeister-Sortierung Friesland: Die Zonierung wird mittels der unterschiedlichen Verlegerichtungen der Pflasterklinker vollzogen.

Rotes Pflaster feiert die Ziegel-Vergangenheit

Der multifunktionale Platz wurde mit einer durchgängigen Oberfläche aus warmem, roten Pflasterklinkern der Hagemeister-Sortierung „Friesland“ gestaltet. Von rotblaubunten Tönen über grau-silbrige bis hin zu weinroten Nuancen changierend, nimmt er Bezug auf die Materialität der Bahnhofsgebäude in klassisch-dänischer Backsteinarchitektur und schlägt gleichzeitig eine Brücke zur Geschichte der Stadt. „Dank der homogenen, roten Pflasterung haben wir einen Raum entwickelt, der die Grundlage existierender Gebäude aufgreift und das kulturelle Erbe von Hedehusene als ehemalige Hochburg der dänischen Ziegelproduktion mit seiner Materialität feiert”, so die Architektin.

Hygge: Hier lässt es sich leben

Durch unterschiedliche Verbände bei der Verlegung des Klinkers haben die Planer übergreifende Zonen mit verschiedenen Funktionen entwickelt, die auch für größere Veranstaltungen genutzt werden können. Mit Sitzgelegenheiten, einer Amphitreppe, einem Wasserspiel und liebevoller Bepflanzung sind einzelne Räume entstanden, die die Kommunikation fördern und zum ungezwungenen, gemütlichen Aufenthalt einladen. So ist der Bahnhofsvorplatz wieder zum städtischen Mittelpunkt geworden. Das können selbst die Durchreisenden vom Zug aus sehen. Die Danish Construction Association würdigte die Platzgestaltung des Projekts mit dem „Brolæggerpris 2017“.

Eröffnungsfeier

Offizielle Eröffnung des neuen Bahnhofsvorplatzes: Er wurde mit der Neugestaltung als öffentlicher Raum für die Bürger zurückgewonnen. | Fotos: Helle Steffen