Schlauchlinertag und Reparaturtag: Sanierungs-Update im Kongress Palais

HANNOVER, 04.04.2018 – Mit dem 16. Deutschen Schlauchlinertag und dem 7. Deutschen Reparaturtag geht am 24. und 25. April 2018 ein Branchen-Highlight in seine nächste Auflage. Was hat sich getan, was entwickelt sich? Das sind die Fragen, die sich Planer, Auftraggeber und Mitarbeiter von Sanierungsfirmen im Kongress Palais in Kassel stellen.

Qualität sichern vor Ort: Mit einem Instrument wie der RAL-Gütesicherung Kanalbau verfolgen Auftraggeber, Ingenieurbüros und Bauunternehmen das gemeinsame Ziel, die Qualität im Kanalbau zu verbessern. | Foto: Güteschutz Kanalbau
Qualität sichern vor Ort: Mit einem Instrument wie der RAL-Gütesicherung Kanalbau verfolgen Auftraggeber, Ingenieurbüros und Bauunternehmen das gemeinsame Ziel, die Qualität im Kanalbau zu verbessern. | Foto: Güteschutz Kanalbau
Auf dem 16. Deutschen Schlauchlinertag wird das Thema „Werterhalt der Infrastruktur“ mit einem Vergleich der Vermögenswerte einer Kommune gleich zu Beginn aufgegriffen. Die unterirdische Infrastruktur gehört zu den größten Anlagevermögen unserer Gesellschaft, ihre Instandhaltung deshalb zweifellos zu den Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. In diesem Zusammenhang gewinnt der Themenkomplex „Wertermittlung und Werterhalt von Entwässerungssystemen“ zunehmend an Bedeutung. Wie viel ist das Kanalnetz einer Kommune wert? Wie kann man den Wert des Netzes generationsübergreifend bewahren und kommunizieren? Was müssen Netzbetreiber zukünftig investieren? Das sind einige der Fragen, die auf dem Deutschen Schlauchlinertag erörtert werden.

Planung und Technik

Was müssen Planer und Auftraggeber bei der Planung, Ausschreibung, Auftragsvergabe und Bauüberwachung beachten, damit sie das Ergebnis erzielen, das sie sich gewünscht haben? Eine Antwort auf diese Frage hat durchaus verschiedene Hintergründe, denn der Planer hat sich beispielsweise mit Haftungsfragen auseinanderzusetzen, während der Auftraggeber sich Risiken etwa mit Blick auf das Sanierungsergebnis oder in Bezug auf die Kosten aussetzt. Deshalb sind in einem Bereich wie der Kanalsanierung qualitätssichernde Maßnahmen von entscheidender Bedeutung.
Von grundlegender Bedeutung ist allerdings schon die Schadensanalyse hinsichtlich der Auswahl eines geeigneten Verfahrens; das zeigt ein Vortrag in Themenblock II. Ist eine Renovierung überhaupt möglich – etwa unter Betrachtung der statischen Rahmenbedingungen, oder muss erneuert werden? Unter diesem Gesichtspunkt werden Aspekte wie die Bedeutung der Altrohrzustände oder die Funktion des DWA-Arbeitsblattes 143-2 „Sanierung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden – Teil 2: Statische Berechnung zur Sanierung von Abwasserleitungen und -kanälen mit Lining- und Montageverfahren (Juli 2015)“ erörtert.

Aushärtung des Berolina-Liners mittels UV-Lichtquelle | Foto: BKP Berolina Polyester GmbH & Co. KG
Aushärtung des Berolina-Liners mittels UV-Lichtquelle | Foto: BKP Berolina Polyester GmbH & Co. KG

Neuerungen und Praxis zum Anfassen

Den Neuerungen der Branche widmet sich Block III. Unter anderem vorgestellt werden Hochtemperaturliner für Industrieanwendungen, Schlauchlining mit LED-Lichthärtung, bogengängige elektrische Fräsroboter für den Hausanschlussbereich sowie flexible Lichthärtung für Standard- und extreme Leitungsverläufe. Freuen können sich die Teilnehmer der Veranstaltung wie in den Vorjahren auf die moderierten Außenvorführungen, die Verfahrenstechnik zum Anfassen bieten.
Ganz im Zeichen von Qualität und Fehlermanagement wird der letzte Themenblock stehen. „Schlauchlining – alles easy oder was?“ lautet die provokante Frage, die ahnen lässt, dass es bei aller Ausgereiftheit des Verfahrens nach wie vor Punkte gibt, die es zu diskutieren gilt. „Zwar sind sowohl bei der Ausführung und Statik Regelwerke vorhanden, ebenso DIBt-Zulassungen, auch europäische Normungen sowie aktuelle Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen“, stellt Franz Hoppe, lange Jahre in verantwortlicher Position bei der Hamburger Stadtentwässerung tätig, fest. „Aber auch bei der Schlauchliner-Technologie geht die Entwicklung weiter, so dass permanent Anpassungen in den genannten Bereichen erfolgen müssen.“ Wie kann es sein, dass Schlauchliner wachsen, welche Rolle spielt die Profilmaßbestimmung bei Linerstatik und Ergebnis und welche Rolle spielen Netzbetreiber und Planer? Diesen Fragen gehen die Referenten ebenso nach, wie offenen Fragen zur Gewährleistung bei jahrzehntelangen Nutzungsdauern.

Die RS BlueLine-Technologie wurde speziell für die grabenlose Sanierung von Druckrohrleitungen im Trinkwasserbereich entwickelt.
Die RS BlueLine-Technologie wurde speziell für die grabenlose Sanierung von Druckrohrleitungen im Trinkwasserbereich entwickelt. Der bogengängige Schlauch wird unmittelbar vor dem Einbau vor Ort mit einem Zweikomponenten-Epoxidharz imprägniert und kalibriert. Dies geschieht in einer mobilen Tränkanlage und unter definierten und reproduzierbaren Qualitätsbedingungen. | Foto: Diringer & Scheidel Rohrsanierung

Sichere Ausführung

Zum Abschluss des ersten Veranstaltungstages wird die Aufgabe von Prüfinstituten bei der Qualitätssicherung beleuchtet – auch das seit vielen Jahren ein Thema, das immer wieder für kontroverse Diskussionen sorgt. Dass die Interpretationen der Ergebnisse durchaus nicht immer einheitlich sind, hat Hoppe während seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit der Kanalisation erfahren. Gebraucht würden deshalb klare Vorgaben an die Prüfung – idealerweise schon in der Ausschreibungsphase – sowie saubere Definitionen und eindeutige Formulierungen, da es bei festgestellten Mängeln sonst unweigerlich zu Auseinandersetzungen komme. Die auch den 16. Deutschen Schlauchlinertag begleitende Fachausstellung und das bereits 2015 neu ins Programm aufgenommene Einsteigerforum, das speziell mit Blick auf Erstbesucher der Veranstaltung konzipiert wurde, machen das Rahmenprogramm des ersten Veranstaltungstages komplett.

Materialien im Fokus

Der 7. Deutsche Reparaturtag bringt mit einer Einführung zum aktuellen Stand von Normung und Zulassung die Teilnehmer fachlich auf einen gemeinsamen Stand. Danach stehen Materialien im Fokus. Der Vortrag „Das richtige Harz am richtigen Platz“ in Vortragsblock I beschäftigt sich mit Anforderungen und Anwendungsgrenzen bei Spachteln, Verpressen, Laminieren, Injizieren und Beschichten. Er macht deutlich, dass es gerade bei Harzen eine unübersehbare Vielfalt gibt, mit jeweiliger Konfiguration für einen speziellen Anwendungszweck. „In diesem Bereich tut sich erfahrungsgemäß sehr viel“, weiß Michael Hippe, Vorstandsvorsitzender des VSB. „Und deshalb ist es für den Planer auch schwierig, hier den Überblick zu behalten.“
Ähnliches gilt bei der differenzierten Betrachtung von Reparaturmörtel, einer weiteren wichtigen Komponente im Kanalsanierungsbereich. Mit der 2016 eingeführten DIN 19573 – „Mörtel für Neubau und Sanierung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden“ – wurden erstmals Anforderungen und Prüfverfahren für Mörtel festgelegt, die in Entwässerungsanlagen gegenüber Beanspruchungen durch Abwasser verwendet werden. Produkte und Modifikationen werden vorgestellt und über Einsatzrisiken und die Möglichkeiten ihrer Vermeidung diskutiert.

Kraftvoll, effizient, kompakt: Der MicroGator ist ein Fräsroboter für den Hauptkanal in Rohrdimensionen von DN 200 (gelinert) bis DN 300. | Foto: IBAK Robotics GmbH
Kraftvoll, effizient, kompakt: Der MicroGator ist ein Fräsroboter für den Hauptkanal in Rohrdimensionen von DN 200 (gelinert) bis DN 300. | Foto: IBAK Robotics GmbH

Reparaturverfahren in der Praxis

Vortragsblock II beschäftigt sich mit Reparaturverfahren in der Praxis und steht ganz im Zeichen des Austausches von praktischen Erfahrungen. In einer vernünftigen Mischung werden gängige Verfahren vom Spachtel- und Verpressverfahren über die Injektion bis hin zum Einsatz von Kurzlinern behandelt. Verfahrensvarianten und Verfahrensabgrenzungen werden dabei ebenso diskutiert wie Anwendungsvoraussetzungen und -möglichkeiten oder Qualitätsanforderungen und -prüfung, darüber hinaus Risiken und Alternativen aufgezeigt. Dass gerade die Wiederherstellung der Einbindungen von Hausanschlussleitungen nach wie vor zu den sensiblen Bereichen bei der Sanierung gehört, macht der Beitrag „Wenn von innen nichts mehr geht – Der Anschluss in offener Bauweise“ deutlich.
Die moderierten Außenführungen zählen auch am zweiten Veranstaltungstag in Kassel zu den Highlights. Die Teilnehmer am Deutschen Reparaturtag erwartet „Reparatur zum Anfassen“: Die beteiligten Unternehmen stellen unter anderem ihre aktuellen Entwicklungen vor.

Die neue Quick-Lock-Flexmanschette DN 200 - DN 600 ist im Bereich von Muffenversätzen und Achsabwinklungen einsetzbar.
Die neue Quick-Lock-Flexmanschette
DN 200 - DN 600 ist im Bereich von
Muffenversätzen und Achsabwinklungen
einsetzbar. Als verformbarer
Zwischenabschnitt dient ein
Kompensatorblech verbunden mit zwei
Quick-Lock-Schalen. In Verwendung mit
der EPDM-Dichtung legt sich die
Manschette formschlüssig an die
Rohrwand an.
| Foto: Uhrig Kanaltechnik GmbH

Sanierungsplanung

Dass der Planer bei der Auseinandersetzung mit einer Sanierungsmaßnahme durchaus die Qual der Wahl hat, damit beschäftigt sich Vortragsblock IV. Wie gehe ich eine Reparatur richtig an und wie führe ich sie richtig aus – die Fachreferenten stellen Entscheidungswege, Entscheidungshilfen, Einsatzgrenzen und risikobasierte Ansätze vor. Empfehlungen gibt es auch auf die wichtige Frage, welcher Aufwand bei einer anstehenden Reparatur für die Grundlagenerhebung sinnvoll ist.
In der abschließenden Podiumsdiskussion tauschen sich Vertreter führender Softwarehersteller aus. In kurzen Impulsvorträgen werden aktuelle Funktionalitäten und zukünftige Entwicklungen bis hin zur BIM-gestützten Kanalsanierung vorgestellt. Hier herrscht nicht nur nach Meinung von Hippe Nachholbedarf – in der Tiefbaubranche generell, aber auch in der eher kleinteiligen Kanalsanierungsbranche. „Wer den Zug verpasst, der wird es schwer haben, später wieder den Anschluss an dieses Trendthema zu bekommen“, ist Hippe überzeugt.
Mit einer inhaltlichen Zusammenfassung des VSB-Vorstandsvorsitzenden geht der Reparaturtag traditionell zu Ende. Die Veranstalter freuen sich auf die gewohnt rege Beteiligung und sind sicher, auch mit dem diesjährigen Programm die Basis für viele Informationen und anregende Diskussionen geschaffen zu haben.
Detaillierte Informationen zum Tagungsprogramm sowie alles Wichtige rund um die Veranstaltung finden sich unter www.schlauchliner.de und www.reparaturtag.de.