Fachverband Vorgefertigte Raumsysteme: Positionspapier zu EU-Ausschreibungen

KOBLENZ, 26.03.2018 - In einem Positionspapier fordert der Fachverband Vorgefertigte Raumsysteme im Bundesverband Bausysteme e.V., dass die in den DIN-Normen und VDI-Richtlinien definierten Qualitätsstandards auch für Angebote aus dem europäischen Ausland gefordert werden sollten.

Heute werden durch die öffentliche Hand bereits ganze Siedlungen mit Raumsystemen realisiert. Sie gewährleisten kurze Projektzeiten und wirtschaftliche Bau- und Gesamtkosten. Vorgefertigte Raumsysteme müssen hohen Qualitätsansprüchen genügen.

Häufig liegt der geschätzte Auftragswert der mit derartigen Raumsystemen erstellten „Containerdörfer“ oberhalb des EU-Schwellenwertes, so dass sie europaweit ausgeschrieben werden müssen.

In EU-Vergabeverfahren soll das wirtschaftlichste Angebot, d.h. das Angebot mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, den Zuschlag erhalten. Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit sollen nicht ausschließlich die reinen Baukosten herangezogen werden. Qualitäts- und Nachhaltigkeitskriterien und der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes müssen betrachtet werden. Der niedrigste Preis ist nur dann ausschlaggebend, wenn vom öffentlichen Auftraggeber keine weiteren Kriterien gefordert werden.

Qualität und Nachhaltigkeit von allen Anbietern fordern

Immer wieder kommt es vor, dass nach europaweiten Ausschreibungen von ausländischen Anbietern Qualitäten angeboten werden, die zum Teil deutlich von deutschen Standards abweichen. Dem Gebot der Wirtschaftlichkeit folgend, erhielt kürzlich zum Beispiel ein spanisches Unternehmen den Zuschlag für die Lieferung und Montage von Raumzellengebäuden. Bereits kurz nach Montagebeginn der Raumsysteme zeigte sich, warum das spanische Unternehmen als preisgünstigster Bieter den Zuschlag für die Gebäude erhalten hatte. Viele Bauteile waren, soweit ersichtlich, schlecht verarbeitet, die Regenentwässerungen viel zu gering dimensioniert und bauphysikalische Erfordernisse nicht in Gänze eingehalten.

Vor dem Hintergrund derartiger negativer Erfahrungen fordert der Fachverband Vorgefertigte Raumsysteme im Bundesverband Bausysteme e.V. in einem Positionspapier, dass die in den DIN-Normen und VDI-Richtlinien definierten Regelungen, z.B. zur Qualität, Grundlage für europaweite Ausschreibungen und damit verbundene Leistungsangebote sein müssen. Qualitätsstandards, wie sie beispielsweise von den Mitgliedsunternehmen des Fachverbands einzuhalten sind, sollten in europaweiten Ausschreibungen auch für Angebote aus dem europäischen Ausland gefordert werden. Der Nachweis der Einhaltung aller Vorgaben für Qualität und Nachhaltigkeit müsse Bestandteil des Angebotes sein. Der alleinige Nachweis über die CE-Zertifizierung sei nicht ausreichend.

Eine weitere Forderung des Fachverbands ist die Schaffung einer Sondervorordnung für Raumsystem- und Modulgebäude als Bestandteil der Musterbauordnung bzw. der Bauordnungen der Länder.

Hier geht es zum Positionspapier "Europaweite Ausschreibungen von Raumzellen- und Modulgebäuden"

Zu diesem Thema siehe auch: 
ABZ Bayern: Einbeziehung strategischer Ziele bei Beschaffungen, Auftragsausführungsbedingungen und Gütezeichen | B_I MEDIEN