Neue Regelwerke im Fokus der Pflastertage 2018

FULDA, 18.04.2018 – Die Qualität in Planung und Ausführung von Pflasterflächen sowie die aktuellen Regelwerke für den Pflasterbau standen im Zentrum der 6. Deutschen Pflastertage, die alle zwei Jahre vom Straßen- und Tiefbaugewerbe im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) organisiert werden. Rund 250 Pflasterprofis, Vertreter aus Kommunen sowie Sachverständige kamen dafür ins Kongresszentrum nach Fulda.

Sebastian Geruschka
Sebastian Geruschka, Geschäftsführer des Straßen- und Tiefbaugewerbes im ZDB, eröffnete die 6. Deutschen Pflastertage am 28. Februar in Fulda und begrüßte rund 250 Tagungsteilnehmer. | Fotos: Stoffregen

Nachdem Sebastian Geruschka, Geschäftsführer des Straßen- und Tiefbaugewerbes im ZDB, die Veranstaltung am 28. Februar eröffnet und die zahlreichen Tagungsteilnehmer begrüßt hatte, startete Alexander Eichler, Leiter Anwendungstechnik bei der Lithonplus GmbH & Co. KG, mit dem ersten Vortrag des Tages – unter dem Titel „RStO - Die fachgerechte Dimensionierung von Pflasterdecken und Plattenbelägen“. Eichler erläuterte die Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen (RStO) und die Bauweisen bei verschiedenen Belastungsklassen. Er machte deutlich, dass die Steindicke einer der wesentlichen Faktoren für die Leistungsfähigkeit des Belags ist: „Die Dicke bringt die Performance“, sagte Eichler in Fulda, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Pflaster und Tragschicht als System betrachtet werden sollten und die korrekte Fugenbreite für Stabilität sorge. Beim Verlegen im Fischgrätverband sei die Fuge „das A&O“, gab er als Beispiel an.

Natursteine: Lieferungen genau prüfen

Im Vortrag von Wulf Schneider, Sachverständiger für das Straßenbauer- und Pflastererhandwerk, ging es anschließend um Natursteinpflasterflächen. Schneider erläuterte die DIN EN 1342, die nach Nennflächenmaßen die Größe von Pflastersteinen bestimmt, ging auf die Bauproduktenverordnung (BauPVO) ein und gab Hinweise auf ZTV Pflaster und das Ausschreiben ungebundener Pflasterflächen. Schneider wies u.a. daraufhin, dass die CE-Kennzeichnung lediglich eine Leistungsbeschreibung vom Hersteller sei, und riet, Lieferungen genau zu prüfen.

Planer stärker in der Pflicht

Anschließend erläuterte Walter Braun die als Entwurf vorliegende ATV DIN 18318, die im Herbst in die VOB aufgenommen werden soll. Als Obmann der ATV DIN 18318 erklärte der Experte in seinem Vortrag unter dem Titel „Fehlerquellen beim Pflastern – Vermeidbar durch die Anwendung der neuen ATV DIN 18318“, dass z.B. der Geltungsbereich anstatt „Verkehrswegebauten“ künftig „Pflasterdecken, Plattenbeläge und Einfassungen“ definiert. Ein weiterer Aspekt, der neu in die DIN aufgenommen werden soll, ist die Unterscheidung von begeh- und befahrbaren Flächen, deren jeweilige Gefälleausbildung und Fugenfüllstoffe. Letztgenannter Aspekt, so Braun, sei ein Anliegen der Landschaftsgärtner gewesen, die neben Vertretern aus dem Straßenbau und der Industrie mit im Arbeitsausschuss saßen. Der GaLaBau hat damit seine Anforderungen einfließen lassen, was für Planer mehr Flexibilität in der Umsetzung bedeutet, wie Braun deutlich machte. „Die Planer sind mehr in der Pflicht, und die Umsetzung der neuen DIN ist schwieriger“, sagte Braun. Sein Fazit lautete deshalb: Qualität beginnt mit der Planung.

Um die dichte Linienentwässerung für den Einbau in Pflasterflächen ging es im Vortrag von Stefan Niehaus, Projektberater/Außendienst Aco Tiefbau Vertrieb GmbH. Niehaus präsentierte Lösungen des Herstellers für ein dichtes, kontrolliertes Regenwassermanagement und machte deutlich, dass dabei der gestalterische Aspekt nicht zu kurz kommen muss.

Im Anschluss lag der Fokus nochmals auf Regelwerke: Prof. Dr. Holger Lorenzl, Fachhochschule Lübeck, ging auf die Neufassung der Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für den Bau von Pflasterdecken, Plattenbelägen und Einfassungen (ZTV Pflaster) ein. Das Regelwerk hat den Arbeitsausschuss 6.6 positiv durchlaufen und befindet sich derzeit im Lenkungsausschuss in der Diskussion. Der Professor für Verkehrswegebau erläuterte in seinem Vortrag unter dem Titel „Die neuen ZTV-Pflaster - Ergänzung oder Abgrenzung zur neuen ATV DIN 18318“ die Details der ZTV-Neufassung, die redaktionell und inhaltlich überarbeitet wurde. Die Neufassung berücksichtigt die ebenfalls in der Überarbeitung befindlichen ATV DIN 18318, grenzt sich aber ab. Nicht Bestandteile der ZTV seien z.B. begrünbare Flächenbefestigungen sowie Pflasterdecken und Plattenbeläge in gebundener Bauweise. Hier seien weitere einschlägige Technische Regeln oder Hinweise zu beachten und gegebenenfalls als Vertragsbestandteile zu vereinbaren.

Ausstellung auf den Pflastertagen 2018
Die begleitende Ausstellung informierte über Produkte für den Pflasterbau. Eine Sonderfläche bekam die Wanderausstellung „Pflasterhandwerk – Zukunft mit Zukunft“ vom Netzwerk Pflasterbau (Foto). Sie zeigt die historische Entwicklung des Pflasterhandwerks als eine der ältesten Handwerkszünfte Europas.

Sachverstand auf der Baustelle gefordert

Der Sachverständige Jürgen Dieker (Osnabrück) präsentierte Fallbeispiele aus der Gutachterpraxis und stellte Mängelursachen und Fehleranalysen vor. Sein Fazit lautete: Die Qualität der Ausführung ist entscheidend. Als Beispiel hatte er u.a. ein Bild aus der Praxis mitgebracht, das eine komplett in Waage gebaute Fläche zeigte. Akkurat ausgeführt, nur ohne Mindestgefälle. In diesem Zusammenhang brachte er auch den „nicht denkenden Ingenieur“, kurz NDI, ins Spiel, der ihm anscheinend öfters zu begegnen scheint. Zum Abschluss des ersten Veranstaltungstages kam das Duo Bernd Burgetsmeier, Sachverständiger (Friedberg), und Prof. Dr.-Ing. Carsten Koch, Technische Hochschule Köln, auf die Bühne. Ihr Thema war das „FGSV-Regelwerk: Inhalt und Bedeutung des neuen Merkblattes für die gebundene Pflasterbauweise“. Eindrücklich machten sie deutlich, wie sich Temperaturen auswirken und welchen Biegezug- und Zugspannungen das Pflaster ausgesetzt ist. Wichtig sei es deshalb, dass die Bettung zur Abtragung der Zugspannungen beiträgt und die Haftzugfestigkeit zwischen Pflaster und Bettung gegeben ist. Je größer das Befestigungselement, desto mehr Bewegungsfugen seien zudem erforderlich, um Spannungen kontrolliert abzuleiten bzw. zu reduzieren.

Schäden und ihre Ursachen

Den zweiten Tag eröffnete Arno Tröger, freier Sachverständiger Garten- und Landschaftsbau (Wiesbaden), mit einem Vortrag zum Thema „Schadensvermeidung bei teilweise oder ganz überdachten, befestigten Flächen mit Pflaster- und Plattenbelägen“. Mehr zu dieser komplexen Bausituation lesen Sie in der Mai- und in der Juniausgabe der B_I galabau.
„Das FGSV-Merkblatt für die Bauliche Erhaltung von Verkehrsflächen mit Pflasterdecken oder Plattenbelägen“ war Vortragsthema von Prof. Dr.-Ing. Martin Köhler, Dozent an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und Partner der Convia Ingenieurgemeinschaft. Er zeigte Schadensbilder und deren Ursachen auf und stellte Maßnahmen zur Instandhaltung sowie Erneuerung vor. Der Geschäftsführer des Betonverbands Straße, Landschaft, Garten (SLG), Dietmar Ulonska, referierte unter dem Titel „Lärmarme Pflasterbauweisen – Planung, Ausführung, Erhaltung“. Ulonska erläuterte, dass Fahrbahnen mit Betonpflaster unter Einhaltung bestimmter Eigenschaften aus akustischer Sicht mit konventionellen nicht Geräusch mindernden Asphaltbauweisen durchaus vergleichbar sind.

Nächste Pflastertage in zwei Jahren

Um „Bewegungsfugen in gebundenem Pflaster, bei Borden und Rinnen“ ging es anschließend im Vortrag von Siegfried Jakob, Ingenieurbüro für Bauwesen (Tangermünde). Jakob legte den Fokus auf die funktionsgerechte Herstellung von Bewegungsfugen und gab einen Überblick verschiedener Fugenfüllmaterialien. RA Prof. Dr. Mark von Wietersheim, Geschäftsführer vom Verein Forum Vergabe (Berlin) hielt zum Thema „VOB/C richtig verstehen – Fehler vermeiden bei Kalkulation, Nachträgen, Mehrkosten“ den 12. und damit letzten Vortrag der zwei informativen Pflastertage in Fulda. Eine Menge Informationen konnten die diskussionsfreudigen Teilnehmer mitnehmen – und in zwei Jahren geht’s weiter: Die 7. Deutschen Pflastertage finden am 25./26. Februar 2020 wieder in Fulda statt.