Workshops für Handwerker: Bauen mit Seegras, Hanf und Holzwolle

BREMEN/BREMERHAVEN, 19.04.2018 – Energiesparend, klimaschonend und gewerkeübergreifend bauen, und das möglichst mit natürlichen Baustoffen: Darum geht es in den Workshops von HAKS „HandwerksAusbildung für Klimaschutz“. Der Bauträger parc bauplanung Hoya nimmt regelmäßig daran teil – gemeinsam mit seinen Partnerbetrieben.

Workshop im NZNB Verden
Referent Werner Müller nahm nicht nur die Ökobilanz von Baustoffen und Gebäuden in den Blick, er schaute auch in die Zukunft mit einem Vortrag über die Digitalisierung im Handwerk.

„Energieeffizientes Bauen & Sanieren“ lautete Ende März das Thema im Norddeutschen Zentrum für Nachhaltiges Bauen (NZNB) in Verden – dem größten mit Stroh gedämmten und direkt verputzten Holzgebäude Europas. Über 30 Vertreter verschiedener Handwerksbetriebe, vom Maurermeister über den Tischlergesellen bis hin zum Dachdecker-Azubi, waren zur zusätzlichen Qualifizierung gekommen – sehr zur Freude von parc bauplanung-Geschäftsführer Torsten Franz, der betont: „Die Teilnahme war keinesfalls Pflicht, sondern ein Vorschlag unsererseits.“
Dass er ein großes Interesse daran hat, dass nicht nur die Mitarbeiter seines Betriebes, sondern auch die seiner Partnerunternehmen das Angebot von HAKS nutzen, hat mehrere Gründe: „Klimaschonendes, energieeffizientes Bauen ist eine Aufgabe der Zukunft, der wir uns mit der Planung und Umsetzung luftdichter Massivhäuser verschrieben haben. Da ist es nur logisch, die Dienstleister, mit denen wir zusammenarbeiten, auf diesem Weg mitzunehmen. So können wir sicherstellen, dass alle Gewerke auf der Baustelle über dasselbe sprechen“, erklärt Bauingenieur und Energieberater Torsten Franz.

Aber auch den Austausch untereinander findet er wichtig: „In der Regel ist ein Handwerker auf eine bestimmte Leistung spezialisiert und zeichnet nur für einen Teil der Baumaßnahme verantwortlich. Wenn man Gebäude aber wie wir so baut, dass von ihnen möglichst wenig CO2-Emissionen ausgehen und ihr Energieverbrauch gering ist, müssen alle beteiligten Gewerke an einem Strang ziehen und Hand in Hand für das bestmögliche Ergebnis zusammenarbeiten. Das gelingt viel besser, wenn man sich kennt.“ Beides – die Wissensvermittlung über nachhaltiges Bauen und Sanieren sowie das Zusammenführen der Gewerke – sind Grundgedanken von HAKS. „Deshalb bin ich auf das Projekt aufmerksam geworden und sehr froh, mit meinen Leuten einzelne Lernmodule aus dieser Zusatzqualifizierung besuchen zu können“, so Franz.

Torsten Franz und Lars Kremer
Suchten den Austausch mit den Referenten: parc bauplanung-Geschäftsführer Torsten Franz und Lars Kremer vom Atelier Reissbrett.

Impulse für grünes Bauen

Initiiert wurde die Zusatzqualifizierung von der gemeinnützigen Klimaschutzagentur energiekonsens. Es gehe in den Workshops darum, Impulse für Klimaschutz im Arbeitsalltag zu vermitteln und Denkanstöße zu für das Überdenken von Arbeitsroutinen zu geben, sagt Heinfried Becker, HAKS-Dozent und Projektleiter bei energiekonsens. So erklärte Becker in seinem Vortrag, wie der Feuchtetransport bauphysikalisch funktioniert, wie unterschiedliche Baustoffe mit Diffusion und Absorption umgehen und Probleme mit Schimmel gar nicht erst entstehen – etwa durch den Einsatz von mineralischen Lehmputzen.

Für Aha-Effekte sorgte der Beitrag von Werner Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen. Er erläuterte, wie Baustoffe und Gebäude energetisch sowie ökologisch bewertet werden – nämlich indem ihr gesamter Lebenszyklus vom Bau bis zum Abriss betrachtet wird. Darüber hinaus nahmen die Teilnehmer Werkstoffe und Produkte genauer unter die Lupe, mit denen sie viel arbeiten. Eine Erkenntnis: Der Baustoff Holz hat zwar eine gute Ökobilanz, weil er aus der Natur kommt, nachwächst, vergleichsweise energiesparend verarbeitet und recycelt werden kann. „Doch wenn das Material vom anderen Ende der Welt angeliefert und vorher mit Chemikalien behandelt wird, fällt das Ergebnis natürlich anders aus, was mir so nicht bewusst war“, erklärt Dipl.-Ing. Lars Kremer vom Atelier Reissbrett.

Führung durch Europas größtes Holzhaus

Eine gute Übersicht über nachhaltige, ökologisch wertvolle Baumaterialien gab die anschließende Führung durch die Ausstellung im NZNB. Hier wird gezeigt, wie das fünfgeschossige Holzgebäude errichtet wurde, und welche natürlichen Dämmstoffe neben Stroh noch genutzt werden können: zum Beispiel Seegras, Hanf und Holzwolle. Auf großes Interesse stieß die Eisspeicherheizung des Passivhauses. Sie kann in einem unterirdischen Eisbehälter Wärme aus Solar-Kollektoren sowie Abwärme aus der Photovoltaik- und der Klimaanlage aufnehmen und je nach Bedarf wieder in die einzelnen Räume abgeben. Lüftungsexperte Roger Krüger von der Vallox GmbH: „Auf Veranstaltungen wie dieser nimmt man immer etwas mit, daher besuche ich sie gerne und bin auch beim nächsten Mal wieder dabei.“

Mit der Wärmekamera durchs NZNB

Kam gut an: der Rundgang durch die Ausstellung „nachhaltig.bauen.erleben“ im NZNB. | Fotos: energiekonsens/nznb

Kostenlose Weiterbildung

HAKS – die HandwerksAusbildung für Klimaschutz ist eine kostenlose Weiterbildung für Handwerker. Sie beinhaltet insgesamt zwölf Module aus unterschiedlichen Baubereichen. In ihnen lernen Auszubildende und ihre Ausbilder im Betrieb Möglichkeiten für energieeffizientes und ressourcenschonendes Arbeiten auf der Baustelle kennen.
www.haks-projekt.de